Der Frost ist weg, die Handwerker sind da: An der Kassuhner Kirche herrscht Hochbetrieb. Die maroden Steine aus den Gefachen des Kirchturms werden herausgeschlagen. Dann sollen Zimmerleute angefaulte und wurmstichige Holzbalken ersetzen. Der Kirchenkreis investiert 50 000 Euro.

Kassuhn l Bauschutt rauscht rumpelnd durch die Rohre, die am Stahlgerüst am Kassuhner Kirchturm aufgehängt sind. Unten fallen die Steine polternd in den Radlader von Dirk Müller. "Ich habe ihn den Bauarbeitern zur Verfügung gestellt, weil die sonst mit ihren Eimern immerzu zwischen Kirche und Container hin und herlaufen müssten", erklärte gestern der Landwirt, dessen Hof gleich neben der 1250 erbauten Feldsteinkirche liegt.

Müllers spenden 4 Meter langen Eichenbalken

Das ist aber nicht die einzige Unterstützung, die er und sein Vater den Handwerkern bei der Kirchturmsanierung geben. Zusammen mit den Zimmerleuten haben sie einen vier Meter langen Eichenholzbalken mit einem Durchmesser von vier mal vier Zentimetern im Inneren der Kirche abgelegt. "Der soll den völlig verrotteten Sockelbalken im Fundament ersetzen, auf dem die ganze Turmlast ruht", erklärt Wilfried Müller und weist auf den von Feuchtigkeit und Verfall gezeichneten alten Balken. Den Ersatzbalken hat seine Familie gespendet.

Die Holzsanierungsarbeiten beginnen aber erst, wenn sämtliche Mauersteine aus den Gefachen geschlagen sind. Nach der Holzsanierung werden neue Steine eingemauert. Die Arbeiten waren nötig, weil die Bausubstanz des über 200 Jahre alten Turms stark gelitten hatte.

"Durch die Schallluken war Feuchtigkeit eingedrungen", weiß Müller. Die Witterung schädigte nicht nur die Holzbalken, sondern auch die Steine. "Vor einem Jahr drohte ein Mauerteil zwischen Feldsteinwand und Holzfachwerk abzustürzen", erinnerte er sich. Da habe der Gemeindekirchenrat mit freiwilligen Helfern aus dem Ort das Mauerwerk in Eigenregie entfernt, um einer Beschädigung des Dachs auf dem Kirchenschiff vorzubeugen. Außerdem war dadurch eine Gefahrenquelle für die Friedhofsbesucher abgewendet worden.

Rainer Wellkisch vom Kreiskirchenbauamt hatte den Zustand damals begutachtet und zur Sanierung geraten. Mit seiner Hilfe seien die nötigen Gelder beantragt worden, die Ende 2013 bewilligt wurden. Seit Januar ist der Kirchturm eingerüstet. Durch den Frost verzögerten sich die Arbeiten etwas. "Am vergangenen Sonntag haben wir hier noch unseren kleinen Wintergottesdienst zusammen mit den Schernikauern abgehalten", so Müller. Dazu sei der kleine Raum beheizt worden. Jetzt ist hier Baustelle. Bis zum 31. März solle das Vorhaben abgeschlossen sein.

   

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