Wie bereits berichtet, werden die seit Wochen auf Hochtouren laufenden Bauarbeiten in der Straße Vor dem Mühlentor in Seehausen von Fachleuten des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie begleitet. Doch die Ausbeute der Wissenschaftler hält sich bislang in Grenzen.

Seehausen. "Bisher gab es lediglich einige Einzelfunde - zum Beispiel ein Hufeisen, ein Messer und ein Bajonett. Die Gegenstände stammen vermutlich aus der Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts. Immerhin: Entdeckt wurden im Straßenverlauf auch Reste der Brücke, die hier früher über einen Alandarm führte. Dieser Wasserlauf verlief südlich des Friedhofs. Auf einer Karte von 1902 ist der Lauf noch eingezeichnet und einige Seehäuser können sich sogar selbst noch an die Ziegelbrücke erinnern", erklärt Stefan Hainski, Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt.

Den Grund dafür, dass es ansonsten nur sehr wenig archäologische Funde gab, sieht Hainski darin, dass es im gesamten Bereich nördlich der Mühlenstraße in den zurückliegenden Jahrzehnten bereits umfangreiche Bauaktivitäten gab. Das bewiesen die Versorgungsleitungen, die bereits unter der Straße Vor dem Mühlentor verliefen. Außerdem seien - vermutlich in den sechziger und siebziger Jahren - großflächige Aufschüttungen vorgenommen worden. Laut Hainski wurde das ganze Gebiet nördlich der Innenstadt mit Sand, Schutt und Kies deutlich erhöht - zum Teil um bis zu drei bis vier Meter.

"Wir hatten gehofft, im Zuge der Straße Vor dem Mühlentor, südlich des Friedhofs, das Vortor zu finden. Solche Vortore dienten einst als zusätzlicher Schutz für das Haupt-Stadttor - in Seehausen das Mühlentor, welches sich einst auf Höhe der heutigen Firma Danks befand", erklärt der Archäologe. Leider gebe es für Seehausen nur wenige archivalische Quellen. Daher sei es nicht sicher, ob es auch ein Vortor gegeben habe. Es könne auch sein, dass die frühere Alandniederung vor dem Haupt-Stadttor den damaligen Stadtvätern als Schutz vor möglichen Angriffen reichte.

Stefan Hainski wird auch die noch weiteren Tiefbauarbeiten im derzeit größten Baugebiet Seehausens begleiten. "Aber der größte Teil der Schachtarbeiten ist bereits abgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, noch etwas Besonderes zu finden, ist daher nicht groß. Aber man kann ja nie wissen."