Seit gut einem Jahr ist die einstige Gemeinde Mehmke ein Ortsteil von Diesdorf. Die Ratsleute haben zuvor Notwendiges gebaut, aber die Rücklagen nicht ausgeschöpft und das Geld in die "Ehe" mit eingebracht. Jetzt haben die Hohengriebener einen Wunsch: Sie möchten die alte Schulscheune gern wieder aufbauen. Dafür brauchen sie eine Finanzspritze.

Hohengrieben. König Frie-drich der Große wählte sich einst Hohengrieben als Mustersiedlung aus. 1749 ließ er den Ort mit zehn Hofstellen erbauen – und einer Schule samt Nebengelass. Denn dem Alten Fritz sei Bildung als Grundlage des Wohlstandes wichtig gewesen, sagte der Hohengriebener Dr. Gerhard Schulz am Mittwoch-abend während der Diesdorfer Bauausschusssitzung. Bis 1949 seien hier Kinder aller acht Klassen in einem Raum unterrichtet worden. "Wir waren überrascht, dass Dirk Hoppe an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar im Jahr 1995 sogar eine Diplomarbeit über die Schule und unseren Ort geschrieben hat", fügte er hinzu. Denn es sei die erste Landschule im Bereich des ehemaligen Domänenamtes Diesdorf gewesen.

Das Gebäude blieb erhalten, ist heute noch bewohnt. Doch an der dazugehörigen Schulscheune, direkt am Ortseingang aus Richtung Mehmke stehend, hat der Zahn der Zeit genagt. Der Diplomand hatte damals Szenarien erarbeitet, dass ein Dorfkrug oder ein Laden in dem altehrwürdigen Bau untergebracht werden könnte. "Denn auch die Schulscheune ist eine Sehenswürdigkeit in Hohengrieben", sagte Dr. Schulz. Die Altgemeinde Mehmke habe seit 2002 schon versucht, das Gebäude in Ordnung zu bringen. Doch das Vorhaben sei zurückgestellt worden, weil andere Maßnahmen wichtiger gewesen seien. "Der Wiederaufbau der Schulscheune als Kaltbau ist das einzige Vorhaben, das die alte Gemeinde Mehmke auf der Wunschliste hat", machte der Hohengriebener deutlich. Mit Hilfe eines Ein-Euro-Jobbers sei der besonders beschädigte Teil der Scheune abgetragen, die Eichenfachwerkbalken zum Teil nummeriert gelagert, ein Fundament gezogen worden, ergänzte Ratsherr Dr. Tino Fuhrmann. "Wir könnten uns vorstellen, dass wir die Hülle als Heimatstube nutzen, Dokumente von Hohengrieben und alte Landwirtschaftsgeräte darin ausstellen", dachte Dr. Schulz laut über die Nutzung nach. Der Wunsch sei es, dass ein Feldsteinsockel errichtet werde, worauf das Fachwerkgebäude mit der Grundfläche von 7x16 Metern wieder aufgebaut werde. Die Hohengriebener würden selbst mit zupacken, beispielsweise Steine sammeln.

"Wenn das Gebäude so geschichtsträchtig ist, warum hat das Mehmke nicht eher gemacht?", fragte Bauausschussvorsitzender Daniel Rieck, dem sich der Sinn des Aufbaus des alten Gebäudes nicht richtig erschloss. Weil die Gemeinde die Kasse nicht komplett leeren wollte, entgegnete Dr. Schulz.

"Ich habe Achtung davor, dass Historisches erhalten werden soll. Aber vor einer Entscheidung sollten die Kosten erstmal zusammengetragen werden", merkte Daniel Rieck an. Der berufene Bürger Ronny Lüdemann gab zudem zu bedenken, dass unbedingt eine Statikberechnung erfolgen müsse, weil es sich um ein öffentliches Gebäude handele. Um diese Vorarbeiten wird sich jetzt Tino Fuhrmann kümmern. Gerhard Schulz bat darum, dass das Projekt angepackt werde, egal wann. "Wenn das Gebäude verschwunden ist, brauchen wir uns nicht mehr darüber zu unterhalten", fügte er hinzu. Bauausschussmitglied Sabine Allnoch unterstützte den Wunsch der Hohengriebener. "Sie tun sehr viel für ihren Ort", lobte sie.

Mit dieser Thematik wird sich der Gemeinderat auseinander setzen müssen – wenn die Zahlen für den Haushalt und für die Arbeiten an der Schulscheune auf dem Tisch liegen.