Was verbirgt sich hinter dem Böttcher- und dem Küferhandwerk? Davon kann Heinrich Gades aus Knesebeck unendlich viel erzählen. Der 82-Jährige hilft dem Freilichtmuseum Diesdorf, dass die Erinnerung erhalten bleibt.

Diesdorf l "Wir wollen unser Profil schärfen. Da ist das Besinnen auf solch ein Handwerk, das Bewahren von Wissen darüber eine prima Sache. Und für uns eine glückliche Fügung, wie alles zustande gekommen ist", sagt Friedhelm Heinecke, Leiter der Museen des Altmarkkreises Salzwedel. Die Fachwerk-Hopfendarre aus Wollenhagen, die dort im Jahr 1879 erbaut, 2012 abgebaut wurde und nun im Diesdorfer Freilichtmuseum wieder entsteht, bietet die passenden Räumlichkeiten, denkt er laut nach.

Ein rundes 5000-Liter-Fass war das erste Werk

Und da gab es als glückliche Fügung den Kontakt zu Heinrich Gades. Der Knesebecker wollte eigentlich Musiker oder Arzt werden. Doch er trat in die Fußstapfen seines Vaters, erlernte den Beruf des Böttchers von der Pike auf und besuchte die Bundesmeisterschule. "Mein Vater legte Wert darauf, dass ich auch in anderen Betrieben arbeite, weil man dort einiges dazulernen kann", erinnert sich Heinrich Gades. Doch nicht nur die Böttcherei, bei der es um das Herstellen von Bottichen geht, hatte es ihm angetan. Er interessierte sich auch für die Küferei, abgeleitet von Kufe. "Ein Küfer stellt Fässer her", erklärt der Knesebecker. Sein Erstlingswerk sei ein rundes 5000-Liter-Fass gewesen. Als 23-Jähriger legte Heinrich Gades die Meisterprüfung im Böttcher- und Weinküferhandwerk ab.

Mit 41 Jahren ging für ihn ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Er durfte Kirchenmusik in Herford studieren. Das Angebot, als hauptamtlicher Landesposaunenwart im Sprengel Lüneburg zu arbeiten, nahm Heinrich Gades gern an.

Als seine 1962 geborenen Zwillinge - ein Pärchen - alt genug waren, platzte der Traum von einem Nachfolger für die Werkstatt. Denn seinem Sohn Heinrich hatte es die Physik mehr angetan als das Handwerk. Doch was sollte jetzt mit dem Meisterstück und vielen anderen Erinnerungen werden? Die Kinder rieten, diese zu stiften. Aus einem Projekt in Knesebeck wurde jedoch nichts.

Vater Heinrich belieferte zu 80 Prozent Kunden aus der Altmark

Das bekam auch der Dährer Reiner Lehmann mit, der im Knesebecker Chor mitsingt. Er schlug vor, im Diesdorfer Freilichtmuseum nachzufragen, ob dort die Erinnerungen an das Handwerk bewahrt werden könnten. "Die Idee fand ich gut. Denn ich habe eine gute Beziehung zur Altmark. Meine Mutter Elisabeth geb. Korth stammte aus Waddekath, mein Vater Heinrich belieferte zu 80 Prozent altmärkische Kunden", erinnert sich der heute 82-Jährige an erste Überlegungen. Als er zu Hause ein nettes Gespräch mit Michael Ziche, dem Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, und Museumsleiter Friedhelm Heinecke hatte, sei er überzeugt gewesen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Vor seinem geistigen Auge sieht Heinrich Gades schon, wie es in der einstigen Hopfendarre bald aussehen könnte: Im Erdgeschoss wird es nicht nur eine Ausstellung geben, sondern auch eine Werkstatt. Fassschränke mit dem Knesebecker Wappen und dem Wappen des Altmarkkreises werden einen Platz finden. Im oberen Teil können die Besucher den Weg vom Baum zum Fass nachvollziehen. "Viele Arbeitsgänge sind fotografisch festgehalten. Es wird aber auch viele Werkstücke geben", sagt der Knesebecker. Er sei beispielsweise dabei, einen keltischen Schöpfeimer nachzubauen, der unten breiter und oben schmaler ist, damit das Wasser im Behälter bleibt. Denn das Handwerk werde seit Jahrtausenden ausgeübt.

"Ich drängele etwas, damit das Haus bald steht. Schon in Anbetracht meines Alters", merkt der rüstige Senior an, der derzeit keine Probleme habe, in der heimischen Werkstatt zu arbeiten. Sein Wunsch sei es, einen Grundstock für den Erhalt der beiden Handwerksberufe vorzubereiten. "Das lässt sich jederzeit vervollständigen", fügt er hinzu. Friedhelm Heinecke hofft ebenfalls auf einen raschen Baufortschritt. Denn mit der Ausstellung über das Böttcher- und Küferhandwerk entstehe etwas Besonderes, das es in dieser Art in Deutschland so nicht noch einmal gebe. Er hofft, dass dann ganz viele Interessenten den Weg ins einzige Freilichtmuseum in Sachsen-Anhalt finden.