Salzwedel l Die Bahnstrecke von Salzwedel nach Oebisfelde war einst die bedeutendste Nebenstrecke der Hansestadt. Von 1889 bis 2002 rollten auf der Linie regelmäßig Züge. Seitdem verfallen Streckengebäude und die Technik entlang der Bahntrasse. Auch wenn am Wochenende erstmals wieder ein Zug von Salzwedel bis Klötze fährt, ist von der Betriebsamkeit, die mehr als 100 Jahre auf der Strecke herrschte, nichts übrig.

Ich starte meine Tour zu Fuß an der Einmündung der Oebisfelder Strecke auf die Amerikalinie. In einer langgezogen Linkskurve zweigt die Trasse auf Höhe Schäferstegel von der Hauptlinie ab. Bereits nach wenigen Metern steht am Bahnübergang Uelzener Straße die erste Ruine. Das zweistöckige Gebäude wurde von Randalierern demoliert. Die Reste der eingeworfenen Fensterscheiben verteilen sich auf dem Fußboden des Streckenpostens. Auch die Scherben zerworfener Glasflaschen liegen überall auf dem Boden. Am Übergang Lüneburger Straße steht ein weiteres derartiges Gebäude. Doch dort sind Fenster und Türen mit Holzplatten vernagelt.

Ab dort zeigt sich Salzwedel entlang der Strecke von seiner grünen Seite. Nach dem Wohngebiet Kronsberg liegt der Tierpark auf der linken Seite, rechts befinden sich Gärten. Nach der Überquerung der Dumme wird das Gelände regelrecht sumpfig. Allerdings gestaltet sich im Stadtgebiet der Marsch über die Bahnschwellen recht schwierig. Die Strecke ist zwar freigeschnitten. Aber vor allem die Schienen im innerstädtischen Bereich sind mit den Schnitt-abfällen übersät.

Besser sieht es ab dem Altstädter Bahnhof aus. Von dort sollen am Sonntag die Fahrten nach Klötze starten. Parallel zur Wiesenstraße verläuft die Strecke Richtung Sienau und wird von Feldern und einem Graben flankiert. Ich gehe am Umspannwerk vorbei und treffe auf einen ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt. Auf ungefähr halbem Weg nach Sienau kreuzt die alte Diesdorfer Strecke auf einer verrosteten Stahlbrücke die Linie nach Oebisfelde, und nur wenige Meter weiter ist der Abzweig nach Badel zu erkennen. Allerdings fehlt dort die Weiche. Die alten Gleise liegen aber noch dort. Mehr als fünf Kilometer Fußweg liegen bereits hinter mir. Nun brechen die letzten Meter an. Der Bahndamm liegt an dieser Stelle etwas höher. Links und rechts wachsen Bäume und Sträucher. Plötzlich raschelt es rechts neben mir im Unterholz. Sekunden später springen zwei Rehe direkt vor mir über die Gleise. Von dort sind es nur noch wenige Minuten bis Sienau.

   

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