Bretsch (apu). In Bretsch auf der Altmärkischen Höhe gibt es mit dem Gasthof Lunkwitz noch eine funktionierende Gastwirtschaft - heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Inhaberin Annette Lunkwitz und ihr Ehemann Uwe feierten kürzlich das 20-jährige Bestehen des Unternehmens mit vielen Besuchern aus der ganzen Region.

Die leidenschaftliche Gastwirtin Annette Lunkwitz betreibt die Gaststätte in der Dorfstraße, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur stattlichen Bretscher Feldsteinkirche liegt, bereits in der vierten Generation. "Ein 20-jähriges Bestehen und ein Familienbetrieb in der vierten Generation - wie passt das zusammen?", könnte sich da mancher fragen. Die Antwort: Zu DDR-Zeiten wurde der Gasthof zeitweise als HO-Betrieb bewirtschaftet.

"Viele ältere Bretscher können sich noch an die Zeit erinnern, als die Gaststätte von meiner Mutter Lieselotte Brünske betrieben wurde und einige sogar noch an das Wirtsleute-Ehepaar Luise und Wilhelm Brünske, meine Großeltern. Und auch die hatten die Gastwirtschaft einst schon von der vorherigen Generation übernommen", so Annette Lunkwitz.

Zu DDR-Zeiten wurde der Gasthof jahrelang von der HO betrieben, wobei Lieselotte Brünske dort noch bis 1985 Wirtin war. Bis 1989 gehörte der Betrieb weiter zur HO, wurde aber von einem anderen Wirt betrieben. "Dann kam die Wende und für mich stand die große Frage im Raum, ob ich die Gastwirtschaft übernehme. Es war alles andere als eine leichte Entscheidung. Denn ich hatte zu dieser Zeit in der Bretscher LPG eine attraktive Beschäftigung als Qulitätsprüferin in der Milchproduktion. Aber ich habe mich für die Gastwirtschaft entschieden und diese Entscheidung bis heute nicht bereut", sagt Annette Lunkwitz gegenüber der Volksstimme. 1989 ging die junge Frau ins Babyjahr. Von 1990 bis 1991 erfolgte der Umbau und die Modernisierung der Gaststätte. Im Mai 1991 wurde die Neueröffnung gefeiert.

"Das war noch eine ganz andere Zeit als heute. Damals lohnte sich noch der tägliche Kneipenbetrieb. Den können wir heute leider nicht mehr absichern. Es macht sich bemerkbar, dass vor allem die junge Generation abwandert", sagt die Wirtin. Mittagstisch wird in der Gastwirtschaft (montags ist Ruhetag) jedoch nach wie vor angeboten. "Aber hauptsächlich lebt unser Betrieb von Versammlungen und Familienfeiern aller Art. Und das läuft sehr gut. Es kommen Anfragen aus der ganzen Region bis nach Osterburg und darüber hinaus. Erste Buchungen haben wir schon für 2013." Und was Feierlichkeiten und Versammlungen betrifft, ist die Lokalität sehr flexibel. Neben der eigentlichen Gastwirtschaft steht ein Versammlungsraum mit 30 Plätzen und ein Saal zur Verfügung, der 140 Leute fasst. Daran angeschlossen ist ein kleiner Bar-Raum, der auch als Raucherinsel fungiert. Auch ein gemütlicher Hof kann in den warmen Jahrezeit mit genutzt werden.

"Gastwirtin zu sein ist ein harter Job", sagt Annette Lunkwitz. "In den ersten Jahren musste die Familie zurückstecken. Heute hilft die ganze Familie mit. Vor allem mein Mann Uwe ist eine wichtige Stütze. Ohne ihn würde es nicht gehen." Hauptberufich arbeitet Uwe Lunkwitz allerdings in Osterburg. Die Gastwirtschaft betrachtet er als sein Hobby. Aber auch die beiden erwachsenen Söhne, die in den alten Bundesländern wohnen, die Schwägerin und hin und wieder auch bereits die Enkelin von Annette Lunkwitz, helfen bei Veranstaltungen regelmäßig mit.

Eine rund herum gelungene Sache war für Annette und Uwe Lunkwitz die eigene Jubiläumsfeier vor wenigen Tagen. Sie wurde zu einem Fest für die ganze Familie. "150 Leute kamen zum Gratulieren, darunter viele, die schon vor 20 Jahren zur Eröffnung unseres Gasthofes bei uns waren", blickte die 48-jährige Bretscherin auf die Feier zurück.

 

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