Ein interner Wechsel innerhalb der beiden Häuser des Altmark-Klinikums hat der Chirurgischen Klinik in Gardelegen einen neuen Chefarzt beschert. Dr. Christoph Luck übernahm den Posten am 1. Januar.

Gardelegen l Es ist nicht ganz einfach, einen Termin mit ihm zu bekommen. Dann und dann habe er eine Konferenz, die könne sich hinziehen. Nein, da gehe es auch nicht, da müsse er operieren, ebenfalls schwer abzuschätzen, wie lange das dauere. Schließlich findet er dann aber doch noch ein freies Plätzchen in seinem Kalender. So ist das eben, mit einem vielbeschäftigten Chefarzt.

Trotz allem begegnet Dr. Christoph Luck dem Wunsch nach einem Interviewtermin freundlich, offen und völlig unaufgeregt. Und genau so wirkt er auch, wenn man ihm schließlich persönlich gegenübersteht. Dabei hat der 61-Jährige mit Jahresbeginn eine intern und auch von der Öffentlichkeit viel beobachtete Stelle im Gardeleger Altmark-Klinikum übernommen: Denn Luck ist neuer Chefarzt an der Gardeleger Chirurgie. Innerhalb von nur eineinhalb Jahren gab es vier chirurgische Chefärzte vor ihm. Luck leitet die Klinik für Allgemein-, Visceral- und minimalinvasive Chirurgie. Seinen Vor-Vorgänger Falkenberg entließ das Klinikum. Drei weitere verließen binnen einem und neun Monaten nach ihrer Einstellung das Haus bereits wieder. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Ärzte aus der Chirurgie wegen fahrlässiger Tötung. Alle Personalien beschäftigten aus den verschiedensten Gründen immer wieder die Medien. Und so ist es tatsächlich ein schweres Erbe, das der gebürtige Oldenburger da antritt.

Dass er dem Ganzen so gelassen entgegentritt, liegt vielleicht daran, dass der Neue eigentlich gar nicht neu ist im Altmark-Klinikum. Seit nunmehr 18 Jahren ist Christoph Luck nämlich schon dabei. 1995 begann er als leitender Oberarzt in der Chirurgie in Salzwedel, baute dort die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie auf, die er seit 2012 gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Vladan Horak leitete. "Es funktioniert gerade alles so gut", sagt Luck - ein bisschen Wehmut klingt da mit. Und so habe er - nachdem Geschäftsführer Matthias Lauterbach "sehr überraschend" mit dem Gardeleger Chefarztposten an ihn herangetreten sei - auch "reiflich überlegt", ehe er das Steuer in Gardelegen übernommen habe, sagt Luck. Schließlich hätten auch die Salzwedeler Kollegen die Geschehnisse um die Gardeleger Chirurgie aufmerksam verfolgt.

"Wenn die VW-Arbeiter jeden Tag pendeln können, kann ich das auch."

Zudem sei der tägliche Heimweg ins heimische Wendland dann ein bisschen weiter. Aber er sehe den Neuaufbau "eines Teams, das sich selbst trägt, am Ende meines Berufslebens noch mal als neue Aufgabe an", erklärt der Chirurg seine Entscheidung - und augenzwinkernd: "Wenn die VW-Arbeiter jeden Tag zwischen Gardelegen und Wolfsburg pendeln können, kann ich das auch".

Dass auch seine Ehefrau hinter dieser Entscheidung steht, habe ihm die Zusage schließlich auch leichter gemacht, sagt Luck. Die beiden Kinder sind erwachsen. Der Sohn studiert Theologie an der Berliner Humboldt-Universität. Die Tochter arbeitet als Lehrerin im nahen Wolfsburg. Die Familie, die es mit dem Wechsel ans Salzwedeler Krankenhaus vor 18 Jahren aus Süddeutschland ins Wendland verschlagen hatte - hat in Niedersachsen eine Heimat gefunden. Ein unbestreitbarer Vorteil, den er gegenüber seinen drei jüngsten Vorgängern in Gardelegen habe, gibt Luck zu: "Wir sind schon hier, und wir bleiben auch hier."

Dass etliche seiner bisherigen Patienten das auch sagen und ihn bereits in Gardelegen aufsuchten, freut ihn offensichtlich um so mehr. "Manche kommen auch aus Niedersachsen nach Gardelegen", erzählt Luck. Ob das eine Anspielung darauf ist, dass der ehemalige Geschäftsführer der Gardeleger Klinik kürzlich seinen letzten Vorgänger in einer Presseerklärung vorstellte und in diesem Zusammenhang für die Helmstedter Helios-Klinik auch um Sachsen-Anhalter Patienten warb, lässt Luck offen.

