Bei Marlies Ahrend laufen in Erxleben viele Fäden zusammen. Sie organisiert Kirchengemeinde- und Seniorennachmittage, die Grünkohlwanderung und singt im Frauenchor. Und das ist noch lange nicht alles

Erxleben l Marlies Ahrend lebt für ihr Dorf. Die 69-Jährige wurde in Erxleben als Tochter der Bauernfamilie Dobberkau geboren und hat die Liebe zum Dorf sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Ihr Großvater hatte den Hof, auf dem sie heute mit ihrem Mann Hans-Jürgen, seines Zeichens Ortsbürgermeister, lebt, 1898 gekauft. "Ich bin die dritte Generation", sagt sie.

Viele kennen Marlies Ahrend noch von ihrer Zeit als Lehrerin an der Polytechnischen Oberschule in Erxleben, aber sie gibt lachend zu: "Ich wollte gar nicht Lehrerin werden, sondern in die Lebensmittelchemie."

1963, nach dem Abitur in Osterburg, hatte sie den Lehrvertrag als Verkäuferin schon in der Tasche, von wo aus sie sich den Sprung in die Lebensmittelchemie erhoffte. Aber es wurden Lehrer gesucht. So fing sie an der Martin-Luther-Universität in Halle an, Chemie und Polytechnik zu studieren und lernte im Zug sogar ihren Ehemann kennen, der aus Immekath stammt und ebenfalls Lehrer werden wollte. Bis 1991 unterrichtete Marlies Ahrend an der POS Erxleben, die nun umstrukturiert wurde, dann waren bis 1993 die Sekundarschulen in Hindenburg und Iden ihre neuen Arbeitsstätten. "Ich hatte mich aber bei der Förderschule in Erxleben beworben, weil ich gern zurück wollte und so auch meine Mutter besser pflegen konnte, als wenn ich weiter gependelt wäre", erklärt die passionierte Chemikerin. Es klappte, und zehn Jahre lehrte sie im Hauswirtschaftsraum, dem früheren Chemieraum, wo vor der Wende Essen und Trinken verboten war, brachte den Förderschülern Lesen und Schreiben bei, führte im Schulgarten Regie. Die praktische Vorbereitung auf das Leben lag ihr eben am Herzen.

Während ihrer Anfangszeit als Lehrerin kam sie mit Kolleginnen auf die Idee, einen Chor zu gründen. Ludmilla Quack, Marianne Wernicke und Elfriede Hieke sind noch heute mit ihr von den Gründungsmitgliedern dabei. Elke Osterloth führt die 18 Mitglieder des 46 Jahre alten Chores. Die Freude am Singen bringt sie jeden Montag zusammen.

Wie lange Marlies Ahrend Kirchenälteste ist, kann sie gar nicht sagen. Um das Krippenspiel zu sichern, begann sie vor über zehn Jahren mit Frau Lechner, die Tradition aufrecht zu erhalten, fragt seitdem ab Ende Oktober Kinder in Erxleben und Polkau, ob kirchlich oder nicht, ob sie Lust hätten, mitzumachen. Inzwischen hat sie beim Krippenspiel allein die Federführung.

Davon abgesehen organisiert sie einmal im Monat, im Wechsel mit Düsedau, Nachmittage im Dorfgemeinschaftshaus. "Ich gucke, dass es ein bisschen nett ist", sagt sie, meint aber damit, dass sie klärt, wer den Kuchen backt und in der Küche hilft oder die Tische schmückt. In Vorbereitung auf die Gottesdienste gilt das Gleiche. Das schöne blumige Ambiente hat sie ihrem Garten zu verdanken. Dazu muss sie allerhand Bürokram erledigen, Friedhofsunterhaltungsgebühren kassieren, Grabstellen vergeben, schauen, dass alles in Ordnung ist.

Auch über die Kirche hinaus hat Marlies Ahrend zu tun. Die Seniorennachmittage an jedem zweiten Dienstag gehen gleichfalls auf ihr Konto und die Verwaltung des Dorfgemeinschaftshauses sowieso. Wer feiern will, meldet sich bei ihr. Zu ihrem Bedauern lief die Stelle von Käthe Piepenhagen über den Bundesfreiwilligendienst aus. Wie gut, dass die Polkauerin sie ehrenamtlich unterstützt, denn die gesellschaftlichen Angebote werden sehr gut angenommen. Um die 40 Leute freuen sich, beim Seniorennachmittag zusammenzukommen. Für die inhaltlichen Belange zeichnet übrigens Gisela Seehaus verantwortlich. Und dann ist da noch die Grünkohlwanderung im Januar, wegen der das Telefon bei Ahrends einen Monat nicht zur Ruhe kommt.

Natürlich steht auch ihre Familie mit ihren Kindern Birte, Jörn und Kirsten und den vier Enkeln hoch im Kurs. Oft fährt sie mit ihrem Mann zu Reitturnieren ihrer Enkelin Anne mit, die inzwischen selbst einen Führerschein hat. "Anne hat den Pferde-Virus geerbt. Wir hatten ja hier früher Pferde, Kühe, Schweine, Hühner, Enten", fügt Ahrend hinzu. Apropos Federvieh. Gerade ruft sie bei manchem Erxlebener durch, um zu fragen, wie viele Hühner und Enten bestellt werden sollen. Das macht die emsige Rentnerin nebenher, wenn sie Hund Cosma und die Hühner versorgt hat. Ab und an bringt Sohn Jörn übrigens noch den sogenannten Enkelhund zur Urlaubspflege vorbei.

Bleibt da Freizeit? Aber klar. Marlies Ahrend liebt die Ostsee und taucht mit ihrem Mann öfter mal in der Nähe von Zingst ab. Abends macht sie Kreuzworträtsel und Sudoku. Nur das Piff und Paff von ihrer Chemie-Zeit hat die frühere Lehrerin sein lassen. Ansonsten hat sie im Unruhestand ganz gut zu tun. Zur Freude der Gemeinde. "Das mache ich doch gern", sagt sie lachend.