Die Spendenbereitschaft für die Tafel in Salzwedel war in den zurückliegenden zwei Monaten überwältigend. Das sagte Martina Huhn gegenüber der Volksstimme. Die Initiative in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Altmark/West versorgte seit dem Beginn im Jahr 2005 in Salzwedel, Gardelegen, Klötze und Jahrstedt 2304 Bedürftige.

Salzwedel. Kästen voller Blumenkohl, in den Regalen Konservendosen mit Linsensuppe und in den Gängen meterhoch getürmte Chipspackungen. Auf den ersten Blick erscheinen die Räume, die durch einen schmalen Gang verbunden sind, als wahres Schlemmerparadies. Beim genauen Blick auf das Haltbarkeitsdatum der Verpackungen und die Blätter des Gemüses wird klar, dass diese Sachen es in den Supermärkten schwer hätten, Käufer zu finden. "Es ist einer der Grundsätze der Tafel, die Lebensmittel zu nutzen und zu verteilen, die in den Märkten und Geschäften Tag für Tag übrig sind und aussortiert werden", erklärt Martina Huhn beim Gang durch die Lager. Sie ist Projektleiterin der Salzwedeler Tafel.

Überproduktionen, Produkte mit baldigem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums oder Lebensmittel mit kleinen Schönheitsfehlern – seit 2005 werden diese an Bedürftige in den Ausgabestellen in Salzwedel, Gardelegen, Klötze und Jahrstedt von der Tafel verteilt. Fündig werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter bei Supermärkten, die für die Tafel gefüllte Kartons mit Lebensmitteln bereithalten. Unterstützung kommt auch von privaten Spendern, die in den vergangenen zwei Monaten der Einrichtung an der Neutorstraße vor allem mit finanziellen Mitteln zur Seite standen. "Ich bin wirklich erstaunt, wie viel Geld dabei zusammengekommen ist. Allein zwei Firmen haben jeweils 1000 Euro gegeben. Es gibt einige Privatpersonen, die uns auf diesem Wege seit einigen Jahren regelmäßig unterstützen. Auf die Spender – es müssen nicht immer große Beiträge sein – sind wir leider angewiesen", so die Projektleiterin. Damit meint sie vielen Empfänger von Arbeitslosengeld II, Familien, Alleinerziehende und auch Rentner, die den meist schweren Gang zur Tafel antreten, um sich mit dem Nötigsten wie Wurst, Brot, Käse oder Milch zu versorgen, weil das eigene Geld für Einkäufe nicht ausreicht. Frischwaren seien dabei am begehrtesten, wirft Siegrid Noack ein, die – wann immer es geht – in der Einrichtung hilft.

Die Salzwedeler Tafel mit ihren vier Standorten wurde seit der Gründung vor fünf Jahren von insgesamt 2304 Bedürftigen aufgesucht. Hinter jedem von steckt ein Schicksal, das berührt. "Viele kommen von Anfang an. Mit der Zeit kann man beobachten, wie die Zähne sich verschlechtern, die Haare ungepflegter werden und die Hoffnung auf eine Besserung der eigenen Situation schwindet. Es geht ans Herz, wenn gestandene Männer zum Beispiel bei den Aufnahmegesprächen oder beim Ausstellen des Tafelausweises in Tränen ausbrechen", sagt Martina Huhn.

In diesem Jahr sei die Zahl der Neuanmeldungen sowohl in Salzwedel als auch in den anderen drei Standorten zurückgegangen. Meldeten sich 2008 noch 162 Nutzer neu an, waren es in den vergangenen zwölf Monaten 132. Dies bedeutet allerdings nicht unbedingt eine Verbesserung der Gesamtsituation, wie Martina Huhn erklärt. "Das hängt sicherlich mit dem Konjunkturpaket und den damit verbundenen Arbeitsgelegenheiten zusammen, die geschaffen wurden. Der Bedarf der Tafel ist nach wie vor groß und wächst. Hier bekommen die Menschen nicht nur Lebensmittel, sondern auch menschliche Wärme."

Verantwortlich dafür sind die vielen fleißigen Helfer der Tafel – insgesamt 55 Ehrenamtliche – die ihre Freizeit der Initiative in Trägerschaft des Diakonischen Werkes zur Verfügung stellen. Davon sind allein 26 in Salzwedel aktiv. Und dies nicht nur zu den Ausgabezeiten jeweils freitags von 15.30 bis 17 Uhr. "Unsere Fahrer sind in der Woche zu den Märkten unterwegs, um bei den Touren die Waren abzuholen. Hier in der Ausgabestelle wird dann alles gesichtet und aufgeteilt. Nach der Ausgabe sind wir dann damit beschäftigt, wieder alles aufzuräumen. Dann geht wieder alles von vorne los. Ich bin fast täglich hier", berichtet Martina Huhn. Trotzdem sei man auf der Suche nach Ehrenamtlichen, zum Beispiel Fahrer, und freut sich über jede helfende Hand. "Klasse wäre es, wenn uns jemand aus der Küche, Koch oder Köchin, unterstützen würde. Wir haben oftmals Lebensmittel wie zum Beispiel Drachenfrucht, Mangold oder Zucchini, die bei der Ausgabe keinen Abnehmer finden, weil das Wissen fehlt, was daraus zubereitet werden kann", so die Projektleiterin.

Im Laufe der Zeit habe sich ein guter Kontakt und ein enges Zusammenarbeiten mit anderen sozialen Einrichtungen der Stadt wie Arbeiterwohlfahrt, Volkssolidarität und Frauenhaus, aber auch mit dem Tierpark entwickelt. "Wir sind ein kleines Netzwerk, das sich gegenseitig hilft", sagt Martina Huhn, während sie auf die Ankunft eines Fahrers wartet, der neue Lebensmittel bringt.

Die Tafel Salzwedel ist in der Neutorstraße 55 zu finden und telefonisch unter (0 39 01) 30 18 34 zu erreichen. Weitere Informationen gibt es auch im Internet:

www.tafel-salzwedel.de