Heute ist Weltspartag. Über die Hintergründe dieses Tages und die Bedeutung des Sparens sprach Volksstimme-Redakteurin Uta Elste mit Ulrich Böther, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Altmark West.

Volksstimme: Den Weltspartag gibt es bereits seit 90 Jahren. Warum wurde er Mitte der 1920er Jahre überhaupt ins Leben gerufen?

Ulrich Böther: Der Weltspartag wurde im Oktober 1924 auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress in Mailand beschlossen. Es war eine finanziell angespannte Zeit damals. Die Welt litt noch unter den Folgen des Ersten Weltkriegs und die Weltwirtschaftskrise stand noch bevor. Damals war es den Regierungen ein wichtiges Anliegen, der Bevölkerung das Sparen nahe zu bringen.

Wie wichtig ist Sparen?

Grundsätzlich kann nur investiert werden, wenn genügend gespart wird. Für den Einzelnen ist Sparen wichtig, um sich eine finanzielle Grundlage aufzubauen, die später entweder als Sicherheitspolster, Altersvorsorge oder sogar als Einkommensquelle dienen kann. Durch Zinsen nimmt das Ersparte mit der Zeit an Wert zu und gleicht, zumindest zum Teil, den Verlust durch die Inflation wieder aus.

Die Zinsen sind derzeit jedoch auf einem Tiefststand angekommen. Lohnt sich das Sparen da überhaupt?

Es heißt "Spare in der Zeit, dann hast du´s in der Not", und das gilt auch heute nach wie vor. Es empfiehlt sich, das Dreifache eines monatlichen Nettogehaltes als Reserve zurückzulegen, auch jetzt, denn die Zinssätze werden sich auch wieder ändern. Aber Zinsen und die Sicherheit einer finanziellen Reserve, das sind zwei grundverschiedene Dinge.

Wie halten es die Menschen denn heutzutage mit dem Sparen?

Vor allem unter den 14- bis 29-Jährigen beobachten wir eine Erosion der Spar- kultur. Etwa die Hälfte bildet keine Rücklagen fürs Alter. Deshalb soll der Weltspartag ja bereits Kinder daran erinnern, dass auch sie mit dem Sparen anfangen sollten.

Sollte man grundsätzlich sparen oder gezielt für den Fall der Fälle, beispielsweise für eine bestimmte Anschaffung?

Beides. Denn sowohl die Lebensplanung als auch kurzfristige Investitionen spielen eine wichtige Rolle beim Sparen.

Gibt es ein angemessenes Sparen, beispielsweise eine bestimmte Sparquote im Verhältnis zum zur Verfügung stehenden Einkommen?

In Deutschland liegt die Sparquote bei durchschnittlich zehn Prozent, also statistisch legt jeder Bundesbürger zehn Prozent seines Einkommens zurück. Die meisten bevorzugen dabei übrigens das Sparbuch, was für ein hohes Risikobewusstsein spricht.

Auf der anderen Seite verheißen diverse Finanzprodukte relativ hohe Zinsen. Ist das eigentlich noch klassisches Sparen oder will man derart Geld mit Geld verdienen?

Finanzprodukte, die eine höhere Verzinsung verheißen, sind Wetten beziehungsweise beinhalten ein hohes Risiko, und das muss man wissen. Deshalb ist es besser, das Risiko zu streuen.

Volksstimme: Ist Sparen gut für die Wirtschaft?

Gut für die Wirtschaft ist, wenn die Menschen konsumieren und Geld in den Wirtschaftskreislauf kommt. Es ist jedoch unser Auftrag, das Geld regional wieder auszuleihen, die Menschen, Unter- nehmen und Kommunen im den Altmarkkreis mit Krediten zu versorgen. So partizipieren letztlich beide Seiten.

Volksstimme: Wo hört Sparen auf und wo beginnt der Geiz?

Das ist eine Frage der Mentalität. Die ältere Generation ist zum Sparen erzogen worden, in ihr ist die Angst präsenter, alles wieder zu verlieren. Wir erleben aber derzeit einen Kulturwandel in Form des Onlinebankings , der Bezahl-Apps und auch der zinslosen Konsumentenkredite. Gut, wenn man die Raten immer bedienen kann. Aber die Mischung macht´s, sich zum einen was zu leisten, zum anderen auch etwas zurückzulegen. Sparen ist daher eine gesunde Form des Geizes.

Gibt es eigentlich das berühmte Sparschwein oder den Sparstrumpf heute noch?

Ganz klar - auch heute gibt es das Sparschwein noch. Dabei sind die Möglichkeiten des Sparens vielfältig, Aktien, Investmentfonds, Sparen per Dauerauftrag und mehr.

Volksstimme: Welche Bedeutung hat der Weltspartag heute?

Es ist gut, dass es den Tag noch gibt, er erinnert uns daran, dass es auch schlechte Zeiten gab. Aber er richtet sich hauptsächlich an die Kinder, dass sie auch die Tradition des Sparens erleben und lernen sollen, Taschengeld nicht komplett auszugeben, sondern sich kleine Reserven zu schaffen. Der Verzicht wird ihnen schließlich mit kleinen Geschenken versüßt, was für die Kinder den Reiz des Weltspartages ausmacht.