In der DDR wurden sie eingeschult, in der Bundes-republik Deutschland machten sie ihren Schulabschluss - nach 20 Jahren trafen sich am Sonnabend 18 ehemalige Schüler, die in Bismark die Polytech-nische Oberschule (POS) besuchten.

Bismark. Die erste bis vierte Klasse gingen die 18 Frauen und Männer, die sich am Sonnabend 20 Jahre nach ihrem Schulabschluss in Bismark wiedertrafen, auf die heutige Sekundarschule. Die fünfte bis zehnte Klassenstufe absolvierten sie in der heutigen Grundschule. An dem Klassentreffen nahmen am Wochenende auch die Lehrerinnen Szofer, Dockhorn und Gagelmann teil.

Ein Aufsatz über die DDR ging nicht mehr

Im Sommer 1991 standen für das Gros der Schüler, die sich am Sonnabend wiedersahen, die Abschlussprüfungen der zehnten Klasse auf dem Programm. "Einen Aufsatz über die DDR zu schreiben, das ging natürlich nicht mehr", erinnert sich Aniko Bader, die das Klassentreffen "20 Jahre danach" zusammen mit Ina Krieg organisiert hatte. "Die Prüfungen waren schon recht ungewöhnlich", so Aniko Bader. "Wir waren ja alle auf DDR getrimmt." Nun war alles anders - die Themen, die Anforderungen, die Prüfungen überhaupt.

Zudem hatten einige Schüler im Vorfeld den Klassenverbund verlassen. Einige nutzten die Möglichkeit der politischen Wende, um in Beetzendorf ihr Abitur zu machen. Auch weil es in der Zeit kaum noch Ausbildungsplätze gab, wie sich die ehemaligen Bismarker Schüler am Sonn- abend erinnerten. Mit der politischen Wende war auch die Gliederung des Schulwesens verbunden. Das Gebäude in der Karl-Marx-Straße, das bis 1990 den ersten bis vierten Klassen vorbehalten war, wurde zur Sekundarschule. Die Einrichtung mit den oberen Klassenstufen in der Lüdecke-Straße zur Grundschule.

Neben den Wende-Erfahrungen waren zum Klassentreffen auch die regelmäßigen Klassenfahrten ein großes Thema. Unter anderem ein unvergesslicher Ausflug in der siebenten Klasse nach Parchim. "Das war doch die Klassenfahrt, bei der wir uns alle verliebt haben", sorgte Michaela Juchum am Sonnabend für ausgelassene Heiterkeit. Der Grund für die allgemeine Verliebtheit: Eine weitere Klasse war zur gleichen Zeit in Parchim und da wurden natürlich die entsprechenden Kontakte geknüpft.

Die Mehrheit der Schüler, die vor 20 Jahren in Bismark die Schule verließen und sich am Sonnabend trafen, leben bis heute (oder wieder) in der Region. So wie Aniko Bader in Hohenwulsch, Ina Krieg in Wartenberg oder Michaela Juchum in Büste. Zum Klassentreffen waren aber auch einige Ehemalige aus Berlin, Hannover und aus Hamburg angereist.

Ein Erinnerungsfoto zum Mitnehmen

Zum Klassentreffen wurden natürlich auch die beiden Schulgebäude aufgesucht. Durch die Sekundarschule, die im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, einschließlich ihres neuen, sehenswerten Anbaus führte Ralph Stüwe. Dabei wurden natürlich etliche Erinnerungen und Anekdoten wach. Zum aktuellen Erinnerungsfoto verteilten die Organisatorinnen Aniko Bader und Ina Krieg kleine, bunte Schultüten. Das Foto wurde sogleich ausgedruckt und verviel- fältigt, so dass am Abend jeder Teilnehmer eines in der Hand hielt.

Vor dem Ausflug zu den beiden Schulen hatten sich die ehemaligen Schüler im Tivoli zum Kaffeetrinken getroffen. Nach dem Rundgang durch die Stadt wurde das Klassentreffen in gemütlicher Runde im Tivoli fortgesetzt.