Stendal/Salzwedel l Der zweite Prozesstag vor dem Landgericht Stendal um Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung, möglicherweise auch um versuchte sexuelle Nötigung und/oder versuchten Schweren Raub in Salzwedel ist gestern geplatzt. Der in Freiheit befindliche Angeklagte ist seiner Verhandlung ferngeblieben. Die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone Henze-von Staden erließ daraufhin Haftbefehl gegen den Angeklagten.

Wie berichtet wird der 54-jährige Salzwedeler beschuldigt, am Abend des 23. September 2012 eine heute 29 Jahre alte Litauerin, die auf der Durchreise von Berlin via Salzwedel ins niedersächsische Wustrow war, überfallen zu haben. Zuvor soll er ihr am Bahnhof den Weg dorthin gewiesen haben. In der Hoyersburger Straße soll er die Frau, die mit einem Fahrrad unterwegs war, dann laut Anklage mit dem Messer bedroht, sie gewürgt und in einen Straßengraben gezerrt haben. Die sich heftig wehrende Frau in seinen in der Nähe befindlichen Garten verbracht zu haben, um sie dort an Händen und Füßen zu fesseln und ihr mit Klebeband den Mund zuzukleben, wird ihm weiter vorgeworfen. Der bei diesen Attacken verletzten Frau gelang die Flucht in ein Altenheim, wo ihr Hilfe zuteil wurde. Der Angeklagte bestreitet die Tat, er will ihr nur den Weg gezeigt und später ihre Jacke, ihren Rucksack und das Fahrrad gefunden haben.

Als Zeugin hatte die 29-Jährige beim Prozessauftakt ausgesagt, dass der Täter sich als Polizist ausgegeben und von "verdeckten Ermittlungen" gesprochen habe. Er habe von ihr die Herausgabe von Geld und Handy gefordert. Sie habe Todesangst verspürt und um ihr Leben gefleht.

Der Prozess soll nun am 13. Mai fortgesetzt werden. Die Zeit bis dahin wird der Angeklagte in U-Haft verbringen.