Wenn die Brummis durch das Dorf fahren, fragen sich viele Bocker im wahrsten Sinn des Wortes, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben. Denn die Erschütterungen, die die betagte Natursteinpflasterstraße an die Häuser der Ortsdurchfahrt weitergibt, bringen Bewegung ins Mobiliar.

Boock. Schränke und deren Inhalt kann man wieder gerade rücken. Dafür sind die Risse in den Häusern entlang der Landesstraße 12 nachhaltiger Natur. Risse, die nicht nur nach der Meinung von Wolfgang Töger auf das Konto des Lkw-Verkehrs gehen, gibt es inzwischen reichlich. An fast jedem Haus wird der Boocker bei einem Gang durch den Ort fündig. Dass das Thema auch anderen unter den Nägeln brennt, beweist eine Unterschriftenliste, auf der sich mittlerweile rund 90 Einwohner eingetragen haben. Die Forderung von Töger und anderen Betroffenen, ist indes vergleichweise bescheiden. Sie fordern vom Straßenbaulastträger nämlich keine neue Fahrbahn, sondern lediglich, dass sich die Lkw-Fahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung halten. Denn aufgrund des Straßenzustandes sind für Laster in der gesamten Ortsdurchfahrt lediglich 30 km/h erlaubt.

Die meisten Lkw-Fahrer, davon ist Töger überzeugt, würden sich nicht an die Vorgabe halten. Was ihn besonders wurmt, dass die Brummis nicht von irgend woher kommen, sondern für Firmen in der Nachbarschaft unterwegs sind. Inzwischen hat er seinem Frust im Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Seehausen Luft gemacht. Getan habe sich bislang nichts. Aber er will nicht aufgeben.

Unterstützung bekommt der genervte Anlieger, der sich über das Gepoltere ärgert, aber auch um die Sicherheit des Nachwuchses fürchtet, allerdings von der Polizei. Der Chef des Osterburger Revierkommissariats, Herbert Guha, vernahm die Kritik jedenfalls aufmerksam und sagte zu, seine Kollegen bei deren Einsätzen für Kontrollen in Boock zu sensibilisieren. Außerdem wolle er den Kontakt zum Seehäuser Ordnungsamt suchen. Und darüber hinaus zum Verkehrsamt des Landkreises Stendal. Denn die Behörde darf in geschlossenen Ortschaften mit ihrem Blitzer auch aktiv werden.

Auch Bernd Prange, Bürgermeister auf der "Altmärkischen Höhe", will sich des Problemes annehmen und unter anderem das Gespräch mit den kritisierten Firmen suchen. Als Chef eines Unternehmens, das Transporte als Leistung anbietet, gibt der Heiligenfelder allerdings auch zu bedenken, dass die Geschwindigkeit der Lkw von Beobachtern gern mal überschätzt werde. Auf einer schlechten Straße würden Lkw auch bei 30 Kilometern in der Stunde kräftig poltern und den Eindruck erwecken, deutlich schneller unterwegs zu sein.