Chüttlitz l Während andere Menschen sich am Silvestertag auf den Jahreswechsel vorbereiten, traten die Chüttlitzer Brandbekämpfer vor dem Gerätehaus an, um ein besonderes Datum zu feiern. Denn vor genau 80 Jahren wurde ihre Feuerwehr gegründet.

Um 10 Uhr heulte die Sirene. Ortswehrleiter Frieder Füger erinnerte an den 31. Dezember 1933, als der damalige Bürgermeister Otto Lahmann um 19.45 Uhr die Versammlung eröffnete. 18 Männer fanden sich zu einer Wehr zusammen, die damals vom Dritten Reich angeordnet wurde. Reinhold Bierstadt wurde an jenem Abend zum Wehrleiter ernannt. Leiter des Steiger-Angriffstrupps wurde Adolf Wilke. Neben dieser Truppe, die für die Brandherdbekämpfung zuständig war, gab es noch die Pumper, die die Wasserversorgung sicherstellen mussten, und die Spritztruppe, die sich als erste um die Blitzbrandbekämpfung kümmerte. Um 21 Uhr war die Sitzung beendet, las Füger aus dem Protokollbuch vor.

Ortsbürgermeister Wolfgang Kappler ließ es sich nicht nehmen, den Kameraden für ihr Engagement und ihren Einsatz zu danken. Sechsmal mussten sie 2013 ausrücken. Auch bei der Flutkatastrophe packten sie mit an. Im Namen des Ortschaftsrates übergab er Frieder Füger eine Tafel, auf der ein Handdruckspritzenwagen mit Pferdegespann abgebildet ist. "So, wie es vor 80 Jahren ausgesehen haben könnte", sagte er. Den Wagen hatte es tatsächlich in Chüttlitz gegeben, wurde aber zur Wendezeit gestohlen, erinnerte sich Frieder Füger. Besonders stolz seien die Chüttlitzer auf ihr Tanklöschfahrzeug, für das sie lange gekämpft haben und das 2002 angeschafft wurde. Im gleichen Jahr wurde auch der Anbau am Gerätehaus errichtet.

Auch Stadtwehrleiter Holger Schmidt war zum Silvestertreffen erschienen. Er betonte, wie wichtig es sei, die Feuerwehr zu erhalten und junge Leute für dieses Ehrenamt zu begeistern. Es sei richtig gewesen, dass sich die Chüttlitzer 2012 mit den Wehren entlang der B 71 zu einem Bereich zusammengetan haben, um den Brandschutz abzusichern. Trotzdem dürfe man sich im Ernstfall nicht immer auf die anderen Wehren verlassen.

Damals wie heute gibt es in der Chüttlitzer Wehr 18 aktive Kameraden. Für sie gibt es im neuen Jahr einiges zu tun. Wehrleiter Frieder Füger wird sein Amt aus Altersgründen abgeben müssen und wird dann passives Mitglied sein. Er wird im August 65 Jahre alt. Seit 1999 hat er die Leitung inne. Doch um die Nachfolge mache er sich keine Sorgen, ließ er vorausblicken. Und vielleicht könnte zum ersten Mal eine Frau die Wehr führen, sagte er mit Blick auf Vize-Wehrleiterin Gabriele Hoffmann. Die Oberlöschmeisterin muss aber noch ein paar Ausbildungsgänge absolvieren, um sich für den Posten zu qualifizieren. Ihr Sohn Paul war am Dienstag auch vor Ort und wurde gleich als neues Mitglied begrüßt. Der 17-Jährige erklärte sich bereit, der Feuerwehr beizutreten. Er soll am 11. Januar zur Jahreshauptversammlung offiziell aufgenommen werden.

Das 80-jährige Bestehen wollen die Kameraden am 28. und 29. Juni mit Unterstützung des Ortschaftsrates ganz groß feiern. Das Fest findet auf der Wiese neben dem Gerätehaus statt.