Es sind nur wenige Seiten Papier. Aber die haben es in sich. Ein Hamburger Professor für Wirtschaft und Technik erstellt derzeit ein Konzept, das die wirtschaftlichen Vorteile einer Cannabis-Legalisierung in Salzwedel aufzeigen soll.

Von Marco Heide

Salzwedel l Salzwedels Zukunft ist Grün. Nach den Niederlanden und dem US-Bundesstaat Colorado, der Cannabis am 1. Januar 2014 legalisiert hat, soll die Droge nun in Salzwedel erlaubt werden, um die Stadt wirtschaftlich und touristisch nach vorne zu bringen.

Der Hamburger Wirtschaftsfachmann Professor Thomas Gärtner erstellt derzeit das Konzept für die Hansestadt, das sowohl den Cannabis-Vertrieb, als auch den Anbau in der Stadt detailliert beschreibt. "Das wirtschaftliche Potenzial einer Cannabis-Legalisierung in Salzwedel ist immens. Derzeit fahren jährlich hunderttausende sogenannte Kiffer-Touristen in die Niederlande und setzen dort zig Millionen Euro um", weiß der Finanzexperte. "Würde sich nur ein Bruchteil der Holland-Urlauber dafür entscheiden nach Salzwedel und nicht ins Nachbarland zu fahren, wäre die Stadt aus dem wirtschaftlichen Schneider", prophezeit Thomas Gärtner.

Das Konzept des Hamburgers sieht vor, dass das Rauschmittel, das in Salzwedel verkauft, auch dort angebaut wird. "Allein diese Maßnahme bringt zu Beginn Arbeitsplätze im oberen zweistelligen Bereich. Bei entsprechender Nachfrage gibt es jede Menge Luft nach oben", schätzt Gärtner ein.

Die ersten Cannabisplantagen sieht der Plan des Experten an der Hoyersburger Straße vor. "Dort haben wir mit den Gewächshäusern des ehemaligen VEB Gartenbau Salzwedel ideale Bedingungen für den Anbau", meint er. "Für die Zukunft bieten sich Neubauten kombiniert mit Biogasanlagen und kleinen Blockheizkraftwerken an, da die Aufzucht der Hanfpflanzen Strom und Wärme frisst", blickt Gärtner voraus.

Doch wie soll die rechtliche Grundlage für dieses Projekt geschaffen werden? Fakt ist: Der Verkauf von Cannabis ist in Deutschland derzeit verboten. "Wir wollen die Cannabis-Legalisierung in Salzwedel als ein regionales Pilotprojekt laufen lassen und haben in Abstimmung mit Stadt- und Kreisverwaltung strikte Regeln erarbeitet", macht Gärtner deutlich.

Das heißt: Cannabis darf nicht in der Öffentlichkeit geraucht werden, sondern nur in Coffeeshops und privaten Häusern. Die Coffeeshops öffnen erst ab 20 Uhr und nur für Personen ab 18 Jahren. So soll verhindert werden, dass Kinder am Tage zugedröhnte Menschen durch die Stadt schlendern sehen. Außerdem darf kein Gras aus der Einheitsgemeinde Salzwedel ausgeführt werden. Touristen dürfen in den Coffeeshops nur so viel Cannabis kaufen, wie sie dort konsumieren können. Lediglich Einwohnern Salzwedels und der Ortsteile ist es gestattet, Rauschgift in geringen Mengen mit nach Hause zu nehmen und dort zu rauchen.

"Über all unseren Überlegungen steht der Jugendschutz", erklärt Kreisordnungsamtsleiter Hans Thiele, der an dem Regelwerk mitgearbeitet hat. "Ich bin optimistisch, dass wir mit diesen klaren Regeln den Zuschlag für das Pilotprojekt von der Bundesregierung erhalten. Am 1. April kommenden Jahres soll es losgehen."