Osterburg (rf). "Diese Technik ist nicht beherrschbar", machte Osterburgs Kantor Friedemann Lessing am Montagabend seiner Sorge über die Atomkraft und die dramatischen Ereignisse im japanischen Fukushima deutlich. Rund zwei dutzend Biesestädter waren dem Aufruf zu einer Mahnwache an der Nicolaikirche gefolgt. Betend und singend gedachten die Teilnehmer aber nicht nur der Opfer in Japan, denn Fukushima könne überall sein.

Weit musste Lessing dafür nicht blicken. Rund 40 Kilometer von Osterburg würden Castor-Behälter mit hochradioaktivem Inhalt praktisch nur in einer Blechscheune aufbewahrt. Was ist, wenn es einen Unfall beim Umgang mit den Behältern, einen Flugzeugabsturz oder einen Anschlag auf das Zwischenlager Gorleben gebe, fragte Lessing, ohne die Folgen für die Umgebung näher ausmalen zu wollen.

Am Atomausstieg dürfe es kein Rütteln geben. Das Abschalten von acht deutschen Reaktoren sei nur ein Anfang. Lessing rief dazu auf, die Stromlücke nicht durch das Verbrennen von fossilen Rohstoffen zu schließen, sondern appellierte an alle Bürger, die Lücke durch sparsamen Umgang mit Energie und etwas Verzicht gar nicht erst entstehen zu lassen.

Und er rief dazu auf, in den öffentlichen Protesten nicht nachzulassen. Nächste Gelegenheit wäre schon am kommenden Sonnabend in Berlin, wenn ab 12 Uhr eine Demo am Potsdamer Platz startet.