Mit einer Pressereise wirbt der Umweltverband BUND für das Grüne Band. Salzwedel und Arendsee standen gestern auf dem Plan. Der Umweltverband hofft auf gute Artikel über sein Vorzeigeprojekt. Die Natur spielte bis auf eine Ausnahme mit.

Hoyersburg l Ein Kuckuck rief. Ein paar Gänse zogen kreischend am Himmel entlang. Auf einer Koppel standen aufgereiht Haflinger und guckten neugierig. Frösche hopsten über den Weg. "Ups", sagte eine Journalistin von der Süddeutschen Zeitung und stoppte. Sie nahm für den Reiseteil ihrer Zeitung an einer Pressereise zum Grünen Band teil. Salzwedel und Arendsee standen gestern auf dem Plan. Und es schien, als hätte sich die Region extra herausgeputzt. Die Natur machte Werbung für sich und die Region. "Ich bin begeistert", sagte ein Journalist von Geo-Online aus Hamburg.

"Das Grüne Band ist wie ein Museum, ein Museum, das lebt", sagte Dieter Leupold, Leiter des Projektes in Sachsen-Anhalt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Er leitete die Gruppe. Los ging es im Salzwedeler Stadtforst im Bürgerholz. Für Kraniche, Schwarzstörche, Milane und seltene Fledermausarten ist die einstige Grenze Lebensraum. Wohl kaum ein anderer kennt die Bedeutung des früheren Sperrgebietes für die Natur so wie Kai Frobel.

Todesstreifen als Lebensversicherung

In den 1970er Jahren erkundete er als Jugendlicher bei Coburg (Bayern) die Grenzregion. Mit Fernglas und Schreibblock fertigte er eine Kartierung der Vogelarten. Der Todesstreifen war für 90 Prozent von ihnen quasi die Lebensversicherung. Mit dem Fall der Mauer war für Frobel klar: Die Natur der einstigen Grenze muss erhalten bleiben. Er lud Umweltschützer aus ganz Deutschland ein und war überwältigt von der Resonanz: Mehr als 400 waren gekommen, vor allem aus den neuen Bundesländern.

Damals war es noch eine Vision, dass die einstige Grenze ein großes Naturschutzgebiet wird. "Diese Vision ist Realität geworden", sagte Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND. Zwar gibt es noch Lücken im Gesamtverlauf. Aber diese sollen immer weiter geschlossen werden. Die Altmark ist dafür Pilotprojekt.

Bis 2017 sollen mit insgesamt 1,7 Millionen Euro Flächen gekauft werden, sagte Beate Jessel. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz betonte, wie außerordentlich die Artenvielfalt entlang der ehemaligen Grenze ist. Auch Staatssekretärin Anne-Marie Keding lobte das Projekt. Sie betonte aber auch, dass es auf die Akzeptanz der Menschen vor Ort ankomme. Ein Verbot von Infrastrukturprojekten oder Betretungsverbote - mit Ausnahme von Brutzeiten - halte sie für kontraproduktiv. "Es nützt nichts, wenn das Berliner und Kölner akzeptieren", so Keding.

Wie wichtig vielen Salzwedelern die Region ist, machte Jürgen Stadelmann, Vorsitzender der Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz Sachsen-Anhalt, deutlich: "Für mich ist das immer ein emotionaler Moment, hier zu stehen." Er werde nie vergessen, wie er zum ersten Mal bei Hoyersburg über die Grenze gegangen ist und kontrolliert wurde, als habe es damals so viel gegeben, was man hätte von Ost nach West mitnehmen können. Die Stiftung besitzt 2200 Hektar Land entlang des Grünen Bandes, etwa ein Drittel davon im Altmarkkreis. Landrat Michael Ziche stellte die Bedeutung des Projektes für die Region dar und bekam von den Projekt-Verantwortlichen viel Lob für seine Kooperation.

Vier Journalisten überregionaler Medien und mehrere Lokaljournalisten nahmen an der Reise gestern teil. Mit der Teilnahme zeigte sich Dieter Leupold zufrieden. Ein kleiner Wermutstropfen war das Wetter. Strömender Regen erschwerte am Vormittag die gut zweistündige Wanderung.

Viele der Teilnehmer nahmen die widrigen Umstände mit Humor. "Dass es regnet, ist sicherlich bedauerlich", sagte Bundestagsabgeordnete Undine Kurth (Bündnis 90/Grüne) und fügte schmunzelnd hinzu: "Für das Grüne Band ist es wahrscheinlich nicht schlecht."

   

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