Heute wird der Altmarkkreis Salzwedel 20 Jahre alt. In einer siebenteiligen Serie erinnert die Volksstimme an die Anfänge und lässt die Entwicklung der vergangenen Jahre Revue passieren. Zum Auftakt erinnern sich Zeitzeugen an die Voraussetzungen, unter denen die Altkreise Gardelegen, Klötze und Salzwedel zum Großkreis fusionierten.

Salzwedel l "Es gab große Befindlichkeiten damals", erinnert sich der Jübarer Hans-Heinrich Jordan an die Geschehnisse der Kreisgebietsreform 1994. Gemeinsam mit dem damaligen Salzwedeler Landrat Egon Sommerfeld hatte er als Kreisdirektor die Fusion begleitet. Zuviel stand für die Altkreise auf dem Spiel. So die Verwaltung und ihr Sitz als großer Arbeitgeber. Jordan: "Rund 1000 Leute waren damals für die drei Kreise tätig." Der Hauptstandort der Sparkasse war ebenfalls ein wichtiger Faktor, genauso wie der Erhalt beider Krankenhäuser in Gardelegen und Salzwedel. Aber um nichts wurde so gestritten, wie um den Kreisstadtstatus.

Für Klötze war ziemlich schnell klar, dass es außen vor bleibt", sagt der langjährige CDU-Politiker. Zwischen Salzwedel im Norden des Großkreises, wie er damals genannt wurde, und Gardelegen im Süden entstand ein schwerwiegender Konflikt, der noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte nachhallte. Immerhin hatten beide Kreise eine lange Tradition, die bis 1815 zurückreicht, als durch ein königliches Edikt die Neuorganisation der preußischen Staatsverwaltung beschlossen wurde. Im Vorfeld der 1994-Reform gab es sogar kurzeitig Überlegungen, den Kreis Klötze aufzuteilen und zwei neue Gebilde zu schaffen. Doch das war nicht im Sinn der damaligen Landesregierung. Zu wenig Menschen lebten schon damals im Norden Sachsen-Anhalts, schätzt Jordan ein.

Kampf mit Hilfe des direkten Drahtes nach Magdeburg

Gekämpft wurde mit allen Mitteln. So hat sich die Salzwedeler CDU mit einem klugen Schachzug und persönlichen Beziehungen den damaligen Innenminister des Landes Hartmut Perschau ins Boot geholt, "mit dem Ziel, die Position der Salzwedeler zu stärken." Der damalige Hamburger wurde kurzerhand zum CDU-Kreisvorsitzenden im Altkreis Salzwedel gewählt.

Die Gardeleger hatten Gerd Gies (CDU) an ihrer Seite. Der war zu dem Zeitpunkt zwar kein Ministerpräsident mehr, aber noch Landtagsmitglied. Dennoch waren seine Einflussmöglichkeiten geringer als die von Perschau, so Jordan.

Und dann war ja da noch der in der vergangenen Woche verstorbene ehemalige Salzwedeler Landrat Egon Sommerfeld, der auch gern mal recht unorthodoxe Wege ging und es mit seiner Persönlichkeit verstand, so manchen Konsens zu erreichen.

Für den Sieg im "Städtekampf" wurden die Weichen aus Jordans Sicht bereits weit vor der Fusion gestellt. Und zwar mit dem von Sommerfeld initiierten Ausbau der Kreisverwaltung, der im Frühjahr 1992 startete, und dem Neubau der Kreis-Berufsschule in Salzwedel. Die geplanten 15 Millionen und verbauten 14 Millionen Mark für den Anbau an den ehemaligen "Rat des Kreises" sind komplett aus der Kreiskasse finanziert worden.

Letztendlich erhielt Salzwedel den Kreistadt-Sitz. Ruhe kehrte deswegen nicht ein. Weitere heiß diskutierte Punkte waren die Flagge, das Autokennzeichen und der Name des Kreises. Im Gespräch waren unter anderem ALW - Altmark West. "Deshalb heißt die Sparkasse heute so", erinnert sich Jordan. Schließlich einigte man sich auf Altmarkkreis Salzwedel. "Mit Altmark konnten sich alle identifizieren. Ihn einfach nur Landkreis Salzwedel zu nennen, war unter keinen Umständen möglich", sagt er.

Besserer Start bei mehr Kompromissbereitschaft und Sachlichkeit

Die "Grabenkämpfe" hinterließen Spuren. "Es war nicht einfach, mit den gegensätzlichen regionalen Ansprüchen klarzukommen", so Jordan. Rückblickend und mit 20 Jahren Abstand schätzt er ein, dass mit mehr Kompromissbereitschaft und Sachlichkeit einiges für den Start des Großkreises hätte besser laufen können. Als negativ bewertet er auch, dass die Verwaltungsgemeinschaften Bismark und Oebisfelde in Richtung Stendal beziehungsweise Ohre-Kreis "abgerückt sind." "Dadurch sind uns 15000 Einwohner verloren gegangen", erzählt er.

Die Fusion an sich stellt er nicht in Frage. "Das war zweifellos richtig und es ist viel erreicht worden."

Bilder