Zwei gemeinsame Dienste im Jahr: Das haben sich die Feuerwehren der Gemeinde Diesdorf vorgenommen. Der jüngste fand jetzt in Peckensen statt.

Peckensen l Herbstidylle über Peckensen. Lampen erhellen den Stall von Landwirt Wilfried Schulze am Ortsausgang in Richtung Mehmke. Doch plötzlich dringt Rauch aus dem Pumpenraum der daneben liegenden Biogasanlage. Entsetzen macht sich breit: In diesem Raum halten sich derzeit noch mehrere Personen auf. Das Feuer greift auf den Fermenter über. Alarm!

Kurz darauf treffen die Brandbekämpfer aus Peckensen ein, ebenso die Kollegen aus Mehmke und Abbendorf. Kurz darauf sind auch die Feuerwehren aus Diesdorf, Schadewohl und Dülseberg da. Volker Lahmann, Gruppenführer der Peckensener Wehr, leitet den Einsatz. Atemschutzgeräteträger aus Mehmke und Abbendorf suchen im Pumpenraum nach den vier vermissten Personen. Dabei verletzt sich auch einer der Pressluftatmer, der ebenfalls gerettet werden muss. Die Brandbekämpfer aus Peckensen kümmern sich inzwischen um die Wasserversorgung aus einem nahegelegenen Saugbrunnen. Die Kollegen aus Diesdorf löschen den brennenden Fermenter, während die Kameraden aus Schadewohl und Dülseberg die Wasserversorgung über eine lange Wegstrecke sichern. Denn eine Böschung, hinter der zahlreiche Strohballen lagern, hat inzwischen ebenfalls Feuer gefangen. Eineinhalb Stunden später ist der Brand gelöscht, die Verletzten versorgt.

"Die Anlage hat sich selbst vom Netz genommen."

Das Geschehen ist glücklicherweise nicht real, sondern das Szenario des gemeinsamen Dienstabends der Wehren. "Mit dem Ablauf sind wir weitestgehend zufrieden", resümiert Einsatzleiter Volker Lahmann gegenüber der Volksstimme. Als Mangel habe sich jedoch einmal mehr das Fehlen von digitalen Sprechfunkgeräten erwiesen. "Einige Feuerwehren haben diese Funkgeräte noch immer nicht, dabei stehen sie auf den Bedarfslisten", so der Einsatzleiter weiter.

Am Dienstabend in Peckensen waren insgesamt 57 Brandbekämpfer beteiligt, darunter 4 Mitglieder der Jugendfeuerwehr Mehmke. Aus Sicht von Volker Lahmann bemerkenswert: 17 Atemschutzgeräteträger waren an der Biogasanlage vor Ort, "das ist relativ viel".

Die beiden bisherigen gemeinsamen Dienste fanden in Diesdorf und Schadewohl statt. In Peckensen habe man den Schwerpunkt auf die Biogasanlage gelegt, weil sie im Ort das größte Gefahrenpotenzial habe. Daher habe man sich für das Szenario des gemeinsamen Dienstes auch am Brand einer Biogasanlage vor wenigen Wochen nahe Bad Bevensen orientiert, erläuterte Volker Lahmann. "Vor zehn Jahren ist über Biogasanlagen noch gar nicht nachgedacht worden", blickt der Brandbekämpfer zurück. Doch nunmehr sei es wichtig, sich auch damit auszukennen. Sicher werde bald auch eine Photovoltaikanlage im Mittelpunkt eines gemeinsamen Dienstes stehen. Und es sei auch wichtig, dass die Wehren aus anderen Dörfern der Gemeinde Diesdorf sich vor Ort auskennen.

Zufrieden ist auch Landwirt Wilfried Schulze, der die Aktivitäten der Brandbekämpfer mit Freunden und Bekannten beobachtete. Die Anlage habe genauso funktioniert, wie es im Brandfall sein soll. "Durch den Einsatz der Nebelmaschine im Pumpenraum wurde der Brandmelder ausgelöst, die elektrische Anlage abgeschaltet und die Stromeinspeisung gestoppt. Die Anlage hat sich sozusagen selbst vom Netz genommen und prima funktioniert", erläutert er. Es habe ihm auch gefallen, dass die Feuerwehrleute keine Berührungsängste mit dieser Technik zeigten.

   

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