Auf Einladung des CDU-Landtagsabgeordneten Nico Schulz besuchte vor wenigen Tagen Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens die nördliche Altmark. Der Minister traf sich in Wanzer unter anderem mit Landwirten und Behördenvertretern, um sich über die Auswirkungen des Januar-Hochwassers im Garbe-Aland-Gebiet und in der Zehrengrabenregion zu informieren.

Wanzer. An der Zusammenkunft im Versammlungsraum des Feuerwehrgerätehauses Wanzer nahmen neben Aeikens und Schulz betroffene Landwirte aus der Region, die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, Steffi Friedebold, Verbandsgemeindebürgermeister Reinhard Schwarz, Horst Sandmann vom Ordnungsamt, Verbandsgemeindewehrleiter Michael Märten und der Flussbereichsleiter Osterburg des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW),Hans-Jörg Steingraf, teil.

Schwarz brachte seine Freude zum Ausdruck, dass der Minister sich die Zeit genommen hat, sich persönlich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. "Seitdem ich 2005 Verwaltungsleiter in Seehausen wurde, bin ich bereits mit dem zweiten starken Hochwasser an Elbe, Aland und Zehrengraben konfrontiert - 2006 und 2011. Das aktuelle Hochwasser hat gezeigt, dass die Deiche weitgehend stabil sind. Zum Hauptproblem hat sich erneut der ernorme Rückstau von Elbewasser über die Seege bis ins gesamte Zehrengrabengebiet erwiesen. Betroffen sind davon besonders die Landwirte. Sie haben Totalausfälle zu verzeichnen. Das geht an die Substanz", so Schwarz. "Um solche massiven Auswirkungen künftig zu verhindern, muss das Absperrbauwerk für den Zehrengraben so schnell wie möglich gebaut werden", fügte er hinzu.

"Ich kenne mich als gebürtiger Ostfriese mit von Hochwasser vernässten Flächen gut aus. Wir wissen, dass sie es hier nicht einfach haben", begann Aeikens. 2011 sei erneut ein extremes Hochwasserjahr gewesen. "Aber im Grunde sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Was wir seit 2002 getan haben, hat sich ausgezahlt. Wenn das nicht gewesen wäre, wäre das jüngste Hochwasser anders ausgegangen. Aber das ermuntert uns, in den Anstrengungen für den Hochwasserschutz nicht nachzulassen." Wie der Minister weiter ausführte, sei das Land dabei, konkrete Anstrengungen zu unternehmen, die Hochwasserfolgen zu lindern. So sei das Landesverwaltungsamt mit einer Schadenserhebung beauftragt worden. Nach ersten Schätzungen belaufe sich der Finanzbedarf auf einen zweistelligen Millionenbetrag. "Mir schwebt vor, betroffenen Landwirten zinsverbilligte Darlehen zu gewähren", so Aeikens. Außerdem soll ein Plan erstellt werden, wie mit vernässten Flächen umzugehen sei. In Frage komme auch eine Neuvermessung. Zu den direkten Hochwasserfolgen geselle sich die Grundwasserproblematik. Im Land würden die Niederschläge seit vier Jahren in Folge deutlich über dem langjährigen Mittel liegen. Daher sei das Land derzeit dabei, Arbeitsgruppen aufzustellen, um Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Aeikens: Ziel sei der Aufbau eines intelligenten Wassermanagements, dass aber auch der Überlegung Rechnung trage, dass jederzeit genau das Gegenteil, nämlich Niedrigwasser, eintreten könne.

Schwarz wünscht kommunale Beteiligung

Bezugnehmend auf die Hochwassersituation am Zehrengraben im Januar 2011 sagte der Minister: "Der Bau des Absperrbauwerks bei Bömenzien steht ganz oben auf der Agenda für die nächste Zeit. Mit dem zweiten Bauwerk zur Hochwasserregulierung, dem Aland-Überleitungsbauwerk bei Aulosen, geht es demnächst ebenfalls los." Mit diesem Vorhaben könne im Sommer begonnen werden. Aeikens stellte in Aussicht, dass beide geplanten Maßnahmen bis 2014 fertiggestellt sein könnten.

Schwarz äußerte gegenüber Aeikens den Wunsch, dass die besonders betroffenen Kommunen in die Tätigkeit der Arbeitsgruppen einbezogen werden. "Wir vor Ort wissen am besten, an welchen Stellen der hohe Grundwasserstand die meisten Probleme verursacht."

Hans-Jörg Steingraf ließ anschließend in einem Powerpoint-Vortrag das Januar-Hochwasser des Alands und im Zehrengrabengebiet noch einmal Revue passieren und erläuterte die zeitweise sehr kritische Lage.

Mehrere Landwirte bemängelten im Anschluss, dass in Fragen rund um Hochwasser und Wasserregulierung aus ihrer Sicht der Naturschutz einen deutlich höheren Stellenwert habe als die Belange der Landwirtschaftsbetriebe. So sagte zum Beispiel Friedrich-Wilhelm Preuß, dass die Schleusen des Garbe-Polders nach Hochwässern viel zu spät geöffnet würden, sodass dort noch über sehr lange Zeit das Wasser stehe. So könnten die Wiesen nicht bewirtschaftet werden und es setze sich minderwertiger Bewuchs durch.

Guido Kloth kritisierte zudem, dass durch den LHW gerade aktuell wieder Stauhöhen-Monitoring durchgeführt würde. "Warum werden Stauhöhen von oben nach untern ausgetestet und nicht umgekehrt?" Bei der Diskussion stellte sich schließlich heraus, dass die lange Rückhaltezeit von Wasser in der Garbe nach Hochwässern Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens für das Aland-Überleitungsbauwerk ist. Die Landwirte fühlten sich durch diese Erkenntniss in ihrem Urteil bestätigt, dass Naturschutz vor Landwirtschaft stehe.

"Bei Naturschutz die Kirche im Dorf lassen"

Horst Sandmann sagte, dass den Naturschutzverbänden schon häufig dargelegt worden sei, dass die schützenswerte Kulturlandschaft durch die Landwirtschaft erst entstanden sei. Das werde offensichtlich von den Verbänden immer vergessen.

Reinhard Schwarz betonte, dass die in der hiesigen Region lebenden Menschen "die Unterstützung des Landes gegen überzogene ökologische Forderungen" brauche. Dazu sagte Aeikens: "Auch ich bin der Meinung, dass beim Naturschutz die Kirche im Dorf bleiben muss." Der Minister versprach, im Sommer noch einmal in die Region zu kommen, um sich die Situation Ort anzusehen.