Krumke (wsc) l Unter der Schirmherrschaft des Förderverbandes Elbtalaue wird seit nunmehr 15 Jahren mit Regelmäßigkeit der "Naturkundliche Abend" veranstaltet. Beuster und Schönberg waren die Veranstaltungsorte, bis die dortigen Gaststätten schlossen. Da der Organisator, Dr. Thoralf Schaffer, inzwischen nach Krumke verzog, bot sich das dortige Kavaliershaus als neuer und vor allem größerer Veranstaltungsraum an. Auch in diesem Jahr war die Resonanz überwältigend, denn zusätzlich zu den Sitzgelegenheiten, einschließlich Couch und Schaukelstuhl, mussten etwa 30 von den über 100 Interessenten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen.

Nach der Begrüßung durch den Organisator mit Hinweis auf die Bedeutung des Förderverbandes Elbtalaue nahm Manfred Kuhnert aus Wulkau, der ein langjähriger Beringer der Vogelwarte Hiddensee ist, das Wort. "Rückkehr der Adler", so hatte er seinen Lichtbildervortrag überschrieben. Mit Adler waren der Seeadler und der Fischadler in unserer Region gemeint.

Neben der Vorstellung der beiden Vögel, von denen der Seeadler mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,40 Metern der größte in Deutschland heimische Greifvogel ist, nahm der Referent auch ausführlich Stellung zur Entwicklung der Population bis zum neuesten Stand. Gab es zum Beispiel im Jahre 2001 in Sachsen-Anhalt 17 Revierpaare des Seeadlers, so konnten 2012 schon wieder 40 Revierpaare gezählt werden. Neben fehlenden Lebensräumen leidet der Greif unter den für ihn gefährlichen Windkraftanlagen und unter dem Einsatz von bleihaltiger Munition bei der Jagd. Denn, wenn der Adler mit Blei kontaminierte Beute frisst, reichert sich das giftige Metall im Körper an und führt zum Tode. Fazit: Der Seeadler ist in Sachsen-Anhalt dennoch wieder im Aufwind. Die Arbeit von engagierten Naturschützern, die Ausweisung und Durchsetzung von Horstschutzzonen und ein gutes Nahrungsangebot in den Naturschutzgebieten bieten dem einst vom Aussterben bedrohten Greifvogel wieder gute Lebensbedingungen.

"Warum wir jagen? Jagd als Mittel des Natur-, Arten- und Tierschutzes" war der Vortrag des Geschäftsführers des Landesjagdverbandes Sachsen- Anhalt, Wilko Florstedt, aus Langenweddingen überschrieben. Die Frage hätte auch heißen können, warum wir heute noch jagen, wo doch der einstige Zweck des Nahrungserwerbes nicht mehr unbedingt lebensnotwendig gegeben ist, so der Referent. An drei Säulen versuchte er die Notwendigkeit der Jagd zu begründen. Aus der Veränderung der landwirtschaftlichen Produktionsverhältnisse und der daraus resultierenden Zunahme an Biomasse profitiert auch das Wild in Wald und Flur und reagiert mit einer Vergrößerung der Bestände, speziell beim Reh-und Schwarzwild.

Daraus resultiert die nachhaltige Nutzung des Wildes als erste Säule. Die zweite Säule ist die Forstwirtschaft. Ein gesunder und wirtschaftlicher Wald kann sich nur entwickeln, wenn die Verbissschäden durch das Wild in Grenzen gehalten werden.

Dazu trägt auch der Abschuss von 37400 Tonnen Wild (2013/14) bei. Als dritte Säule für die Notwendigkeit der Jagd wird der Naturschutz angesehen. Durch das Fehlen von großen Prädatoren (Beutegreifern) wie Bär oder Wolf ist eine Regulierung des Bestandes notwendig.

Gleichzeitig trägt dem Naturschutzgedanken auch das bundesweit von den Jägern initiierte "Wildtier Informationssystem" (Wild Monitoring) Rechnung. Mit diesem geht es um die Erfassung ausgewählter Wildtierarten mit wissenschaftlichen Methoden, um künftig über abgesichertes Datenmaterial zu verfügen. Nach diesem Vortrag ließ der Veranstalter einen Hut "rumgehen", um mit den erhofften Spenden eine neue Storchennisthilfe errichten zu können. Die beachtliche Summe von 246,21 Euro kam zusammen und wurde auf das Konto des Fördervereins überwiesen.

Den Vogel des Jahres 2015, den Habicht, stellte Schaffer vor. Neben dem "Steckbrief" des Greifvogels nutzte er auch eine Erzählung über den Hühnerhabicht von dem großen deutschen Landschaftsdichter Hermann Löns (1868-1914), dem meisterhaften Erzähler von Jagd-und Tiergeschichten. Ein Inhalt für den nächsten "Naturkundlichen Abend" wird die Wiederansiedlung des Luchses sein.

 

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