Kalbe (cn/pn/kä) l Die Untermilde ist zu einer Jauchegrube geworden. Der vergangene Starkregen hat den ausgebrachten Dünger auf den Feldern ins Gewässer gespült (Volksstimme berichtete). Gestank, schmutzigbraunes Wasser und Fischsterben sind die Folge. Experten haben in Wasserproben unter einem Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen. Das reicht für die dortigen Fischarten nicht zum Überleben, teilt Kreis-Umweltamtsleiter Herbert Halbe am Freitag mit.

Für Forellengewässer liege der Richtwert bei drei Milligramm. In der restlichen Milde liegen die Werte derzeit bei zwei bis drei Milligramm. Fische, die es bis zur Biese schaffen, hätten gute Chancen zu überleben, sagt Halbe.

Eine schnelle Besserung der Situation scheint nicht in Sicht. "Das Problem ist, dass das Wasser der Untermilde durch den Rückstau nicht abfließen kann", sagt der Amtsleiter.

"Machen können wir wenig."

Herbert Halbe, Leiter Kreisumweltamt

Die Sauerstoffsituation verbessere sich erst mit höherer Fließgeschwindigkeit. Deswegen seien die Staue bereits geöffnet worden. "Machen können wir wenig", sagt Halbe. Solche Verhältnisse habe es seit längerem nicht mehr gegeben.

Auch an der Biese ist die Lage ähnlich. Anwohner mutmaßen, dass es an dem neuen Stau bei Mehrin liegen könnte, der 2013 gebaut wurde. Aus Halbes Sicht wirke der sich aber nicht negativ aus. Andere Stimmen wurden laut, es könnte an einer leckenden Biogasanlage liegen. "Die Anzeichen deuten nicht darauf hin", sagt Halbe. Die Erscheinung würden eben auch in anderen Flussgebieten auftreten.

Nicht nur Gülle sei das Problem, auch verfaulte Pflanzenreste würden ihren Teil beitragen, erklärt Michael Arens, Naturschutzbeauftragter des Altmarkkreises. Das gemähte Kraut an den Gräben werde einfach liegen gelassen. Beim Fäulungsprozess würden Mikroorganismen gebildet werden, die dem Wasser zunehmend Sauerstoff entziehen. Ähnliches sei bereits beim Elbehochwasser auf den Feldern und Wiesen zu beobachten gewesen. Arens selbst war am Freitag noch am Stau in Mehrin und sei schockiert gewesen über das pechschwarze Wasser.

Unterdessen war das Pro-blem auch Thema im Kalbenser Stadtrat am Donnerstag. Dort hat Wilfried Hartmann, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Milde/Biese und für die Gewässer zweiter Ordnung zuständig, auf die angespannte Situation in der Untermilde aufmerksam gemacht. "Sie drückt zurück und dadurch haben wir größere Flächen, die seit längerem unter Wasser stehen", sagte er. Das Wasser wiederum sehe nicht gut aus und stinke bereits. Um die Situation zu entspannen und einen besseren Abfluss gewährleisten zu können, habe der Unterhaltungsverband kurzfristig eine weitere Gewässerkrautung veranlasst.

In dem Zusammenhang bat Ratsmitglied Hans-Georg Otte, im Hauptberuf Landwirt, darum, dass sich Hartmann auf Landesebene dafür einsetzen möge, dass die Wasserrahmenrichtlinie geändert werde. Und zwar dahingehend, dass die Vorflut künftig mindestens zweimal im Jahr gemäht werde.

Auch die Grabengrundräumung müsse häufiger erfolgen, als es derzeit üblich sei. Er selbst, so der 62-jährige Otte, der ausschließlich Ackerbau betreibt, habe zu dieser Jahreszeit noch nie eine derart extreme Situation in und an den hiesigen Gewässern erlebt.