20 Jahre jung und für die Zukunft gut gerüstet - das stellten die Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier und die Groß Chüdener Bauerngesellschaft am Sonnabend unter Beweis. Die Geburtstagsfeier, die zugleich mit dem "Tag des offenen Hofes" des Landesbauernverbandes stattfand, lockte unzählige Besucher an den Königstedter Weg.

Pretzier. Die Vorbereitungen sorgten bei Frank Pieper mitunter für Schlaflosigkeit, doch als am Sonnabendnachmittag das Fest vorbei war, wich die Anspannung der Freude und Erleichterung. "Es war toll, es ist sehr gut gelaufen und das Wetter hat uns das größte Geschenk gemacht", resümierte der Geschäftsführer der Agrarerzeugergemeinschaft (AEG) Pretzier. Der eigentliche Gründungstag, der 24. April, sei in kleinem Rahmen begangen worden. Ebenfalls im April vor 20 Jahren sei die Groß Chüdener Bauerngesellschaft gegründet worden, die seit zwei Jahren in Form einer GmbH Co KG eine selbständige Tochterfirma der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier ist. Beide Firmen sind zusammen Arbeitgeber für 40 Mitarbeiter und 3 Lehrlinge, die sich für den großen Tag sehr engagierten, lobt der Chef.

Das Ergebnis der Mühe waren spannende Einblicke in die Landwirtschaft aus unmittelbarer Nähe. Die Besucher konnten den modernen Stall der AEG Pretzier besichtigen, Melken in die Kanne und im Karussell ebenso bestaunen wie die vollautomatische Fütterung. Während die preisgekrönten Tiere das umfangreiche Besucherinteresse nicht aus der Ruhe bringen konnte, standen die etwa zwei Wochen alten Kälber den zahlreichen angebotenen Streicheleinheiten eher skeptisch gegenüber. Schweine und Schafe hatten da weniger Berührungs- ängste. Da die AEG Pretzier auch Kaltblutpferde züchtet, waren vor allem die beiden Fohlen dieses Jahrgangs bei den kleinen Besuchern ein Hingucker.

Insgesamt hät die AEG Pretzier mehr als 1500 Rinder, davon etwa 720 Milchkühe. Die meisten von ihnen gehen lediglich mit einer Nummer durchs Leben. Namen erhalten nur die Tiere, die an Leistungsschauen teilnehmen. "Laxi" sei derzeit der Star der AEG, so Frank Pieper. "Sie sieht gut aus und bringt auch Spitzenleistungen", schwärmt der Geschäftsführer. Und noch besser: In wenigen Tagen wird "Laxi" wieder ein Kalb bekommen.

Rund um die Stallanlagen wurde den Besuchern neben den Melkvorführungen ein unterhaltsames Programm geboten. Die zweite und vierte Klasse der Grundschule Pretzier begeisterte mit einem Programm. das nicht nur fröhliche Tänze bot, sondern die Gäste auch darüber aufklärte, das Kühe durchaus Sonnenbrand bekommen können und Schlafanzüge tragen. Die Jugendfeuerwehren aus Groß Chüden und Pretzier demonstrierten jeweils einen Löschangriff nass, später erlebten die Besucher beim Kaninhop, dass nicht nur Pferde, sondern auch Kaninchen über Hindernisse springen können.

Weitere Vereine und Interessengemeinschaften wie die Briefmarkenfreunde, der Kreisrinderzuchtverein mit einer Ausstellung des Archivs, der Imkerverein sowie mehrere Händler rundeten das Angebot des Tages ab. Für den musikalischen Rahmen sorgten die lustigen Straßenmusikanten aus Dähre.

Die vier angebotenen und rege angenommenen Feldbesichtigungen zeigten die Seite der Landwirtschaft, die Frank Pieper derzeit die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. "Die Trockenschäden sind erschreckend", beschreibt er die Situation. Es stehe keine gute Ernte bevor. "Wir hoffen, dass wir die geringen Erträge noch gut von den Feldern bekommen." Im schlimmsten Falle richte der Regen, der einfach kommen müsse, auf den Feldern Schäden an, befürchtet Frank Pieper. Doch auch darauf und überhaupt auf die mit dem Klimawandel verbundenen extremeren Witterungen habe sich die AEG Pretzier mit einer entsprechenden technischen Basis vorbereitet, um im Falle des Falles die Felder schnell ab- ernten zu können.

Angesichts befürchteter niedrigerer Ertragszahlen setzt Frank Pieper auf eine entsprechende Preisentwicklung, sowohl bei Feldkulturen als auch bei Milch. "Sonst droht den Betrieben Gefahr."

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