Fritz Hagen, ein Ehrenbürger von Kalbe, feierte gestern seinen 98. Geburtstag. Mitglieder der Mundartgruppe Martin Ehlies überraschten den Heimatdichter mit plattdeutscher Mundart.

Salzwedel/Mehrin l Emmy Schmidt aus Riebau hatte ex-tra ein Gedicht für das Geburtstagskind geschrieben, natürlich auf Platt. So handhabt sie es seit dessen 80. Geburtstag. Das trug sie gestern bei einer kleinen Kaffeerunde im Vita-Seniorenheim Salzwedel, in dem Fritz Hagen heute lebt, vor, ebenso wie die Premiere aus dem Jahr 1998.

Der 98-Jährige freute sich über die ihm vertraute Sprache. Denn diese liegt ihm immer noch am Herzen. Vor 65 Jahren hat er gemeinsam mit Martin Ehlies eine Mundartgruppe in Salzwedel gegründet. Sein Wunsch: das Plattdeutsche zu erhalten. Deshalb hat er auch vier Bücher geschrieben, unter anderem "Kiek maln bitschen rinn" und "Wat sick dat Dörp vertellt". "Es war eine schöne Zeit, für die Volksstimme Beiträge auf Platt zu schreiben", sagte Fritz Hagen.

Seine Augen blitzten, als er sich an seinen Vortrag im Jahr 1994 an der Universität Trier über "Die altmärkische Mundart" erinnert. Dorthin hatte ihn Prof. Dr. Jens-Peter Köster, ein ehemaliger Döllnitzer, eingeladen. Dieser sei durch das Plattdeutsche auf ihn aufmerksam geworden, erinnerte sich Fritz Hagen.

Die Sängerin Thea Steur, aus Kläden bei Stendal stammend, habe sogar einige seiner Gedichte vertont. "Da waren wir zusammen unterwegs, in Gladigau, in Brunau, in der ganzen Altmark", erzählte der 98-Jährige. Aber auch im Radio und bei unzähligen Vorträgen habe er für seine Heimatsprache geworben.

Tolle Freunde habe er kennengelernt. Leider seien einige wie Günter Stachowiak und Io von Kalben bereits verstorben. Aber dass Charlotte Görtz ihn immer noch besucht und gestern auch gratulierte, das freute Fritz Hagen sehr. Die beiden kennen sich seit 1938, waren Nachbarskinder in Mehrin und haben viel zusammen gespielt. "Der Dolchauer Berg war unser Revier", verriet Charlotte Görtz, die 1956 ihren Wohnort wechselte, aber immer noch gern an die Mehriner Zeit zurückdenkt.

Zwei Kinder, sechs Enkel und zehn Urenkel halten das Geburtstagskind jung. Fritz Hagen hofft zudem, dass die Mundartgruppe Martin Ehlies mit ihren 65 Jahren noch nicht in Rente geht. "Wir sind auf zwölf Mitglieder geschrumpft, hoffen aber auf Zuwachs", sagte gestern Sigrid Scholz.