Vor 25 Jahren war Joachim Hoffmann Moderator der friedlichen Revolution in Salzwedel. Gestern wurde er offiziell Ehrenbürger der Hansestadt.

Salzwedel l Eigentlich habe er doch nur seine Pflicht als Pfarrer getan, sagte Joachim Hoffmann gestern nach dem Eintrag in das Goldene Buch der Hansestadt Salzwedel. Er habe damals vor 25 Jahren den Menschen, die sonst anderswo keinen Raum für ihre Gedanken und Sorgen hatten, die Türen der Kirche geöffnet. "Ich hatte meine Kirche im Rücken. Pfarrer konnten sich erlauben, was andere sich sonst nicht erlauben konnten." Andere Menschen bewiesen damals mehr Mut und Zivilcourage, "ohne Netz und doppelten Boden", blickte Hoffmann zurück.

Joachim Hoffmann wurde nach seinem Vikariat 1975 Pfarrer der Katharinenkirche. 1989 lud er zu den ersten Gesprächskreisen in die Alte Lateinschule ein. Zuvor hatte er im Gottesdienst am 10. September einen offenen Brief von Bischof Christoph Demke verlesen, in dem dieser auf den Veränderungbedarf in der damaligen DDR einging und die Menschen bestärkte, hierzubleiben.

"Ich wünsche meiner Stadt Salzwedel immer mutige Menschen, die sich für das Wohl der Stadt engagieren."

Joachim Hoffmann

Die Teilnehmerzahl der Gesprächskreise wuchs ständig bis zu jenem 26. Oktober 1989, an dem 2000 Menschen in die Katharinenkirche kamen. Die Würdigung dieses Bürgermutes, des gewaltlosen Widerstandes und der Zivilcourage haben ihn bewogen, die Auszeichnung, Ehrenbürger seiner Stadt Salzwedel zu werden, doch anzunehmen, so Joachim Hoffmann gestern in seinen Dankesworten.

Frieder Oßwald, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates von St. Katharinen und vor 25 Jahren Mitstreiter Hoffmanns, hatte der Stadt diese Ehrung vorgeschlagen. Der Stadtrat stimmte dem Vorschlag während seiner Sitzung am 1. Oktober einmütig zu. Man habe gewusst, dass es Hoffmann in schwierigsten und gefährlichen Zeiten darum ging, vor Widerständen nicht zurückzuweichen, sondern etwas für Salzwedel Einmaliges mit seinen mutigen Menschen voranzubringen, würdigte Oberbürgermeisterin Sabine Danicke den neuen Ehrenbürger und fügte augenzwinkernd hinzu: "Ein Kirchenmann als Revoluzzer."

"Was wollen wir jetzt?" hatten die Mitglieder des neuen Forums damals gefragt. Diese Frage, so Danicke, gelte heute ebenso. Und mit ihr sollte konstruktiv, praktisch und fair umgegangen werden, anstatt sich in Kleinigkeiten zu verheddern. Die neue Kommunalverfassung Sachsen-Anhalts ermögliche schließlich mehr Bürgerbeteiligung.

Die legte auch Joachim Hoffmann den Salzwedelern ans Herz. Denn aus der "bewegenden, unbeschreiblich wunderschönen Zeit" 1989 habe er mehrere Einsichten gewonnen. Eine Stadt wie Salzwedel lebe von der Mitbeteiligung der Demokraten.

Auch scheinbar Unveränderliches könne sich ändern. Wunder seien immer möglich, wenn die Menschen die Angst überwinden und sich die Freiheit nehmen. Denn es mache Sinn, sich in gemeinsamer Hoffnung zu verbünden.

"Ich wünsche meiner Stadt Salzwedel immer mutige Menschen, die sich für das Wohl der Stadt engagieren", sagte Joachim Hoffmann, dem die Gäste der Feierstunde stehend applaudierten.

Am Nachmittag hatten die Mitglieder des Initiativkreises "25 Jahre friedliche Revolution in Salzwedel" zu einer Rückschau auf die Ereignisse von 1989 in die Katharinenkirche eingeladen. Teil der Veranstaltung war die Enthüllung einer Gedenktafel, die an die friedliche Revolution in Salzwedel erinnert, des Weiteren wurde eine Linde geplanzt. Mehr darüber lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.

 

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