Es ist eine "schwierige Thematik, eine sehr komplexe Frage", die sich nicht so einfach beantworten lässt. Trotzdem wird Landrat Michael Ziche beim Thema Demografie nicht bange. Der Altmarkkreis ist gut aufgestellt.

Salzwedel l Die Zahlen sprechen für sich: 2010 ist die Einwohnerzahl im Altmarkkreis Salzwedel erstmals unter die 90000er-Marke gefallen. Zehn Jahre zuvor lebten in der Region noch 101134 Menschen. Inzwischen liegt die Zahl der Menschen, die hier wohnen, bei 86312. Stand 31. Dezember 2013. "Demografischer Wandel findet im jedem Bundesland statt, wobei die neuen Länder am meisten verlieren", sagt Ziche. Lediglich Bayern und Baden-Württemberg - sie gehören zu den sogenannten Geberländern - bleiben stabil. Ziche sieht aber auch einen Silberstreif am Horizont: Verlor der Landkreis 2011 noch 1069 Menschen durch Abwanderung, so waren es zwei Jahre später nur noch 580. "Wir konnten die Zahl also halbieren. Das ist doch eine erfreuliche Entwicklung."

Das sah früher anders aus. Kurz nach der Wende befand sich die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordniveau. Viele Menschen suchten ihr Wohl in den neuen Bundesländern, hofften auf besser bezahlte Jobs, Wohlstand. "Sie hatten das Ziel, durch selbst bestimmte Arbeit ihr Leben zu finanzieren", bilanziert Ziche. Das aber ging zu Lasten der Einwohnerzahlen.

"Überdurchschnittliche verfügbare Einkommen."

Inzwischen befinde sich der Landkreis in "einem guten Aufholprozess". Mittlerweile könne man im Altmarkkreis "überdurchschnittliche verfügbare Einkommen erzielen". Dies liege natürlich auch an den niedrigeren Lebenshaltungskosten gegenüber anderen Regionen. So verzeichne beispielsweise die Stadt Wolfsburg in den vergangenen Jahren eine Kostensteigerung bei den Mieten um 45 Prozent.

Auch deshalb ziehe es inzwischen immer mehr Menschen in die Altmark zurück. Die gute Versorgung beim Angebot an Kindertagesstätten und -plätzen spreche auch für die Region. Überhaupt könne der Altmarkkreis mit vielen positiven Aspekten punkten. Die Schulen sind überwiegend auf dem neuesten Stand, die Anforderungen durch die Inklusion sind berücksichtigt. Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit. Wenn Menschen - mit oder ohne Behinderung - überall dabei sein können.

Ein vernünftiges Einkommen, ein gutes Klima am Arbeitsplatz; diese Dinge sind für viele Arbeitnehmer zwar wichtig, aber nicht alles. Hier setzt Ziche an, spricht vom "Wohlfühlstandort Altmark". Und er verweist auf günstige Grundstückspreise und eine ausreichend vorhandene Zahl von Ausbildungsplätzen. Zudem bekämpft er vehement die Klischees, die mit der Altmark in Verbindung gebracht werden: viel Natur, freie Flächen, nichts los und lauter alte Leute. "Der Anteil der unter 15-Jährigen ist höher als im Vergleich zum Land Sachsen-Anhalt."

Darüber hinaus hat der Altmarkkreis auch im Straßenverkehr aufgeholt, wenngleich der Altmärker rund 52 Minuten benötigt, um zur Autobahn zu kommen. Der Bundesdurchschnitt liegt dagegen bei 26 Minuten. "Die Wirtschaft braucht diese logistische Anbindung. Viele Firmen würden mit einer Autobahn besser als jetzt dastehen und wären deutlich wettbewerbsfähiger", ist Ziche überzeugt. Deshalb brauche der Kreis die A14, die A39 und die Querspange B190n von Salzwedel nach Seehausen. "Die müssen so schnell wie möglich fertig werden, Variantendiskussionen bringen uns nicht weiter."

Schließlich müsse die Politik bestrebt sein, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen. "Wir haben zwar einen guten ÖPNV etabliert, der alleine reicht aber nicht aus." Auch der Individualverkehr habe gerade im ländlichen Raum eine wichtige Funktion. Ansonsten sieht Ziche die Gefahr, dass ganze Landstriche entvölkert werden. Insgesamt aber "haben wir uns wirtschaftlich gut entwickelt".

Er sei zwar alles andere als ein Berufsoptimist, doch Ziche ist überzeugt, der Landkreis hat seine Hausaufgaben gemacht - und wird dies auch weiter tun. Schließlich ist das alles ein fortdauernder Prozess. "Denn wir müssen aufpassen, als Region nicht den Anschluss zu verlieren."

"Schnelles Internet ist wichtig."

Deshalb sei es enorm wichtig, rasch schnelles Internet zur Verfügung zu stellen. "Das Thema steht bei uns ganz oben auf der Agenda." Um die Erfolge zu erzielen, die man sich als Ziel gesetzt hat, sei das Glasfaserkabel die richtige Technik. Die Funktechnologie könne dies einfach nicht leisten. Natürlich berge jede Entscheidung ein gewisses Risiko, doch "das ist in diesem Fall nach unseren Erkenntnissen sehr gering". Die damit verbundenen Chancen überwiegen laut Ziche die Zweifel. Mit Blick auf die Haltung der Hansestadt Salzwedel sagte der Landrat, die Entscheidung liege letztlich beim Stadtrat.