Ein Feld im Arendsee sorgt für Erstaunen: Mit den installierten Plastikschläuchen wollen Berliner Forscher den Nährstoffquellen im Grundwasser auf die Spur kommen.

Arendsee l Verwunderte Blicke bei Spaziergängern am Arendsee: Was vom Ufer aus betrachtet aussieht wie ein schwimmendes Rechteck, ist ein Versuchsfeld der Forscher vom Leibniz-Institut für Gewässer- ökologie Berlin. Es liefert Daten für die Wissenschaft. Ein Forscher-Team installierte das 20 mal 20 Meter große Testfeld an der Südseite des Arend- sees. Mithilfe der Anlage sollen an der Uferzone die Nährstoff- einträge über das Grundwasser erfasst werden.

Die Tauchwände bestehen aus einem flexiblen, mit Polyethylen beschichteten Textil. Die Schürze zwischen Schwimmkörpern und Stahlseil soll Wellen abweisen und verhindern, dass sich das Wasser innerhalb der Barriere mit dem umgebenden Seewasser vermischt.

Grundwasser am Ufer ist belastet

Denn an der Stelle strömt der Großteil des Grundwassers in den See. Mithilfe der Anlage werden sowohl das zuströmende Grundwasser als auch die mit ihm transportierten Nährstoffe erfasst. So deutet eine Anreicherung der Nährstoffe im Testfeld darauf hin, dass der Uferabschnitt mit Nährstoffen aus dem Grundwasser belastet ist. Diese Untersuchungen sind notwendig, um die Rolle des Grundwassers richtig einzuschätzen und daraus wirksame Maßnahmen zum Schutz des Sees ableiten zu können.

Durch zu viele Nährstoffe leidet die Wasserqualität. Das Wasser trübt sich, Cyanobakterien - Blaualgen - können toxisch wirken und das Baden beeinträchtigen, wie es bis auf 2013 im Sommer der Fall ist.

Das Problem wird seit Jahren erforscht. "Will man die Wasserqualität langfristig verbessern, muss man zuerst verstehen, woher die Nährstoffe kommen", erklärt IGB-Wissenschaftler Michael Hupfer, der sich seit 1994 intensiv mit dem Arendsee beschäftigt. "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass vor allem über das Grundwasser Nährstoffe in den See kommen", so Hupfer. Im Bereich des Stadtgebietes würden im Grundwasser extrem hohe Phosphor-Konzentrationen auftreten, die bis zu 100-fach über den natürlichen Werten liegen.

Doch auch wenn es gelingt, die Nährstoffzufuhr über das Grundwasser zu reduzieren, würde sich der See nur sehr langsam erholen. "Die Wassermenge ist zu groß, die Zu- und Abläufe sind zu gering", begründet Hupfer. Jährlich werden etwa zwei bis drei Prozent der Wassermenge ausgetauscht.

Forscher plädieren für Phosphorfällung

Um der weiteren Verschlechterung entgegenzuwirken und den See als beliebtes Ausflugsziel zu erhalten, haben die Wissenschaftler um Michael Hupfer eine Fällung des Phosphors im See vorgeschlagen (wir berichteten). Es soll Polyaluminiumchlorid auf der Seeoberfläche verteilt werden. "Dieses Salz bindet den überschüssigen Phosphor im Wasser und lagert ihn dauerhaft auf dem Seegrund ab", beschreibt der Experte. Am Feldberger Haussee in Mecklenburg-Vorpommern habe diese Methode bereits zum Erfolg geführt.

Der Arendsee sei allerdings kein Einzelfall. Zahlreiche Seen in Deutschland und in ganz Europa seien betroffen. Vor allem der zeitverzögerte Einfluss des Grundwassers wurde lange Zeit unterschätzt. Phosphor galt bei Grundwassersanierungen bisher nicht als Zielgröße, da er nicht toxisch ist. Neben praxistauglichen Messverfahren für Grundwassereinträge soll das Testfeld im Arendsee erste Lösungsansätze bieten.

Aus den gewonnenen Daten sollen in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) und anderen Verwaltungsbehörden Empfehlungen für den Erhalt des Arendsees abgeleitet werden.

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