Die Neuorganisation der Feuerwehren im Stadtgebiet von Salzwedel hat sich bewährt. Fehlender Nachwuchs und veraltete Technik gefährden aber zunehmend die Einsatzbereitschaft. Der Wehr Bombeck etwa droht noch 2014 die Auflösung.

Salzwedel l Eineinhalb Jahre sind seit der Strukturreform der Feuerwehren im Stadtgebiet vergangen. Auf Empfehlung einer Arbeitsgruppe um Stadtwehrleiter Holger Schmidt wurde damals ein Brandschutzbedarfsplan erarbeitet. Wichtigstes Ergebnis: Aus 26 Einzelwehren wurden fünf Stützpunkte gebildet. Eine Ausrückeordnung, bei der benachbarte Löschkräfte gemeinsam alarmiert werden, sollte fortan an 365 Tagen im Jahr für 24-stündige Einsatzbereitschaft in jedem Winkel der Stadt sorgen.

Doch hat sich der Aufwand ausgezahlt? Und wie ist es um die Zukunft der Feuerwehren in der Stadt bestellt? "In den vergangenen zwei Jahren haben wir noch bei jedem Einsatz helfen können", sagt Holger Schmidt. Die Bildung der fünf Stützpunkte habe sich deshalb gelohnt, ebenso wie die Erarbeitung der Ausrückeordnung.

Doch spätestens bei letzterer beginnen dann auch die Probleme. "Die neue Rettungsleitstelle in Stendal setzt die Ausrückeordnung noch nicht so um, wie wir uns das wünschen", sagt Schmidt. Mit dem Ergebnis, dass etwa bei einem Unfall an der B 71 bei Seebenau vor anderthalb Wochen statt der benötigten Feuerwehr Cheine die Einsatzkräfte in Chüttlitz und Brietz alarmiert wurden. Während Schmidt bei der Zusammenarbeit mit der Leitstelle auf eine Verbesserung hofft, bleibt die personelle Entwicklung das Problem schlechthin.

Wegen fehlender Maschinisten, Lkw-Fahrer oder Gruppenführer könne er nicht garantieren, dass die Wehren auch künftig das selbst gesteckte Ziel einhalten können, in zwölf Minuten an jedem Einsatzort zu sein, sagt der Stadtwehrleiter. Und damit nicht genug. Wegen Personalmangels wurde im vergangenen Jahr die Wehr Dambeck bereits aufgelöst. Schon in diesem Jahr könnte die Feuerwehr Bombeck folgen. Der Truppe fehlt schlicht ein ausgebildeter Wehrleiter.

Die Ursache für die Entwicklung sieht Schmidt nicht nur in der demografischen Entwicklung. Die Politik setze einfach zu wenig Anreize für junge Leute in die Feuerwehr zu gehen. Angekündigte Landes-Förderprogramme etwa zur Finanzierung des Lkw-Führerscheins für Kameraden hielten nicht, was sie versprechen. Es gebe viel Lob, aber die Arbeit werde dann doch nur nach unten abgewälzt. Nachholbedarf sieht Schmidt auch beim Thema Technik. "Hier gibt es einen großen Investitionsstau", sagt er. So gebe es etwa im waldreichen Gebiet des Stützpunktes Henningen/Langenapel nicht ein einziges großes Löschgruppenfahrzeug. Viele Wehren hätten noch Fahrzeuge und Technik aus den 1960er Jahren. "Dreiviertel aller Gerätehäuser sind nicht DIN- und TÜV-gerecht", so Schmidt.

Es brennt also sprichwörtlich an allen Ecken und Enden. Trotz der Probleme gibt sich der Stadtwehrleiter aber auch offensiv. "Wir haben die Probleme erkannt und arbeiten sie ab", erklärt er.

2015 muss nun der nächste Brandschutzbedarfsplan erstellt werden. Gefragt sein wird dann auch die Politik. Sie muss etwa über das gewünschte Löschfahrzeug für Henningen/Langenapel entscheiden, das mindestens 220000 Euro kosten dürfte.

"Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind freiwillige Aufgaben", sagt Holger Schmidt dazu. "Der Brand- und Katas-trophenschutz nicht."