Eine konzentrierte und effektive Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners fordert Arendsees Stadtrat vom Altmarkkreis Salzwedel und vom Land. Eine Resolution verabschiedeten die Mitglieder während ihrer konstituierenden Sitzung am Dienstag. Auslöser war ein Antrag von Linken und Freier Liste.

Arendsee l Horrorszenario am Arendsee: Linken-Stadtrat Thomas Schlicke führte einen bei Youtube ins Internet gestellten Film über Eichenprozessionsspinner am Arendsee vor. Wer von den Stadträten bisher noch an Einzelfälle geglaubt hatte - der Streifen belehrte eines Besseren. Denn der Dokumentarfilmer hatte sich die befallenen Eichen in den Gebieten hinter den Warnschildern, die vorm Betreten der Areale warnen, angeschaut. Die Nester des Spinners befinden sich nicht ausschließlich hoch oben in den Kronen, sondern häufig am Stamm, auch in niedrigen Höhen.

Das sorgte bei den Ratsleuten beim Anblick der Bäume gerade in der Nähe der Mutter-Kind-Kurklinik für stockenden Atem. Aber auch die Nester an der B 190, Richtung Genzien und Gestien oder Zühlen wirkten beängstigend.

"Wir können nicht die Augen vor der Gefahr verschließen, Schilder aufstellen und ansonsten abwarten", forderte Ratsherr Uwe Walter (SPD). "Es geht auch um unsere Kinder", machte sein Ratskollege Matthias Goyer (CDU) klar. "Und wir müssen an die Wirkung auf die Urlauber denken, die abgeschreckt werden könnten." Gegen den Eichenprozessionsspinner sei die Blaualge "kalter Kaffee", meinte er.

"Es muss etwas unternommen werden und nicht nur gewarnt, denn die Population des Schädlings wird immer schlimmer", so Klaus Führ (Die Linke). "Nicht nur Arendsee ist im Würgegriff des Eichenprozessionsspinners, sondern auch die Ortsteile - es muss gehandelt werden!"

Hauptamtsleiter Andreas Koch wehrte sich gegen den Vorwurf des Nichtstuns. "Wir haben in der Verwaltung täglich zu tun mit Beschwerden und Schadensersatzforderungen von Betroffenen", erklärte er. "Wir sind in der Pflicht zur Gefahrenabwehr und kommen ihr nach unseren Möglichkeiten nach", erläuterte er. So seien bereits mehrere Bäume abgesaugt worden. Kosten um 5000 Euro seien angefallen, zirka 10 000 Euro kämen noch hinzu. Vorrang hätten Kindereinrichtungen und Sportplätze wie in Mechau.

"Aber das Besprühen mit Gift bringt außer in Fleetmark nicht den gewünschten Erfolg - die Tiere sind immun gegen das Gift", fügte er hinzu. Letzte Möglichkeit sei das Fällen. "Aber die Verwaltung stößt an ihre Grenzen", machte Koch klar. In Seehausen wie überhaupt im Landkreis Stendal werde konzentriert vorgegangen. "Aber hier im Altmarkkreis Salzwedel stirbt jeder für sich allein."

"Das Problem, das erst beim Land und später beim Kreis in der Verantwortung lag, wurde im letzten Jahr an die Kommunen abgeschoben", erinnerte sich Bürgermeister Norman Klebe. Er verwies auf eine weitere Schwierigkeit: In der Nähe von Gewässern und Gräben dürfe kein Gift eingesetzt werden.

"Hauptknackpunkt ist, dass es in Sachsen-Anhalt kein einheitliches Konzept gibt ", meldete sich Ratsherr Jens Reichardt aus Sanne (Freie Liste) zu Wort. Er als Forstwirt habe seine Erfahrung mit dem Schädling. "Wir sollten eine Resolution an den Kreis und an das Land verabschieden mit unserer Forderung", zog er ein Fazit. Seiner Meinung schlossen sich alle Ratsmitglieder an. Der Beschluss war einstimmig.