Der Sanierung des wertvollen Geläutes der Düsedauer Kirche steht nun nichts mehr im Wege. Am Donnerstag nahm Michael Sommer, Pfarrer i.R., eine großzügige Spende von 10000 Euro entgegen.

Düsedau l Zwei der drei Glocken der Düsedauer St. Martin-Kirche erging es wie viele andere ihrer Art: Sie wurden für Kriegszwecke nach Hamburg und an andere Orte gebracht. Bronze stellte eine wichtige Legierung für die Munitions- und Waffenherstellung dar. Aber das Duo blieb verschont und kehrte 1950 an seinen angestammten Platz zurück.

Ein großes Glück. So wie sicherlich auch die Tatsache, dass die Kirchengemeinde die Mittel für ihr ehrgeiziges Vorhaben, notwendige Holzarbeiten am Glockenstuhl durchzuführen, beisammen hat. Die Kalkulation ergab eine Summe von rund 55000 Euro. Und einen wichtigen Teil übernahm die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Kreissparkasse: Jörg Achereiner, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Stendal, und Vorstandsmitglied Paul Rodermann übergaben am Donnerstagnachmittag symbolisch die Summe von 10000 Euro. Den Dankesworten des Pfarrers i.R. folgte das Lob des Vorstandsvorsitzenden, solch` ein Projekt zu stemmen. "Das ist in höchstem Maße anerkennungswürdig." Denn neben dieser Unterstützung und Geldern des Kirchenkreises trug auch die Kirchengemeinde mit ihren Aktivitäten - beispielsweise spendeten Frauen das Geld vom Verkauf ihrer Marmeladen - dazu bei, dass die Arbeiten in diesem Jahr vonstatten gehen können. Insgesamt stammen 60 Prozent der gesamten Finanzierungssummme aus kirchlichen und privaten Mitteln und 40 Prozent aus öffentlichen Mitteln.

Am 30. Mai wird letztmals per Hand geläutet

Nach den Glockenverlusten vieler anderer Gemeinden im Zweiten Weltkrieg ist die große Düsedauer Glocke aus dem 13. Jahrhundert nun die älteste noch erhaltene Bronzeglocke im ehemaligen Landkreis Osterburg. Die anderen beiden etwas kleineren aus dem 14. Jahrhundert beziehungsweise von 1580, kehrten vor 65 Jahren auf den Turm von St. Martin zurück. Höchstwahrscheinlich wurden sie per Bahn von Hamburg nach Magdeburg transportiert. Und dann in die Altmark.

Seitdem ist nicht mehr viel passiert. Bei der Überprüfung des Trios, die noch jetzt am späten Sonnabendnachmittag läuten, und ihres Stuhles resümmierte Christoph Schulz, Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland: Eine Sanierung sei dringend erforderlich.

Die Arbeiten am Glockenstuhl werden laut Michael Sommer den größten Raum einnehmen. "Die Glocken selbser sind in Ordnung. Erneuert werden muss ihre Lagerung und Aufhängung, mindestens teilweise die Klöppel. Und der Handbetrieb soll durch elektrische Läuteanlagen ersetzt werden."

Michael Sommer ging auch der Frage nach, wie das kleine Düsedau solches Geläut aus dem 13. und 14. Jahrhundert besitzt? "1327, etwa die Zeit für den Guss der zweiten Glocke, ist ein eigener Hof für Propst Seeger, den höchsten Geistlichen des Stendaler Domstiftes, in Düsedau aktenkundig. Er war zugleich markgräflicher Kaplan und Pronotar, also Chef der markgräflichen Kanzler", recherchierte der Pfarrer im Ruhestand. Der Ort war somit indirekt mit der markgräflichen Regierung verbunden. Und das könne schon Einfluss auf die Ausstattung der Kirche gehabt haben.

Bevor die Arbeiten in St. Martin beginnen, soll das Klangkörper-Trio nochmal mit der Hand geläutet werden. Dies ist am Sonnabend, 30. Mai, der Fall. Dazu sind Düsedauer und Gäste willkommen. Ab 18 Uhr soll über den Bauablauf berichtet werden.

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