Zum Beginn der Tourismussaison sollen sie rollen - Personenzüge auf der Strecke Salzwedel-Klötze und von der Hansestadt nach Arendsee. Auf längere Sicht sollen dort auch Güter transportiert werden. Doch bis dahin sind noch einige Arbeiten und Investitionen nötig.

Salzwedel/Klötze l Pessimismus ist Michael Schraders Sache nicht. "Unser Ziel ist, in der Tourismussaison zu Volksfesten Personenzüge von Salzwedel nach Klötze und nach Arendsee fahren zu lassen", berichtet der Vorsitzenden des Bahnkundenverbandes (DBV) Altmark-Wendland. Als Beispiele nennt der das Strandfest in Arendsee, den Martinimarkt in Klötze oder das Parkfest in Beetzendorf. Bei der Elbe/Elster-Bahn in der Niederlausitz und auf anderen Strecken, die der DBV bestellt, wie es Amtsdeutsch heißt, liefen solche Projekte bereits äußerst erfolgreich. Die Züge lässt die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) fahren. Sie ist auch Besitzerin der beiden Bahnstrecken, die die Deutsche Bahn ihr übertragen hat.

Bei der DRE ist Michael Schrader angestellt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Mertens will er bis zum 28. Februar, dann tritt das Fällverbot wieder in Kraft, in Salzwedel die Gleise vom Altstädter Bahnhof bis zu den Einfahrweichen in den Hauptbahnhof freigeschnitten haben. Dann sollen planmäßig Vermessungen, die Brückenprüfung und anschließend Reparaturarbeiten an den Gleisen und Schwellen beginnen. "Das wollen wir zum Saisonbeginn, spätestens aber in diesem Jahr schaffen", ist er optimistisch. Er geht fest davon aus, dass zum Martinimarkt zwischen Salzwedel und Klötze Personenzüge auf der Strecke rollen. Auch bis Arendsee soll die Sanierung bis dahin realisiert sein. Auf diesen Abschnitten seien die erforderlichen Reparaturarbeiten überschaubar. An Bahnübergängen mit elektronischen Schranken oder Lichtsignalanlagen sollen diese instand gesetzt werden. Wo das nicht möglich oder zu teuer ist, kommen Sicherungsposten, die in den Zügen mitfahren, zum Einsatz. Sie sperren dann diese Bahnübergänge, der Zug passiert sie und die Posten fahren weiter mit. So soll es kurzfristig und ohne erhöhten Aufwand möglich sein, die Strecken für touristische Zwecke wieder in Betrieb zu nehmen.

Die Betriebsgenehmigungen liegen vor. Für Salzwedel-Klötze muss nach Abschluss der Reparaturen und Prüfungen noch eine Betriebserlaubnis beantragt werden. Die soll dann auch für den Güterverkehr gelten, der für die Strecke geplant ist. Es gebe mehrere Interessensbekundungen von Unternehmen, dieses Angebot, das einen Umschlag der Waren auf Lkw in Klötze beinhaltet, anzunehmen. "Die DRE steckt mitten in konkreten Verhandlungen darüber", so Schrader.

Auch für die Strecke Salzwedel-Wittenberge hätten Firmen in Gesprächen mit den DBV-Vertretern angedeutet, ihre Produkte auf der Schiene transportieren zu wollen. "Im Bereich von Arendsee bis Geestgottberg sind abschnittsweise Schienen und Schwellen gestohlen worden", berichtet Schrader über die Probleme, die es zu bewältigen gilt. Auch müsse die Brücke über den Aland umfassend geprüft werden, ehe dort wieder Züge fahren können. Der Bahnkörper und der Untergrund seien aber in Ordnung, so dass sich das Vorhaben als machbare Aufgabe darstelle.

Der DBV hat sich ein noch viel ehrgeizigeres Ziel gesteckt: "Die Strecke zwischen Dannenberg und Wolfsburg über Klötze und Oebisfelde wieder befahrbar zu gestalten", berichtet Schrader. Von Lüchow-Dannenberger Seite gebe es ein großes Interesse daran. Für dieses Projekt sind die Hemmnisse aber wesentlich größer. Denn zwischen Wustrow im Landkreis Lüchow-Dannenberg und Salzwedel gibt es keine Bahntrasse mehr. Sie ist zum Teil sogar als Radweg überbaut worden. Als größtes Hindernis dürfte sich aber der Mittellandkanal zwischen Klötze und Oebisfelde erweisen. Die darüber führende Bahnbrücke ist abgerissen worden. Ein Neubau würde Millionen kosten. Auch die Gleise liegen dort nicht mehr. Schrader kündigt die Umsetzung daher als "mittelfristig" an.