Der älteste Ortsteil Salzwedels hat am Wochenende groß gefeiert. In diesem Jahr war das Perver Fest dem Glockenturm der St-Georg-Kirche gewidmet. Dieser war vor 150 Jahren eingeweiht worden.

Salzwedel l Zum fünften Mal hatte der Salzwedeler Ortsteil Perver zu einem Festwochenende eingeladen. Die Organisatoren nahmen die Feierlichkeiten zum Anlass, um an die Einweihung des Glockenturms der St.-Georg-Kirche vor 150 Jahren zu erinnern. Als das Komitee mit der Vorbereitung der Festivitäten begonnen hatte, ahnte es noch nicht, dass Deutschland am Freitag um den Einzug ins Halbfinale der Fußball-WM kämpfen würde. So hatte sich die Perver Gemeinschaft geteilt. Während Mitorganisator Roland Lahmann die überwiegend weiblichen Gäste zur Auftaktveranstaltung in der Kirche begrüßte, fieberte der andere Teil vor der Leinwand im Festzelt mit dem deutschen Team.

Oberbürgermeisterin Sabine Danicke dankte den Bürgern für deren Engagement um die Stadt und lobte das große Zusammengehörigkeitsgefühl der Perveraner. "Wo sich die Menschen nicht zusammenfanden, um eine Kirche zu bauen, fehlt diesen bis heute etwas", verwies die Stadtchefin auf die Kirche, welche auch heute noch ein wichtiger Mittelpunkt für die Bewohner des Ortsteils ist. Als sie die Eingemeindung des ehemaligen Dorfes Perver im Jahre 1908 in ihrer Ansprache erwähnte, kam auch prompt ein Einwand von Roland Lahmann. Bei der Eingemeindung handelte es sich damals um eine Zwangseingemeindung, berichtigte er.

Dr. Gerhard Ruff widmete sich im Anschluss in einem Referat seinem Hobby, den Glocken. Und so erfuhren die Zuhörer viel Wissenswertes, um ihre Kirche mit deren Turm und den Glocken. Die ehemalige Hospitalskirche wurde in den Jahren von 1861 bis 1863 saniert und erhielt unter anderem anstelle des bis dahin vorhandenen Dachreiters einen Turm mit einer Glockenstube für zwei Glocken. Die eine Glocke stammt aus dem Jahr 1479 vom Magdeburger Glockengießer Claus Beckmeister und hat ein Gewicht von 85 Kilogramm, die zweite von 1771 ist vom Salzwedeler Glockengießer Christoph Behrends und hat ein Gewicht von 68 Kilogramm. Bemerkenswert ist auch eine Tatsache, dass in Salzwedel über 110 Jahre insgesamt fünf Glockengießer beheimatet waren.

Diakon Joachim Thurn war am Freitagabend an eine Schweigepflicht gebunden. Aufgrund einer Erkältung war ihm das Sprechen nicht gestattet. Auch wäre es sonst mit Sicherheit eine stille Andacht geworden. Der Chor Concordia und Manfred Hoffrichter an der Orgel umrahmten die einstündige Veranstaltung musikalisch. Im Anschluss ging es geschlossen, in Begleitung des Salzwedeler Fanfarenzuges, zum Festzelt auf dem Gelände der Perver Grundschule. Dort genoss die Feiergemeinschaft den Herrenschmaus, welcher aus Stimmstuten mit Schmalz, Salami oder Leberwurst sowie sauren Gurken bestand. Gekrönt wurde der Schmaus zudem mit dem Endstand von 1:0 für die deutsche Mannschaft und deren damit verbundenen Einzug in das Halbfinale.

Trotz der Hitze und ein paar Regentropfen zog es am Sonnabend hunderte Besucher auf den Grundschulhof. Dort gab es altes Handwerk zu bestaunen. Es wurde geknüpft, gesponnen und gehäkelt. Den wohl heißesten Arbeitsplatz hatte Hufschmied Bruno Sill, der am offenen Feuer arbeitete.

Die Lehrer der Schule hatten verschiedene Bastelstationen aufgebaut. Es gab Wasserspiele, Filzen, Malen mit Fingerfarben. Im Sandkasten konnten die Kinder nach bunten Filmdosen graben, hinter denen sich kleine Sachpreise verbargen. Der Reit- und Fahrverein bot Reitrunden an. Die Kaninhop-Gruppe präsentierte sich an den Hürden. Das Technische Hilfswerk stellte seine Technik zur Schau. Auf der Schlemmermeile gab es von Fisch über Schwein am Spieß bis zum irischen Bier alles, was das Herz begehrt. Die Perver Frauen hatten Unmengen Kuchen gebacken. In den Klassenräumen gab es Bilder der vergangenen Feste. Im Festzelt lockte ein Kulturprogramm. Die Grundschüler hatten Lieder und Sketche einstudiert. Unterstützt wurden sie von vielen Vereinen wie den Deelenpettern, dem Chor Concordia oder der ECC-Tanzgruppe Phantasy. Entlang der Straße hatten die Oldtimerfreunde der Region ihre Schmuckstücke geparkt.

In der Kirche informierten die Kirchengemeindeglieder über das Bauwerk und seine Geschichte. Jost Fischer berichtete, dass die Kirche zunehmend für Hochzeiten genutzt werde, weil sie innen so gemütlich und bunt sei. Und dabei verriet er, dass demnächst Bauarbeiten anstehen. Die zwölf Spitzen des Glockenturms sollen wie der Turm selbst je eine Kugel erhalten. Familien können das Geld für eine Kugel spenden und sie mit ihrer Familienchronik füllen. Die Aktion soll im August starten.

Das Fest klang am Sonntag mit einem Frühschoppen im Zelt aus.

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