Zugegeben: Wenn ein Wessi die Heimatstunde von Ossi Uwe Steimle besucht, dann braucht er wahrlich ein dickes Fell. "Kanzlerin Angela" allerdings auch. Aber die kommt ja nicht. Und doch: Auch im Osten war alles nicht nur gut. Neues bot der Zauberer von Ost und begeisterte im Kulturhaus. Ossis wie Wessis.

Salzwedel l Als Arbeiterkind in Dresden wurde er geboren, lernte später Industrieschmied, obwohl er eigentlich immer Schauspieler werden wollte. Nun, das ist Uwe Steimle, Jahrgang 1963, gelungen. 16 Jahre spielte er die Rolle des Kommissars Jens Hinrichs aus Schwerin, 2005 erhält er den Adolf-Grimme-Preis. Doch das alles alleine reicht nicht. Steimle wird Autor und Kabarettist. Vor allem ist er bekennender Sachse. Und er geht mit seinen Programmen auf Tour, sorgt für gut gefüllte Häuser. So auch in Salzwedel.

Zwei Lieder zum Einstieg

"Hier war ich noch nie, aber es soll ja auch Leute geben, die waren noch nie in Dresden." Steimle fällt es leicht, die rund 350 Gäste, wie er die Besucher nennt, auf Touren zu bringen. Zuerst einmal wird gesungen: "Die Heimat hat sich schön gemacht." Der 51-Jährige ist zufrieden. "Allein dafür hat es sich gelohnt, hierher zu kommen und auch Mutti hätte leichtes Spiel gehabt." Denn Musik schafft "Imoschen oder heute sagt man Gefühl". Dann noch die "Partisanen von Amur" intoniert und die großen Rundumschläge können beginnen. Gegen Mutti und Vati (auch das Schmunzelmonster genannt), Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck, US-Präsident Obama oder Stanislaw Tillich. Auch wenn sich der eine oder andere Gedankengang des Dresdners manchmal als Westentaschen-Philosophie anhört, so ist das Ganze deshalb nicht weniger amüsant. Sein klares Eintreten für die sächsische Mundart verbindet er mit einem Sprachkurs. Er erzählt von der "Demse" (Hitze), ein Wort, das in nicht-sächsischen Gefilden auch mal mit Themse übersetzt wird (das ärgert ihn maßlos), und hält vieles für "fourschbar", das von Steimle am meisten gebrauchte Wort im Kulturhaus.

Der "Seismograf der Zeit und optimistische Pessimist" blickt in den Alltag der ehemaligen DDR zurück. Ironisch, kritisch, zufrieden, zuversichtlich. Er wehrt sich dagegen, dass alles schlecht war. Und er sagt: "Die DDR war ein Unrechtsstaat mit viel Gerechtigkeit. Dafür leben wir heute in einem Rechtsstaat mit vielen Ungerechtigkeiten." Solche Sätze kommen an, das Publikum ist dankbar für solche Pointen. Es klatscht, wenn Steimle ein bisschen frustriert bilanziert, dass Ursula von der Leyen "uns erklärt, wie wir gelebt wurden". Er wünsche sich, mal eine Stunde mit Merkel alleine zu sein. Er sei überzeugt, sie wieder auf Spur zu bringen.

Nicht ganz zwei Stunden dauert das Programm, das der Großteil alles andere als "fourschbar", sondern eher als wunderbar empfunden hat. Wessis eingeschlossen.