Eine Druckerei im kleinen Siedendolsleben? Das vermutet wohl kaum einer. Doch Katrin Herrmann und Matthias Berger haben sich hier in ein Haus verliebt. Und sie nahmen ihre Druckerei aus Hannover mit in die Altmark.

Siedendolsleben l "Es ist der Traum von jedem, das Private mit dem Geschäftlichen zu verbinden, und das an einem liebenswerten Ort", erzählt Matthias Berger. Der gelernte Buchhändler, der später in einer Druckerei arbeitete und dort die Gesellenprüfung ablegte, erinnert sich gern an Radtouren, bei denen das Paar nach einem Ort für die Zukunft gesucht hat. So fuhren sie per Drahtesel von Schnega über Arendsee nach Wittenberge. "In Siedendolsleben haben wir den Hof gesehen, uns in das Haus sofort verliebt", schildert Katrin Herrmann.

Es war schnell klar, wo die Werkstatt einziehen wird

Ein Pferd und ein Schaf hätten auf dem Areal gestanden, der Garten sei genutzt gewesen. "Uns war sehr schnell klar, in welchem Raum wir die Werkstatt einrichten würden", fügt sie hinzu. Dann hätten sie sich genauer informiert, wem das Anwesen gehöre. Vor fünf Jahren haben sie das Grundstück erworben, in ihrer Freizeit eine Scheune für ihre Zwecke nach und nach hergerichtet.

Seit 1. März dieses Jahres leben die beiden jetzt in Siedendolsleben. Seit dem 30. April ist ihre Firma im Handelsregister eingetragen. "Der Start ist für uns nicht ganz so schwer, weil wir eine vorhandene Firma umverlagert haben. Durch das Internet müssen wir nicht unbedingt in einer Großstadt ansässig sein", sagt Matthias Berger.

In Siedendolsleben sei es sehr angenehm. "Die Leute kommen uns entgegen. Wir haben sofort Hilfe angeboten bekommen", dankt er für die freundliche Aufnahme. Sie hätten ein gutes Gefühl dabei, ihren Lebensmittelpunkt in die Altmark verlagert zu haben. "Die Atmosphäre stimmt", fügt Katrin Herrmann hinzu, die erst Buchhändlerin lernte und dann zur Mediengestalterin umschulte. Das hätten sie auch bei den Dorffesten erlebt, an denen sie bereits teilgenommen haben.

In dem kleinen Ort wird jetzt auch das Heft "Ossietzky" gedruckt, eine Zweiwochenschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft, die durch einen ehrenamtlichen Verlag herausgegeben wird. Es folgt der Tradition der "Weltbühne", die 1993 eingestellt wurde. "Wir könnten uns schon vorstellen, hier auch mal eine Lesung oder ein politisches Gespräch anzubieten", denkt Matthias Berger laut nach.

In der Region gebe es sehr viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Da sei die Bürger-initiative gegen CO2-Verpressung, nennt er ein Beispiel und fügt hinzu: "Wir gucken aber auch kritisch auf die Colbitz-Letzlinger Heide."

Aber auch in Sachen Kultur gebe es ein großes Angebot, sagen die beiden. Das Paar genießt Veranstaltungen im Hanseat und in der Katharinenkirche Salzwedel.

Freunde der schwarzen Kunst gesucht

Doch sie wollen auch selbst das Angebot bereichern. "Wir sind dabei, ein kleines Museum mit alten Maschinen rund ums Drucken aufzubauen", erzählt Matthias Berger. Doch allein fehle ihm das Fachwissen, um die Technik zu restaurieren. "Vielleicht gibt es Freunde der schwarzen Kunst, die sich darauf verstehen und Lust haben, mit uns gemeinsam daran zu arbeiten", denkt er laut nach. Denn nicht nur die Drucktechnik habe sich in den vergangenen 27 Jahren, seitdem sie die Firma betreiben, rasant entwickelt. "Ich möchte gern das Mechanische erleben und verstehen", ergänzt Katrin Herrmann. Wer helfen möchte, kann sich gern unter Telefon 039031/944940 melden.