Am 22. Februar wählen die Salzwedeler ein neues Stadtoberhaupt. Fünf Kandidaten stellen sich zur Wahl. Die Volksstimme stellt die Bewerber vor. Zweiter Teil: Sabine Danicke (parteilos).

Salzwedel l Wer als Gast zu Sabine Danicke nach Hause kommt, darf sich willkommen fühlen. Mit einem Lächeln öffnet die Oberbürgermeisterin die schwere Hoftür zu ihrem Haus. Der Weg führt über einen kleine Außenfläche die Treppe hinauf in das mehrgeschossige Gebäude. Stolz zeigt Danicke ihre Dachterrasse mit Blick auf die Altstadt und die liebevoll renovierten Räume, die ihr einst fremd waren und heute so vertraut sind.

In der Stube hat sie fürs Frühstück gedeckt. Es gibt Brötchen, Aufschnitt, Weintrauben. Und während man durch das Fenster auf die Jenny-Marx-Grundschule blickt, schwärmt sie beim Kaffeekochen aus der Küche erneut von ihrem Haus und natürlich von der Stadt, die sie gern auch "mein Salzwedel" nennt. Für den Besucher entsteht - gewollt oder nicht - von Anfang an die eine Botschaft: Sabine Danicke und Salzwedel, das gehört einfach zusammen.

Doch das war nicht immer so. Denn weder Salzwedel noch die Altmark sind die Heimat der 60-Jährigen. Eigentlich stammt Sabine Danicke aus Schlema im sächsischen Erzgebirge.

Dass ihre Beziehung zu Salzwedel nicht gerade Liebe auf den ersten Blick war, räumt sie beim Frühstücken dann selbst ein. Ihr erster Eindruck von der Stadt sei ziemlich trist gewesen, gesteht Danicke. Damals, als sie als junge Frau die Altmark besuchte, wusste sie natürlich nicht, dass die Baumkuchenstadt einmal ihr Schicksal werden sollte. Doch das Leben wollte es so, wenig später lernte sie mit ihrem Mann einen waschechten Salzwedeler kennen. "Mein Jürgen ist Altmärker, den hätte ich nie verpflanzen können", erzählt sie beim Kaffee und muss dabei lachen.

So kam es, dass die junge Sabine Danicke 1979 nach Salzwedel zog, sich einließ auf diese für sie fremde Gegend und die vermeintlich so triste Stadt. Der Anfang war schwierig. Danicke arbeitete in der Kerzenfabrik, lebte mit ihrem Mann zunächst bei den Schwiegereltern. "Als Jürgen mir dann unser späteres Haus gezeigt hat, habe ich zuerst gedacht, na ja, besser als gar nichts", gesteht sie.

Sie blieb, packte an und biss sich durch. Die Kinder Carina und Andreas wurden geboren. Im Betrieb entstanden Freundschaften. Und ihren 30. Geburtstag feierte sie bereits mit den Kollegen auf der Baustelle für das eigene Haus.

Über die Jahre wuchs auf diese Weise etwas zusammen, erzählt sie. So sehr, dass sie heute sagen könne: "Aus diesem Haus, kriegt mich keiner mehr raus." Und spätestens jetzt wird klar, was diese Frau neben ihrer gewinnenden Art vor allem auszeichnet: ihre Hartnäckigkeit. Aufgeben, das ist nicht die Sache von Sabine Danicke.

Sie hätte auch davon erzählen können, dass sie Betriebsratsvorsitzende in "der Kerze" war, dass sie Gründungsmitglied des Neuen Forums in der Stadt und später ehrenamtliche Kreis-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) war. Die Erkenntnis wäre dieselbe: Sabine Danicke hat sich eingelassen auf Salzwedel. Sie ist gekommen um zu bleiben. Und eigentlich hätte sie ebenso gut sagen können: "Aus dieser Stadt kriegt mich keiner mehr raus."

Mit dem ihr eigenen Stehvermögen will sie nun auch ihr nächstes Projekt angehen, die zweite Kandidatur für das Amt der Salzwedeler Oberbürgermeisterin. Nie wird sie müde zu betonen, wie viel für die Stadt in den vergangenen Jahren erreicht worden sei.

Bei der Bürgermeisterwahl liegt es diesmal allerdings bei den Wählern zu entscheiden, ob sie auch im Rathaus noch eine Weile bleiben kann.