Der Krangener Weg hat sich zu einer beliebten Abkürzungsstrecke entwickelt. Rund 1000 Fahrzeuge rollen dort täglich in jeder Richtung. Die Anwohner sind verärgert.

Salzwedel l Wenn Karsten Heiser morgens sein Haus am Krangener Weg verlässt, herrscht "Rush hour". Seit einiger Zeit rollen immer mehr Pendler an seiner Auffahrt vorbei. "Es ist ein rasanter Verkehr, der hier fährt", erzählt der Grundstücksbesitzer. Vor allem zu den Stoßzeiten von 5 bis 9 Uhr und von 15.30 bis 18 Uhr sei es unerträglich. "Dann stehen die Autos hier manchmal Stange an Stange."

Hinzu kommt: Die Fahrer halten sich oft nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30, sagt Heiser. Und: Selbst Lkw würden die Straße nutzen, obwohl diese laut Beschilderung auf ein Gewicht von fünf Tonnen beschränkt ist. Ähnlich empfindet Nachbar Ralf Günther. "Der Verkehr hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen", erklärt er. Auch er bestätigt, dass Autofahrer das vorgeschriebene Tempo nicht einhalten und Lkw die Strecke nutzen.

Kreuzungsfrei, ampelfrei

Der Grund für die extreme Zunahme des Verkehrs im Krangener Weg ist für Karsten Heiser schnell ausgemacht: "Kreuzungsfrei, kreisverkehrfrei, ampelfrei - Abkürzung", sagt er. Viele Autofahrer hätten die Straße als Ausweichstrecke für sich entdeckt, um die zeitaufwendigere Fahrt über Arendseer Straße und Ernst-Thälmannstraße zu umgehen. Noch schlimmer sei es geworden, seitdem auch der Wirtschaftsweg von der B190 nach Ritze - auch als Bundesfeldweg bekannt - gesperrt wurde.

Wegen Beschwerden weiterer Anwohner hatte die Stadt bereits im April eine Verkehrszählung veranlasst. Ergebnis: Rund 1000 Fahrzeuge rollen täglich pro Richtung durch das Wohngebiet. Das Bauamt bestätigt: "Etwa 70 Prozent aller Verkehrsteilnehmer sind keine Anlieger und nutzen den Weg als Abkürzung zwischen dem Gewerbegebiet Ost/Schillerstraße und der B190/B71." Ob aus diesen Fakten Konsequenzen folgen, ist bislang allerdings offen.

Jean Kusian, Mitarbeiterin im Bauamt, sagte: 1000 Fahrzeuge je Richtung und Tag in einem Wohngebiet "kann man durchaus als mäßiges bis hohes Verkehrsaufkommen bezeichnen." Allerdings diene die vorhandene Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde bereits dem Schutz der Bevölkerung. Außerdem unterliege das Gebiet wegen des schlechten Zustands der Straße bereits einer Tonnagebeschränkung auf 5 Tonnen.

Wie auch immer: Karsten Heiser und Ralf Günther wünschen sich mehr Ruhe in ihrer Straße. "Eine halbseitige Sperrung wäre gut", sagt Heiser. Ralf Günther favorisiert dagegen eine verkehrsberuhigte Zone. Von einer Freigabe des Bundesfeldwegs würden sich beide eine Besserung versprechen.

Die Stadt hat die Entwicklung im Krangener Weg nun wohl zumindest als problematisch erkannt. Das Thema kommt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses. In Sachen Bundesfeldweg müssen sich die Anwohner dagegen noch länger gedulden. Dieter Kraus, Amtsleiter Hoch- und Tiefbau beim Altmarkkreis, sagte: Eine Freigabe sei zwar geplant und mit der Bahn besprochen, komme aber kaum vor 2015/16.