Die Befürworter und Gegner des Landschaftsschutzgebietes (LSG)"Altmärkische Wische" diskutierten bisher, "als ginge es um die Amputation von Armen und Beinen". So drückte sich Katharina Häckl aus, die gestern in Krumke eine Podiumsdiskussion zum LSG moderierte. Freilich waren mehr Befürworter zugegen, aber kritische Punkte kamen auch so auf den Tisch.

Krumke l Man kann auch positiv sehen, dass bisher so deftig diskutiert wurde. "Beide Seiten sind mit dem Herzen dabei", äußerte sich Katharina Häckl. Hier die raffgierigen Landwirte, dort die Blümchen pflückenden Zugezogenen: Diese - freilich überspitzte - Diskrepanz galt es gestern zu relativieren. "Wir wollen objektiv diskutieren", sagte Lucile Thoyer als Sprecherin der Bürgerinitiative "Altmärkische Wische". Die BI hatte ins Kavaliershaus Krumke geladen - und das war mit mehr als 60 Gästen gut gefüllt.

LSG ist nicht primär Mittel gegen Windräder

"Wir sehen im LSG nicht in erster Linie ein Instrument, um Windkrafträder und Massentierhaltungen zu verhindern", sagte Lucile Thoyer. Vor allem solle mit dem LSG das Landschaftsbild Wische erhalten bleiben, die Einzigartigkeit dieser Region. Für Letzteres, so erklärte Dorothea Frederking (Bündnis 90/DieGrünen), benötige man auch ein LSG. Aber das Mitglied des Landtages stellte klar, "dass man es nicht braucht, um Windkraftanlagen zu verhindern". Jedenfalls nicht zwingend. "Wenn die regionale Planungsgemeinschaft in der Wische keine Vorrangs- und Eignungsgebiete vorsieht, wird es auch keine Windkrafträder geben", so Dorothea Frederking. Und die Planungsgemeinschaft, sie sei ein demokratisch gewähltes Gremium. Landrat Carsten Wulfänger selbst ist zum Beispiel darin, Eike Trumpf, Nico Schulz und Robert Reck.

Investoren stehen in der Warteschlange

Das Publikum aber hatte schon gehört von den ominösen Weißflächen. Zwei soll es in der Altmärkischen Wische geben, zwei Flächen, die - so das LSG nicht kommt - zu Vorrang- und Eignungsgebieten erklärt werden könnten. Für den Fall stehen die Windinvestoren längst in der Warteschlange: "Da ist Bewegung im Hintergrund", sagte Nico Schulz als Bürgermeister der Einheitsgemeinde Osterburg.

Landwirt Wilfried Hotowetz wehrte sich vehement dagegen, dass allein die Landwirte als Windanlagenbauer hingestellt werden, "das sind auch Grundstückseigentümer", so der Falkenberger. Er habe "arge Bedenken", was künftige Baumaßnahmen von Landwirten betrifft. Werden sie in einem LSG genehmigt?

LSG will den Ist-Zustand der Wische erhalten

Hierzu betonte Dorothea Frederking immer wieder: "Meine Botschaft ist, dass Landwirte keine Angst zu haben brauchen." Das LSG habe zum Ziel, den Ist-Zustand zu erhalten. "Nur, was gegen das Landschaftsbild spricht, wird nicht genehmigt. Und zum Landschaftsbild gehören in der Altmärkischen Wische auch Einzelhöfe mit ihrer Landwirtschaft."

Wem kann man trauen? Immer wieder hieß es, dass nicht so hitzig debattiert würde, wenn die Menschen das Gefühl hätten, dass gesprochenes Wort auch wirklich Bestand hat. Karsten Reinhardt, auch im Podium, kritisierte gar, dass die Gemeinden in der LSG-Frage nicht mitgenommen wurden, "Falkenberg wurde ganz vergessen", so der Bürgermeister der Altmärkischen Wische. "Wir haben das Vertrauen in die Politik total verloren", sagte auch Landwirt Hotowetz.

Hans Walter Louis, ehemals in der Referatsgruppe Naturschutz im Niedersächsischen Umweltministerium, betonte, "dass sich häufig selbst in den kontroversesten Diskussionen Gemeinsamkeiten finden lassen". Und dass die Betroffenen gut daran täten, weiterhin in gutem Austausch zu bleiben.

   

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