Seehausen (ama). "Ich habe eine neue interessante Aufgabe", verkündete gestern der Uhrmachermeister Günther Haut aus Seehausen. Nachdem er und andere Mitglieder des Fachkreises Historische Uhren Schloss Raesfeld schon elfmal in St. Petersburg Uhren auf Vordermann gebracht haben, führt ihn die Reise am Sonnabend nach Indien.

Als ein Fernsehteam des Mitteldeutschen Rundfunks vor zwei Jahren Aufnahmen in St. Petersburg bei ihrer Arbeit machte, ahnte der Seehäuser nicht, welche Folgen die filmische Begleitung haben würde. Der Film wurde schließlich in Indien ausgestrahlt, und Mitarbeiter des Maharadschapalastes Umaid Bhawan in Jodhpur wurden auf die Uhrexperten aufmerksam.

Der Ort liegt in der Region Rajastan im nordwestlichen Indien. "Die uns gesehen haben, dachten sich: Die möchten wir auch im Palast für unsere Uhren haben", verriet Günther Haut zur Vorgeschichte. Zuerst nahmen die Mitarbeiter des Palastes mit dem Hamburger Wolfgang Dohmann Kontakt auf, der ebenfalls Mitglied des Vereins ist und in St. Petersburg des Öfteren dabei war. Dann sprachen sie auch den Seehäuser an. "Wir haben seit längerem per Post miteinander zu tun. Vor zwei Monaten kam die feste Einladung", erzählte der Uhrmachermeister weiter.

In den Palast, der von der Familie des Maharadscha genutzt wird und zum Teil vom Museum, werden am kommenden Sonnabend sieben Uhrmacher und fünf Ehepartner einziehen. "Mein Bruder Jürgen ist auch dabei, und meine Frau Sigrid kommt ebenfalls mit", erklärte der Uhrenexperte. In Frankfurt beginnt die neunstündige Reise mit dem Flugzeug, für Sonntag, 27. Februar, ist die Rücktour angedacht. Noch nie zuvor war der Altmärker in Indien, und ein bisschen Aufregung steckt ihm jetzt schon in den Knochen. Bis jetzt weiß er nur, dass er sich mit den anderen Experten um Uhren aus der englischen Kolonialzeit kümmern soll. Ein Exemplar aus der Zeit hat der Uhrmachermeister sogar in seiner Werkstatt.

Nach St. Petersburg führt ihn der Weg in diesem Jahr nicht. Seit kurzem lost der Verein die Teilnehmer aus. Zu tun hat Günther Haut dennoch mehr als genug. Auf der Jahreshauptversammlung im Herbst hatte der Verein in Raesfeld beschlossen, bestimmte Reparaturen in Museen und Kirchen zu unterstützen. So hatte Günther Haut sich zuletzt der Generalüberholung der Predigeruhr (Kanzeluhr) der St. Johanneskirche in Werben gewidmet. Auch der Förderverein der Johanneskirche trug zur Umsetzung des Unternehmens bei. Seit Weihnachten schlägt die Einzeigeruhr mit Bronzeglocke nun wieder zu jeder Viertelstunde.