Ihre vorerst letzte Predigt hielt Henriette Schulz am Sonntagnachmittag in der Pretzierer Kirche. Die Pastorin geht in den Ruhestand. Ein Nachfolger ist bereits gefunden.

Salzwedel l Dass Abschied nehmen nicht leicht fällt, ist hinlänglich bekannt. Entweder man versinkt in einem Meer von Tränen oder man nimmt es mit Humor. Eher letzteres liegt in der Natur von Henriette Schulz, die am Sonntagnachmittag vor ihrem Eintritt in den Ruhestand ihre erst einmal letzte Predigt in der Pretzierer Kirche hielt.

Humor ist das, was die Pastorin in ihrer Gemeinde so beliebt gemacht hatte. Sie brachte Leben in die Kirche, heißt es. Und so verwunderte es nicht, dass rund 200 Personen, vom Kind bis zum Greis, dem Abschiedsgottesdienst beiwohnten, um ihr noch einmal zum Abschied die Hand zu schütteln und einfach noch einmal Danke zu sagen. 19 Jahre stand Henriette Schulz als Pastorin dem Groß Chüdener Kirchspiel vor und deren Mitgliedern mit Rat und Tat zur Seite.

Kirchliches Studium mit Schwerpunkt Musik

Noch einmal ließ sie in einer Rede die Stationen ihres Lebens Revue passieren. Geboren in Großmöhringen kam sie 1949 zusammen mit ihrer Schwester im Doppelpack zur Welt. "Ich war froh gewesen, nicht am 7. Oktober geboren zu sein. Denn dann hätte ich jedes Jahr einen Strauß Blumen bekommen", erzählte sie. Als die Frage mit der Ausbildung anstand, sagte ihre Mutter zu ihr: "Du wirst Krankenschwester, lernst einen Arzt kennen und hast ausgesorgt."

Henriette Schulz entschied sich aber anders. Sie absolvierte ein kirchliches Studium mit dem Schwerpunkt Musik in Dahme in der Mark Brandenburg. In Görlitz an der Neiße erhielt sie eine Ausbildung zur Kantor Katechetin und wurde als Christenlehrerin eingesetzt. In die Altmark kam sie 1971, als sie in Bismark eine Stelle als Katechetin annahm.

Da sie in dieser Anstellung recht wenig verdiente, reinigte sie unter anderem die Kirche. Schon vorher habe sie in den Ferien immer gearbeitet, erzählte sie. So an der Stanze, in einem Laden und in einem Altenheim. "Ich wollte immer wissen, wie andere Menschen arbeiten", erklärte sie.

Von 1974 bis 1995 stand sie der Kirchengemeinde in Bombeck vor, und ab 1995 kümmerte sie sich um ihre Schäflein im Kirchspiel Groß Chüden. Superintendent Matthias Heinrich konnte den Ausführungen seiner scheidenden Pastorin nicht mehr viel hinzufügen. "Es ist nicht einfach, nach so viel Spontanität in eine förmliche Tonart zu wechseln", lautete sein Resümee.

49 Jahre im Dienst der Kirche

Und so blieb ihm nur, der Pastorin für ihre Dienste zu danken, die sie in 49 Jahren für die Kirche und die Menschen geleistet hatte. Davon allein 19 Jahre im Kirchspiel Groß Chüden. Ihr Einsatz für Gemeinde und Mitglieder war beispielslos. "Nach dem, was sie alles geleistet haben, können sie nicht viel geschlafen haben. Sie haben einmal gesagt, dass Sie im Ruhestand rund zehn Bücher schreiben werden. Wenn es eins wird, können wir uns freuen. Und wenn Sie dann noch so schreiben, wie Sie sprechen, dann wird es interessant."

Zum Abschluss gab es noch eine Urkunde, unterzeichnet von der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, Ilse Junkermann. Auch nach der Verabschiedung und den Eintritt in den Ruhestand sei die Pastorin weiterhin berufen, Predigten abzuhalten, Taufen und Abendmahle zu zelebrieren, wann oder wo immer ihre Dienste erwünscht sind, versicherte der Superintendent.

Stelle für Kinderbetreuung ist ausgeschrieben

Herbert Schulze, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, dankte der Pastorin für die fast zwei Jahrzehnte dauernde Fürsorge in ihrem Wirkungsbereich. Ab 1. November wird der Diakon Joachim Thurn den Bereich des Kirchspiels Groß Chüden mit betreuen. Holle Huygen-Thurn wird die Kinderbetreuung, zunächst kommissarisch, übernehmen. Eine Stelle sei ausgeschrieben, informierte der Superintendent.

Mit Kaffee und Kuchen sowie vielen Gesprächen endete der etwas andere Gottesdienst am Sonntag im Dorfgemeinschaftshaus.

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