Die Senioren in der Altmark zählen zu den aktivsten im nördlichen und mittleren Sachsen-Anhalt. Fast jeder Zweite treibt mehrmals in der Woche Sport. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie MM-Regioscan.

Klötze/Altmark l Physiotherapeutin Britta Reisener gibt klare Anweisungen: "Hoch das Bein und jetzt den Fuß drehen." 16 Seniorinnen sitzen ihr im Stuhlkreis gegenüber. Sie bewegen die Beine wie beim Radfahren, lassen minutenlang die Arm kreisen und laufen auf der Stelle. Eine Stunde lang steht bei ihnen Sitzgymnastik auf dem Plan.

Unter den Frauen in Klötze ist Erika Koch. Sie ist die Älteste der Damen. 92 Jahre wird sie diesen Monat. Die Dauer macht die Übungen anstrengend. Trotzdem macht sie alle mit. Kein Wunder, die bald 92-Jährige ist eine rüstige Rentnerin. "Ich mache zu Hause meine Arbeit, fahre Fahrrad und arbeite im Garten", sagt Erika Koch.

Wie wichtig Bewegung für Senioren ist, weiß Britta Reisener. "Wer rastet, der rostet", sagt die Physiotherapeutin mit einem Lächeln. Auch dank der Gymnastik bleiben ihre Klötzer Seniorinnen mobil, sie regen so Kreislauf und Stoffwechsel an. Britta Reisener und ihre Kollegin betreuen die Gruppe in der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFA) ehrenamtlich, seit die langjährige Leiterin Elfriede Bein aufgehört hat. Heute macht sie selber als Teilnehmerin mit.

Fast jeder zweite über 70-Jährige in der Altmark (47,9 Prozent) treibt mehrmals die Woche Sport oder macht Fitness. Das ist Spitze im nördlichen und mittleren Sachsen-Anhalt. Nur in Magdeburg sind prozentual mehr Altersgenossen so aktiv. Bei den 60- bis 69-Jährigen sind es 41,6 Prozent. Auch hier holt die Altmark den zweiten Platz. Zu diesen Ergebnissen kommt die Regional-Analyse des Volksstimme-Verlages MM-Regio-scan (siehe Info-Kasten).

Seniorensport liegt in der Altmark voll im Trend. Das merken auch die Sportvereine. Während die Mitgliederzahlen insgesamt sinken, steigen sie bei den Senioren an.

Bei den über 60-Jährigen gab es 2013 einen Mitgliederzuwachs von 191 in der östlichen und 116 in der westlichen Altmark. "Das liegt natürlich auch am demographischen Wandel", sagt Kati Schatte, Geschäftsführerin des Kreissportbundes Stendal. Viele Vereine haben sich schon darauf eingestellt. Egal ob Kegeln, Radwandern, Wandern, Nordic Walking oder Gymnastik - es gibt viele Angebote für ältere Menschen. "Bei den Senioren liegt die Zukunft des Vereinssportes", meint Peter Böse, Geschäftsführer des Kreissportbundes Altmark West.

Einen guten Überblick über neueste Trends gibt das Seniorensportfestival des Landessportbundes. Dieses findet 2014 in Osterburg statt. Vom 11. bis zum 13. Juli können sich Interessenten und Übungsleiter dort informieren.

Bei den Seniorengruppen geht es häufig um mehr als nur Sport. So machen die Mitglieder des Behinderten-, Rehabilitations- und Seniorensportvereines Stendal gemeinsam Ausflüge oder gehen Wandern. "Das Soziale ist ganz wichtig", sagt Kati Schatte.

So sehen es auch viele der Frauen in der EFA in Klötze. "Man ist unter Leuten, kann sich unterhalten und erfährt immer etwas Neues", sagt die 91-jährige Erika Koch.

Nach dem Sportprogramm gibt es Kaffee und Kuchen. Dann wird in der EFA mal Bingo gespielt, mal hören die Damen Vorträge, mal wird etwas vorgelesen. Bei allem versprühen die Seniorinnen gute Laune und haben sichtbar viel Spaß beim gemeinsamen Fitbleiben.