Landrat Michael Ziche hat anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Altmarkkreises eine positive Bilanz der Entwicklung in der Region gezogen. Gleichzeitig argumentierte er für den künftigen Erhalt des Landkreises in seiner jetzigen Form.

Zichtau l Ein Wunschkind war der Altmarkkreis Salzwedel bei seiner "Geburt" am 1. Juli 1994 nicht, stellte Ziche während der gestrigen Festveranstaltung auf Gut Zichtau fest. Diskussionen und Auseinandersetzungen um lokale Wünsche prägten diese Zeit im Sommer 1994. Dazu kam die Aufregung um den Namen des "Kindes". Der Arbeitstitel im Kreisgebietsreformgesetz lautete Landkreis Westliche Altmark. Während der konstituierenden Sitzung des Kreistages entschieden sich jedoch dessen Mitglieder für Altmarkkreis Salzwedel. Da die Abstimmung geheim stattfand, genehmigte das damalige Regierungspräsidium den neuen Namen nicht. Da bedurfte es schon einer Eilentscheidung des Landrates. Dennoch schlug das Regierungspräsidium den Westaltmärkern vor, dem Namen den Begriff Landkreis voranzustellen. Begründung: Sonst bestünde Verwechslungsgefahr mit einem Kirchenkreis.

Und wie lange werde es zwei Landkreise in der Altmark geben, eine Struktur, die bereits zu Napoleons Zeiten existierte? Landkreise müssen von ehrenamtlichen Kreistagsmitgliedern gestaltet werden, so Ziche. "Überschaubarkeit ist ein maßgebliches Kriterium, um Größe zu begrenzen."

Und für viele sei der Altmarkkreis auch Heimat, für andere ein Ort der Erholung oder auch ein Landstrich mit Potenzial - wie eben eine "Grüne Wiese mit Zukunft", so Ziche weiter.

Allerdings sinkt die Zahl der hier lebenden Menschen weiter. 1994 hatte der neue Altmarkkreis noch 105000 Einwohner, heute noch knapp 86500. Durch das Geburtendefizit und eine konstante Zahl an Sterbefällen verliere der Kreis etwa 500 Personen jährlich. Ein Lichtblick sei jedoch, dass sich das Wanderungssaldo inzwischen mehr als halbiert habe.

Die relativ hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen stelle hohe Anforderungen an die Kreispolitik, betonte der Landrat. Erforderlich sei vor allem eine ausreichende Anzahl an Arbeitsplätzen, die zunehmend auch besser entlohnt werden müssen. Inzwischen liege die Zahl der Erwerbstätigen wieder bei mehr als 35000. Das der massive Strukturwandel gelungen sei, beweisen zahlreiche namhafte Unternehmen in der Region. Derzeit gebe es in der Region mehr als 5000 IHK-Unternehmen und 1300 Handwerksbetriebe. Die Zahl der Arbeitslosen sei in den vergangenen zehn Jahren um mehr als die Hälfte gesunken..

Ziche wies in diesem Zusammenhang auch auf die Einrichtung des Jobcenters zum 1. Januar 2012 hin. Damit obliege die Aufgabe, Langzeitarbeitslose wieder auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, dem Altmarkkreis.

"Das Saarland stellt derzeit auch keiner infrage und diesen Landkreis erst recht nicht."

Ministerpräsident Reiner Haseloff

Damit sich die Menschen in der Region wohlfühlen, seien vielfältige Dienstleistungen der öffentlichen Hand erforderlich. Für die dafür gemeisterten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Haushaltskonsolidierung dankte Ziche den Mitgliedern des Kreistages, den Mitarbeitern der Verwaltung und vor allem seinem Amtsvorgänger Hans-Jürgen Ostermann, "der wichtige Aufbauarbeit geleistet und vielfach auch vor unpopulären Entscheidungen nicht halt gemacht hat". Zu Beginn des Festaktes gab es eine Schweigeminute für den vergangene Woche verstorbenen ehemaligen Landrat Egon Sommerfeld.

Ministerpräsident Reiner Haseloff lobte die Region. Die Altmark sei für ihn liebens- und lebenswert. Und er hatte eine Botschaft, die die Verantwortlichen sicher gerne gehört haben. "Das Saarland stellt derzeit auch keiner infrage und diesen Landkreis erst recht nicht", sagte Haseloff mit Bezug auf die etwa gleiche Größe des Bundeslandes und des Altmarkkreises.

Als Erfolgsfaktoren der guten Bilanz zählte Ziche auch die fleißigen Altmärker auf, eine innovative Wirtschaft, Bürgermeister, die über den Tellerrand hinausschauen. Besonders fleißig waren Wendischbrome, Tylsen und Jübar. Sie holten die Goldmedaille bei "Unser Dorf hat Zukunft".

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