Iden l Da braucht gar keiner die Nase zu rümpfen. "Das Schwein ist des Deutschen liebstes Tier", sagte Udo Schulze. Er hat gestern Zehntklässler des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums in die Schweinehaltung eingeführt, während seine Kollegen weitere Gymnasiasten gleichzeitig in Rinderhaltung, Klima- und Bodenkunde unterrichteten. Der Ausflug hat Tradition, aber der tierische Part war neu.

Udo Schulze arbeitet als Ausbildungskoordinator in der Lehrwerkstatt Schweinehaltung und fand Worte, die die Schüler sonst nicht hören: "Wir brauchen korrekte Sauen mit korrekten Zitzen." Werden die Sauen zu fruchtbar, bringen sie zum Beispiel 16 Ferkel zur Welt, sei das gar nicht gut. Ganz einfach, weil eine Sau bis jetzt nur 14 Zitzen hat. Bis jetzt? Ja, auch die Zitzenanzahl könne züchterisch beeinflusst werden. Aber es sei immer die Frage: Was nützt das?

Schulze lehrte die Schüler, vorsichtig zu sein in Bezug auf romantische Vorstellungen in der Schweinehaltung. "Wenn der Opa früher die Schweine nicht ausgemistet hat, lagen die einfach in ihrem Kot." Und das wolle kein Schwein. Da sei die Haltung in der Lehrwerkstatt besser, wenn das auch nicht heißen soll, dass die so genannte Massentierhaltung grundsätzlich immer mit rechten Dingen zugehe. In "seiner" Lehrwerkstatt jedenfalls gehe man bestmöglich mit den Tieren um. Es gebe ja auch viele Vorschriften. Dass die Schweinehaltung einem Hochsicherheitstrakt gleicht, hätten die Schüler wohl so nicht vermutet. "Jeder, der in den Stall geht, geht durch eine Dusche." Die Schüler blieben deswegen draußen. Momentan habe Deutschland viel Angst vor der afrikanischen Schweinepest. Wenn sie in die Ställe kommt, "müssen die Tiere sofort getötet und verbrannt werden". Die Vorsicht sei also nicht umsonst geboten.

Es gibt große Herausforderungen in der Schweinezucht: So könne niemand sich erklären, warum sich manche Schweine gegenseitig die Schwänze abbeißen. "Schweine neigen zum Kannibalismus", so Schulze. Deswegen sei es heute noch sinnvoller, die Schwänze zu kupieren. "Es gibt noch keine andere Lösung."

Schwänze kupieren? Kastration? Für die meisten Gymnasiasten klang das befremdlich. Innerhalb der ersten Jungsgruppe konnte sich keiner vorstellen, später in der Landwirtschaft zu arbeiten. Christian Murawski freundet sich eher mit Informatik an. Luca Ferch hat zu Hause zwar ein paar Kaninchen zum Schlachten, aber mehr Landwirtschaft soll es nicht werden. Und Aron Lenz weiß es schon genau: "Mit Tieren möchte ich nicht arbeiten."

Hin oder her. Der gestrige Tag war ein Unterrichtstag. Und innerhalb des Geografieunterrichts gab es zwei Noten dafür, eine Einzelnote und eine Gruppennote. Geografielehrerin Astrid Johannis hatte alles vorbereitet. "Es soll ja auch etwas hängen bleiben." Aus der Schweinehaltung bleibt den Jugendlichen mit Sicherheit die Ausführung über die Samengewinnung in Erinnerung. Zwei Sprungböcke standen da - sie kommen nur zu Demonstrationszwecken zum Einsatz. Unromantisch heißt es auch da: "Der Samen wird dazugekauft."