Mit dem Bevölkerungsrückgang schrumpfen auch die Glaubensgemeinden. Weniger Kirchenglieder stehen für sinkende Finanzen. Die Pfarrer müssen immer größere Einzugsgebiete betreuen. Vor allem kleine Kirchen drohen auf der Strecke zu bleiben, wenn sich nicht engagierte Leute finden, die sich ehrenamtlich um die Gotteshäuser kümmern. So wie der Rathslebener Förderverein für die St. Lorenzkirche.

Rathsleben. Die Truppe um den Vorsitzenden Hartwig Bretschneider und die Vorstandsmitglieder Klaus Quiatkowski, Peter und Renate Mösenthin hat sich 2005 gefunden. Die Idee wurde beim Osterfeuer geboren, erinnert sich Quiatkowski, der wie andere im inzwischen 33-köpfigen Verein (19 Gründungsmitglieder) auch kein Alteingesessener ist. Der Osterburger Architekt und seine Familie kauften ihre kleine Scholle schon zu DDR-Zeiten, weil sie nicht in eine der Gartensiedlungen im grünen Gürtel der Biesestadt wollten.

Dass das eine Vorstandsmitglied Architekt und der Vorsitzende Bauunternehmer ist, war für die Sache sicher nicht von Nachteil. Schon 2006 wurde ein Förderantrag gestellt. Das erste Vorhaben, die Wiederherstellung der Kirchen- und Friedhofsmauer mit Natur- und Feldsteinen, wurde mit Unterstützung durch die Arbeitsfördergesellschaft Beetzendorf geschultert, erinnert sich Quiatkowski. Es folgten das Dach und die Sanierung des kleinen Turmes. Mit Fördermitteln und mit Hilfe durch die Stiftung Kirchen-Bank, die politische Gemeinde Kossebau sowie Eigenmittel konnten im Laufe der Jahre Leistungen im Wertumfang von rund 100000 Euro erbracht werden. Das letzte Großereignis steht 2009 im Kalender, als der Turmspitze die Kugel und die Wetterfahne wieder aufgesetzt wurden.

Die nächsten Projekte sind schon fest anvisiert. Dazu zählen unter anderem Maler- und Putzarbeiten im Kirchenschiff, das Aufarbeiten von Türen sowie Fenstern und des Pflasters im Gebetshaus. Zum vorläufigen Schluss stehen die Deckengestaltung und der Altar auf der Agenda.

In Rathsleben ist die Kirche im Gegensatz zu anderen Orten übrigens weder besonders alt, noch das älteste Gebäude im Ort. Das ehemalige, in wendischer Art errichtete Rundlingsdorf, das 1319 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, dessen Geschichte nach Historikermeinung aber wenigstens 1500 Jahre alt sein dürfte, brannte 1824 nämlich nahezu komplett nieder. Doch während die Rathslebener schon ein Jahr später nicht zuletzt dank der großzügigen Unterstützung der Nachbarn wenigstens ein Dach über dem Kopf hatten und fleißig weiter in ihre Höfe investierten, wurde die Kirche, ebenso wie das Dorf abseits der früheren Siedlung wieder aufgebaut, erst 1828 eingeweiht.

Die Fachwerkkirche war mit einem Grundriss von 11,3 mal 6,8 Meter und ihrem Türmchen wohl deshalb so klein gehalten, weil sie eigentlich nur eine Übergangslösung sein sollte. Aber die Neubaupläne, die im Pfarramt archiviert sind, interessieren inzwischen nur noch Historiker. Als die Pläne zu Papier gebracht wurden, zählte das Dorf, in dem bis auf zwei Radwege sozusagen die Welt zu Ende ist, auch noch über 100 Einwohner. Inzwischen sind es deutlich weniger als die Hälfte - Zweitwohnsitze mitgezählt.

Vorerst bis 2035 hat der Verein noch ein besonderes Mitsprache- beziehungsweise Nutzungsrecht für das Gotteshaus, in dem auch wieder regelmäßig Andachten stattfinden. Das nutzen die Kirchenförderer für Veranstaltungen oder Vereinsversammlungen. In diesem Jahr geht es in der St. Lorenzkirche indes etwas ruhiger zu. Nächster öffentlicher Termin ist wieder der Tag des offenen Denkmals im September. Dann soll auf dem Kirchenvorplatz ein kleiner Flohmarkt, auf dem Vereinsmitglieder für einen guten Zweck trödeln, etwas Geld in die Investitionskasse spülen.

Wer die Akteure des Fördervereins "Fachwerkkirche St. Lorenz" finanziell unterstützen will, kann das über die Sparkasse Stendal-Osterburg, Kto.-Nr. 3030016934, BLZ 81050555, tun. Fragen zum Verein, der auch mit Ansichtskarten und Ansteckern von Kirche und Ortschaft "handelt", beantwortet Klaus Quiatkowski in Osterburg, Kleiner Markt 8, Telefon 03937/ 82432.

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