Nach zehn Jahren Pause geht es in diesem Jahr mit der Restaurierung der Lütkemüller-Orgel in der St. Petrikirche Seehausen weiter. Die Finanzierung des insgesamt 125000 Euro teuren Bauabschnitts ist gesichert. Kantor Friedemann Nitsch freut sich riesig. Ist doch dieser Bauabschnitt der letzte wesentliche Schritt zur Wiederherstellung des ursprünglichen Klangbildes der bedeutenden Orgel.

Seehausen. "Der letzte Versuch, Fördermittel für die weitere Orgelsanierug zu bekommen, ist nunmehr zehn Jahre her. Seinerzeit gab es kein Geld. Und in den folgenden Jahren hatte die Dachsanierung der Petrikirche oberste Priorität. Diese wurde im vergangenen Jahr abgeschlossen. Wir haben nun einen neuen Versuch gestartet, die Orgel weiter auf Vordermann zu bringen - zu meiner großen Freude mit Erfolg", so Kantor Friedemann Nitsch gegenüber der Volksstimme. Wie der Kirchenmusiker weiter ausführt, sei die Finanzierung gesichert.

Der dritte Bauabschnitt im Zuge der Restaurierung der wertvollen Lütkemüller-Orgel hat ein Gesamtvolumen von 125000 Euro. "Es gibt Mittel aus verschiedenen Fördertöpfen. Die größte Einzelförderung, nämlich 43000 Euro, erhalten wir von der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt. Den zweitgrößten Anteil trägt die Kirchengemeinde selbst mit knapp 24000 Euro", führt der Kirchenmusiker weiter aus. Weitere Fördermittel und finanzielle Unterstützung gebe es vom Kirchenkreis, vom Förderverein St. Petrikirche Seehausen, von der Landeskirche und von der Stiftung Orgelklang bei der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD).

"In der vordersten Reihe der Denkmalorgeln"

Wie die Stiftung mitteilt, wird in diesem Jahr in Sachsen-Anhalt die Restaurierung von drei wertvollen Kirchenorgeln gefördert, darunter das Seehäuser Instrument. Zur Begründung heißt es: "Im Jahr 1867 baute Friedrich Hermann Lütkemüller die Orgel der Kirche in Seehausen. Die klassisch-romantische Orgel ist in ihrer Substanz sehr wertvoll und erhält mit dem Standort in der romanisch-gotischen Hallenkirche St. Petri einen besonderen Platz. Die Orgel ist als ,Opus 100\' durch den Orgelbaumeister gekennzeichnet. Von höchster orgelbaugeschichtlicher Bedeutung und unter Berücksichtigung des nahezu kompletten Erhaltungszustandes, wird das Instrument in die vorderste Reihe der Denkmalorgeln in Sachsen-Anhalt eingeordnet." Die Kirchengemeinde hat auch einen Förderantrag an die Stiftung der Volksbank geschickt. Von dort liege zwar noch keine schriftliche Antwort vor, aber es gebe positive Signale.

Für die verbleibenden Kosten muss die Kirchengemeinde selbst aufkommen. Es wird ein Kredit beim Kirchenkreis aufgenommen. "Um die Darlehenssumme möglichst gering zu halten, freuen wir uns natürlich über jede Spende", sagt Kirchenmusiker Nitsch. Wer die Orgelrestaurierung unterstützen möchte, kann eine Summe auf folgendes Konto einzahlen: Empfänger: Kirchenkreis Stendal; Konto-Nr: 1558246037, BLZ: 35060190; (KD-Bank). Der Verwendungszweck lautet: Spende Orgel Kirche Seehausen.

Die Arbeiten an dem Instrument beginnen voraussichtlich im Juni. Ausgeführt werden sie von der Firma "Potsdam Orgelbau Alexander Schuke". Auf die Handwerker warten umfangreiche Aufgaben. Dazu gehört die Herrichtung des dritten Manualwerkes, das nur noch teilweise bespielbar ist. Es ist stark vom Holzwurm befallen. Ferner ist es geplant, das für den Orgelklang so wichtige "Posaune-16-Fuß-Register" zu restaurieren. Dieses ist nicht mehr bespielbar. Aufgearbeitet werden soll außerdem das Register "Violon 32 Fuß". Letzteres lässt sich zwar noch bespielen, muss aber auch in Ordnung gebracht werden. Beide Register kommen nur in Großorgeln vor. Nitsch: "Ziel ist es, bei den Arbeiten möglichst viel der Originalsubstanz zu erhalten. Wenn alles fertig ist, sind die insgesamt 44 Register der Lütkemüller-Orgel wieder bespielbar und die volle Klangfülle des Instruments ist somit wieder gegeben. Die Fertigstellung wollen wir mit einem besonderen Konzert würdig feiern."

Äußere Optik kommt ganz zum Schluss

In einem vierten und letzten Bauabschnitt steht dann noch die Schauseite der Orgel an. "Die originalen Zinnpfeifen wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und durch minderwertige Zinkpfeifen ersetzt, die noch heute das Gesicht der Orgel prägen. Nichtsdestotrotz ist die nun anstehende Restaurierung der letzte Bauabschnitt, was das Klangbild betrifft", erklärt Nitsch. Die Arbeiten werden sich voraussichtlich bis ins erste Quartal 2012 hinziehen, was sich natürlich auch auf das diesjährige Kirchenmusikprogramm in Seehausen auswirkt.