Was ist in der Kita "Rappelkiste" geschehen? Die Eltern, die gegen zwei Mitarbeiter Anzeige erstattet haben, wollen Aufklärung und stellen klar, dass es ihnen auf keinen Fall darum gehe, der Einrichtung zu schaden.

Salzwedel l Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Mitarbeiterinnen der Salzwedeler Kita "Rappelkiste", weil ihnen physische und psychische Übergriffe auf Kinder vorgeworfen werden (wir berichteten). Nun haben sich einige Eltern, die Anzeige erstattet haben, erstmals gegenüber der Volksstimme geäußert. Eines wollten sie gleich zu Beginn klarstellen: "Es geht uns nicht darum, der Einrichtung zu schaden, sondern, dass die betreffenden Erzieherinnen zur Rechenschaft gezogen werden", erklärt ein Vater.

Erste Anschuldigungen bereits im Februar

Bereits im Februar wurden erste Anschuldigungen erhoben, die aber aus Sicht der Eltern von Seiten der Kita herunter gespielt wurden. Anfang März mehrten sich die Vorwürfe durch weitere Kinder.

Da erste Gespräche in der Kita ergebnislos blieben, wandten sich weitere Eltern hilfesuchend direkt ans Jugendamt des Altmarkkreises. Die Behörde schickte Mitarbeiter zum Hospitieren in die Einrichtung. Doch auch das brachte keine neuen Erkenntnisse, die zur Aufklärung der Vorwürfe führten.

Für die Eltern ist klar, dass sich ihre Kinder die schwerwiegenden Anschuldigungen, bei denen es sich um seelische und körperliche Misshandlung handelt, gegen die beiden Mitarbeiterinnen nicht ausgedacht haben. "Wir haben mit den Kinderärzten, die unsere Kinder gut kennen, gesprochen. Und diese sind einhellig der Meinung, dass sich Kinder diesen Alters solche Geschichten nicht ausdenken", erklärt einer der betroffenen Väter. "Außerdem gab es bei den Mädchen und Jungen eine Rückentwicklung im Sozialverhalten", erzählt eine Mutter.

"Es war nie unsere Intention, nach Verlassen der Einrichtung Anzeige zu erstatten. Aus rechtlicher Sicht blieb uns aber keine andere Möglichkeit", erklärt ein Vater. Nach ihren Angaben wurde den Eltern vom Jugendamt geraten, Anzeige zu erstatten, wenn sie wollen, dass die Angelegenheit intensiver untersucht wird.

Von Seiten des Trägers erwarten sich die betroffenen Familien keinen großen Beitrag mehr zur Aufklärung. Einen ausführlichen Brief, den die betroffenen Mütter und Väter mit Bitte um Rückantwort Ende März an Cornelia Kurowski, Geschäftsführerin des Kinder-, Jugend- und Familienwerks Sachsen-Anhalt der Volkssolidarität, geschrieben haben, ist bis heute unbeantwortet.

Vielmehr sehen sich nun auch die Eltern Anfeindungen ausgesetzt. Angeblich hätten sie sich zusammengetan, um dem Haus zu schaden. "Wir kannten uns vor der Angelegenheit, wenn überhaupt, nur vom sehen", stellt eine Mutter klar.

Auch wenn der Ausgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die Anfang Mai begonnen haben, noch offen ist, haben einige Eltern ihre Konsequenzen gezogen. Mittlerweile wurden mindestens acht Mädchen und Jungen im Zusammenhang mit den Vorwürfen aus der Kita "Rappelkiste" abgemeldet. Und die beiden angezeigten Erzieherinnen dürfen nicht mehr alleine in die Gruppen gehen.

Cornelia Kurowski wollte sich auf Nachfrage der Volksstimme zu dem Thema nicht weiter äußern.