Aus dem alten Arendseer Bahnhof wird ein Wohnhaus. Der Berliner Lenard Steur baut ihn aus. Im Erdgeschoss soll der Imbiss Gleis 1 wiederhergerichtet werden, der einstige Schalterraum wird zum Café für Reisende, die das touristische Angebot der Regionaleisenbahn nutzen.

Arendsee l Eine Wohnung ist schon vermietet, für die anderen gibt es eine Interessentin. "Und viele Arendseer sind sehr interessiert daran, dass der alte Bahnhof wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht", erklärte gestern Lenard Steur aus Berlin. Der 29-Jährige ersteigerte den Bahnhof 2012. Seit dem Sommer 2013 laufen die Bauarbeiten. "Entkernen, Einbau der Heizungen und neuen Fenster", zählte er auf. "Für viele ist es toll, was hier entsteht, für sie werden Erinnerungen an frühere Zeiten wieder wach", so der Investor.

Als er sich zum Kauf eines Bahnhofs entschloss, hatte er aber eher den in Tangermünde im Visier. Doch dann erhoffte er sich vom Arend- seer ein Schnäppchen. "Zumal meine Mutter in Arendsee oft als Kind war", erzählte er. Sie habe aus dieser Zeit sogar noch alte Schwarz-Weiß-Fotos gehabt. "Und als klar wurde, dass in der Nähe von Arendsee Kläden liegt, freute ich mich, weil meine Oma in Kläden wohnt", so Steur. Dann die Ernüchterung: Omas Kläden lag bei Stendal, also nicht bei Arendsee. Da war der Bahnhof schon seiner.

Und dann der eigentliche Schock bei Inaugenscheinnahmen seines Bahnhofs: Die Fenster standen seit sechs Jahren offen. Und jene, die er für verglast gehalten hatte, waren lediglich mit grauer Pappe vernagelt. "Was ich für ein Schnäppchen gehalten hatte, entpuppte sich als Kostenfalle", resümierte Steur.

Aber frisch gewagt ist halb gewonnen, sagte sich der Ausstatter für Fernsehwerbung, der sich eine Auszeit vom Job genommen hatte. Und so steht sein Haus kurz vor der Fertigstellung. "Wenn auch an der Außenfassade noch einiges zu tun ist", schätzte er ein. Geplant sei auch, den Imbiss Gleis 1 im Erdgeschoss wiederzueröffnen. Und wenn es der Deutschen Regionaleisenbahn gelingt, die Bahnstrecke zumindest für touristische Zwecke wiederzubeleben, wolle er aus dem einstigen Fahrkartenschalterraum ein Café machen. "Ausgestattet mit historischen Bahnutensilien", konkretisierte er seine Vorstellungen.

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