Die Verwantwortlichen für den Truppenübungsplatz Altmark sind mit dem Titel "Projekt der UN-Dekade" ausgezeichnet worden. Käfer wie Heldbock oder Eremit sollen auf dem Militärgelände weiter einen günstigen Lebensraum vorfinden.

Letzlingen l So ein Käfer hat es nicht leicht. Überall schwindet sein Lebensraum. Totholz und lichte Baumbestände werden immer seltener. Bäume werden zu jung abgeholzt und zu dicht nachgepflanzt. Ein Paradies finden Hirschkäfer, Heldbock oder Eremit dagegen auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Letzlinger Heide. Die dortigen Huteichen sind für sie ein perfektes Zuhause. Doch dies Paradies ist bedroht.

Denn die Eichen sind in die Jahre gekommen. Warum? Das erklärte während einer Exkursion Ferry Behrens vom Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt (Bfb). Die Schweine waren einst Segen und Fluch des Bestandes. Im Mittelalter entdeckten die Bauern die Eichelmast. Größere Bäume trugen mehr Früchte. So ließ man die Eichen wachsen und gab ihnen viel Platz, um sich zu entwickeln. Doch dann kam die Kartoffel als Futtermittel. Der Holzbedarf stieg aufgrund der industriellen Revolution. Die Eichen mussten weichen.

Eichen bekommen GPS-Sender

Aus der Zeit der Eichelmast stammen viele der heutigen Huteichen auf dem Platz. Bald sterben sie weg, und der Totholznachschub bricht weg.

Aus diesem Grund gibt es seit etwa zwei Jahren das Projekt "Nachhaltiges Wohnen in der Huteiche". Worum es dabei geht? Darüber informierte Wolfgang Rost vom Bfb. Auf dem Truppenübungsplatz werden spezielle Käfer-Lebensräume entwickelt. Huteichen werden freigestellt, damit sie genug Freiraum haben, sich gut zu entwickeln. Dies betrifft bislang 50 Bäume. Um ihren genauen Standpunkt zu kennen, sind sie mit GPS-Sendern ausgestattet. In den nächsten fünf Jahren sollen weitere 250 Bäume in den Wäldern des Platzes und auf der Freifläche freigestellt werden.

Dass Heldbock und Hirschkäfer zu Hause sind, bewies Käferexperte Peter Schnitter vom Landesamt für Umweltschutz. Er zeigte den Exkursionsteilnehmern Kotbrocken der Insekten vor einer Eiche und fand dort zudem den Halsschild eines Heldbockes. Bei dem nächsten Baum traf er sogar auf einen Hirschkäfer.

Bundesamt-Präsidentin übergibt Auszeichnung

Für das Projekt erhielten die Verantwortlichen die Auszeichnung "Projekt der UN-Dekade". Überreicht wurde diese am Montag von der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, an die Vertreter der drei Projektpartner Gefechtsübungszentrum, Dienstleistungszentrum Burg und Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt.

Zu Gast waren rund 50 Parlamentarier, Kommunalpolitiker aus den umliegenden Gemeinden und Naturschützer. Bundesverteidigungsministerium, Bundesforst und das Landesumweltamt hatten dazu eingeladen.

Die Auszeichnungsveranstaltung sollte eigentlich bereits 2013 stattfinden. Sie war aufgrund des Flut-Einsatzes der Bundeswehr verschoben worden. Mehr als 160 Projekte tragen in Deutschland den Titel "Projekt der UN-Dekade 2011 bis 2020". Wöchentlich wird jeweils ein Projekt von einer Jury ausgewählt.

Bäume haben auf dem Truppenübungsplatz noch eine weitere wichtige Funktion. Sie sind Staub-, Lärm- und Sichtschutz für die angrenzenden Dörfer.

   

Bilder