Liesten. "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wir sollten um jeden Einzelnen kämpfen. Wenn noch zwei Kameraden weggehen, dann haben wir bald keine einsatzfähige Truppe mehr." Mit diesen Worten hat Feuerwehrmitglied Wolfgang Bobe am Sonnabend seinen Sorgen um die Zukunft der Liestener Truppe Ausdruck verliehen. Der Grund: Enrico Schulze hat das Handtuch geworfen und bereits am 27. Dezember 2010 sein Amt als Wehrleiter niedergelegt. Nicht nur das: Gemeinsam mit Ehefrau Andrea ist der Liestener auch aus der Feuerwehr ausgetreten.

Nun fehlen zwei Aktivposten. Die Anzahl der Aktiven hat 18 erreicht. 6 sind in der Alters- und Ehrenabteilung als Mitglied registriert. Auch wenn keiner der Kameraden während der Jahreshauptversammlung im Feuerwehrraum das Wort von einer handfesten Krise in den Mund nehmen wollte, so wurde doch eines deutlich: Hinter den Kulissen brodelt es schon seit Wochen gewaltig. "Er hat genug erlebt und kriegt nur Nackenschläge", berichtete Ortsbürgermeister Rainer Boesenhagen von einem Gespräch mit dem Ex-Wehrleiter. Auch Werner Schulz, der die Versammlung leitete, hatte im persönlichen Gespräch versucht, zu retten, was noch zu retten ist. Allerdings vergeblich. "Wir müssen nach vorne schauen. Es ist Tatsache, dass sie raus sind", sagte er.

Der Ortschef hat Schulzes bisherigen Stellvertreter Karsten Tamm gebeten, bis zur Wahl eines neuen Wehrleiters den Posten kommissarisch zu übernehmen. Liestens Personalsorgen sind offenbar auch ein Fall fürs Stadtkommando geworden. "Nicht funktionierende Wehren werden dichtgemacht", zitierte Rainer Boesenhagen den Salzwedeler Stadtwehrleiter Mario Müller. Soweit wollen es die Liestener erst gar nicht kommen lassen. Sie sind in der prekären Situation um Schadensbegrenzung bemüht. Karsten Tamm soll für den Wehrleiterposten kandidieren. Bereit dazu wäre er – wenn er das Vertrauen bekommt. Die Wahl soll vermutlich im März stattfinden. Um die Wehrleitung schnellstmöglich wieder komplettieren zu können, soll Steven Doege einen Gruppenführerlehrgang absolvieren, hieß es am Sonnabend. Dies sei die Mindestvoraussetzung, um Stellvertreter werden zu können.

Zuvor hatte der kommissarische Wehrchef das Jahr Revue passieren lassen. So räumten die Aktiven im Februar und Dezember Äste von Bäumen beziehungsweise deren Kronen von der Kreisstraße 14/10 zwischen Liesten und Königstedt und rückten im August ausgelaufenen Flüssigkeiten zu Leibe. Ferner veranstalteten sie das traditionelle Osterfeuer und den Fackelumzug vor dem Reformationstag und stellten einen Weihnachtsbaum auf. Die Brandbekämpfer räumten wieder einmal den Schrottplatz auf und pflegten die Geselligkeit, zum Beispiel bei der Himmelfahrtstour sowie bei der Weihnachtsfeier. "Leider", bedauerte Karsten Tamm, "hat die Liestener Wehr nicht am Wirkungsbereichsausscheid teilgenommen." Zwei Kameraden absolvierten Lehrgänge. Geübt wurde im Heuhotel, so dass 299,5 Ausbildungs- und Übungsstunden zusammenkamen.

Befördert wurden Markus Tamm zum Hauptfeuerwehrmann und Daniel Doege zum Oberfeuerwehrmann. Letzterer bekam für zehn Jahre im Dienst der Allgemeinheit eine Ehrennadel.