Den Weggang des letzten chirurgischen Chefarztes kommentiert er dennoch: "Er ist halt noch ein junger Mann, der Karrierechancen sucht." Ob ein Wechsel an eine neue Klinik unter diesen Umständen, sprich ohne eine Klärung der Situation im alten Haus, indes gut für seine Vita sei, wage er anzuzweifeln, so Luck nachdenklich. "So etwas geht nicht lange gut. Ich kenne viele Kliniken im Bundesgebiet, und personelle Streitigkeiten findet man wohl überall mal. Man darf aber schließlich nicht vergessen, dass man Arzt ist."

Und dazu gehört für Luck ganz offensichtlich ein enger Kontakt zu seinen Patienten. Für sie will er da sein. Und wenn möglich, müsse man auch die Angehörigen mit ins Boot holen, ist der neue Chef überzeugt. Jeweils am Montagnachmittag will er deshalb in Gardelegen Gesprächstermine für Patienten und ihre Angehörigen anbieten. Denn "nur mit Gesprächen nimmt man den Menschen die Angst".

"Ich gehe offen mit allen um. Jeder muss sich fragen, ob er mit mir arbeiten will."

Gespräche gab es aber natürlich auch mit den neuen Kollegen. Besonders freue ihn, so Luck, "dass mir die anderen Abteilungen bereits ihre völlige Unterstützung zugesichert haben. Und ich habe hier auch sehr offene Schwestern gefunden, die gern möchten, dass sich hier wieder etwas ändert." Doch das Team müsse sich jetzt natürlich erst einmal finden, sagt Luck vorsichtig. Die Kollegen verhielten sich loyal und machten eine gute Arbeit. "Ich gehe offen mit allen um. Jeder muss sich selbst fragen, ob er mit mir arbeiten will." Am Ende sei "Chirurgie aber immer Teamarbeit", erinnert der neue Chefarzt, "und ich möchte die Leute mit ins Boot holen."

Die müssen sich in besagtem Boot ebenso maritim-bildlich gesprochen allerdings nicht nur an einen neuen Kapitän, sondern auch an einen neuen ersten Offizier gewöhnen. Seit Jahresbeginn gibt es nämlich in der Chirurgie auch einen neuen stellvertretenden Chefarzt. Er kommt nicht aus den Reihen der Gardeleger Belegschaft und nicht aus Salzwedel. Mit Oberarzt Rajib Azzam hat die Geschäftsführung einen "von der Vorgeschichte völlig unbeleckten" Arzt eingestellt. Auch hier müsse er sehen, "wie wir zusammen ticken", sagt Luck. Der neue Kollege komme von einer Klinik in Halle/Dölau. "Eine gute Klinik", versichert Luck. Azzam sei versiert in der minimalinvasiven Operationstechnik. Und diese Methode, die nur geringe Schnitte erfordert und deshalb auch als Schlüssellochchirurgie bezeichnet wird, solle möglichst einen großen Teil der Operationen ausmachen.

Ohnehin hält Christoph Luck offenbar nicht viel von großen (Ein)Schnitten. Die Klinik werde unter ihm "die Chirurgie des Häufigen" anbieten, macht er klar. So will Luck den Fokus unter anderem auf die geriatrische Chirurgie - dem Alter angepasste Operationstechniken - legen. "Wir wollen das, was sich bewährt hat." Es gebe eben Eingriffe, die einfach an ein Spezialklinikum gehören. "Auch große Kliniken sagen heute oft schon: Wir machen nicht das ganz große Programm. Wir sollten deshalb auch Chirurgie machen, die hier hinpasst."

Vorstellen könnte sich Luck indes eine Kooperation zum Beispiel mit einem Maximalversorger wie einer Uniklinik. "Es gibt so etwas schon, das funktioniert sehr gut, da gehen Ärzte aus Unikliniken auch an periphere Häuser." Kommunale Häuser, glaubt Luck, könnten sich hier gut ergänzen.

Dass er selbst bei einem kommunalen Arbeitgeber beschäftigt ist, sieht der neue Chefarzt der Gardeleger Chirurgie übrigens als Glück an. "Was besseres kann man sich nicht wünschen", versichert Luck. Deshalb hoffe er auch, dass die unruhigen Zeiten in der Gardeleger Chirurgie nun endlich beendet sind: "Die Menschen sollten alle zu ihrem Klinikum stehen. Das ist so wichtig."

Vielleicht gelingt es ja einem wie ihm, dem unaufgeregten Neuen mit Wurzeln in der Region, wieder Vertrauen aufzubauen.