Nach 40 Jahren als Allgemeinmedizinerin in Salzwedel geht Dr. Maren Bark in den Ruhestand. Ihren Beruf hat sie stets als Berufung gesehen.

Salzwedel l Ruhig und gelassen sitzt Maren Bark auf dem Sofa und schaut in den Garten hinaus. Sie scheint die Stille zu genießen. Doch als sie anfängt, über ihr Leben als Ärztin zu erzählen, wird schnell klar: So richtig abfinden kann sich die Salzwedelerin mit dem neuen Lebensabschnitt nicht.

40 Jahre lang war die heute 62-Jährige als Ärztin in Salzwedel tätig. Nun geht sie in den Ruhestand. "Ärztin zu sein ist meine Leidenschaft und auch meine Berufung. Da fällt es schon sehr schwer loszulassen", gesteht Maren Bark.

Schon als Kind wollte sie, inspiriert von ihrem eigenen Hausarzt, Medizinerin werden. "Ich war in der Jugend oft krank. Unser Arzt hat mir immer gut geholfen. Und so war auch für mich schnell klar, dass ich kranke Menschen wieder gesund machen möchte", erinnert sie sich. Maren Bark wurde am 28. März 1952 in Salzwedel geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Barnebeck.

Nach dem Ende der Schulzeit begann sie ein Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Akademie (die heutige Uniklinik) in Magdeburg. 1975 kam sie zur Facharztausbildung an das Salzwedeler Krankenhaus, wo sie zunächst auf der Station für Innere Medizin eingesetzt wurde. "Wir arbeiteten sowohl stationär als auch ambulant. Es war eine sehr solide Ausbildung", erinnert sich Maren Bark. Nach drei Jahren wurde sie in einer Praxis an der Neutorstraße eingesetzt, wo sie die Vertretung für zwei Ärzte übernahm.

"Das war eine sehr anstrengende Zeit. An drei Tagen habe ich in der Praxis gearbeitet, zwei Tage blieben für die fachärztliche Ausbildung." Zudem wurde sie auch zu Wochenend- und Nachtdiensten eingeteilt. Trotz der Umstände schloss Maren Bark 1980 die Facharzt-ausbildung ab und übernahm eine Praxis an der Neutorstraße. Damals wurden die Praxen noch vom Krankenhaus verwaltet. Ärzte waren dort angestellt, wurden je nach Bedarf auf freie Praxen aufgeteilt.

"Nach kurzer Zeit habe ich dann ein EKG-Messgerät beantragt. Der Kreisarzt hat mich damals fast durchs Telefon gezogen, weil ich als junge Ärztin schon so einen Wunsch geäußert habe", erzählt Maren Bark mit einem Lächeln. Die politische Wende brachte auch für Maren Bark und ihren Mann Wolfgang - beide stammen aus Barnebeck und hatten sich schon in der Jugend kennengelernt - viele Veränderungen. Nach der Promotion stand die Entscheidung an, wie es weitergehen sollte.

"Ohne meinen Mann hätte ich die Praxis nicht eröffnet."

"Da ich die Praxis an der Neutorstraße nicht weiterführen konnte, mussten wir entscheiden, ob wir das Risiko eingehen sollten, eine neue Praxis zu eröffnen. Das war ein großer Entschluss, den ich ohne die Unterstützung meines Mannes nie gewagt hätte", berichtet die Ärztin.

Also wurde ein Haus Vor dem Lüchower Tor gekauft. Neben der eigenen Praxis wurde noch eine weitere für einen Gynäkologen eingerichtet. An Arbeit sollte es dem Ehepaar in der Folge nicht mangeln. "Zwölf Stunden in der Praxis zu sein, war eigentlich normal. Aber wenn man mit Spaß und Freude bei der Sache ist, dann packt man das. Die Arbeit war halt immer mein Leben", betont Maren Bark mit einem leichten Schluchzen.

Und auch Wolfgang Bark war in den Praxisalltag einbezogen. Trotz seiner leitenden Position im Chemiewerk und der späteren Anstellung bei einer Krankenkasse war er der Herr über die Zahlen, stellte Kalkulationen zusammen, überprüfte die Abrechnungen. "Ich war noch nie ein Zahlenmensch. Ich glaube, ohne meinen Mann hätte ich die Praxis auch nicht eröffnet. Das wäre mir alles über den Kopf gewachsen", sagt Maren Bark.

2008 konnte die Salzwedelerin ihren Sohn Raiko mit in die Praxis einbinden - die Gemeinschaftspraxis von Mutter und Sohn entstand. "Ich bin froh, dass er in Salzwedel geblieben ist und mir eine Stütze war. Ich hoffe, dass ihm das Arztsein einmal genauso viel Freude bereitet wie mir." Neben der Arbeit war Maren Bark zudem viele Jahre als Weiterbildungsleiterin der kassenärztlichen Vereinigung tätig.

Nun einen Schlussstrich unter das Berufsleben zu ziehen, fällt ihr nicht leicht. Doch wer denkt, der Ruhestand bedeutet für sie Stillstand, kennt die Ärztin nicht gut. "Langweilig sollte mir eigentlich nicht werden. Ich werde mich der Aquarellmalerei, dem Keyboardspielen und dem Reisen widmen. Dass wir jetzt noch mehr Zeit für unsere Enkel und den Garten haben, freut mich auch sehr", erklärt Maren Bark.

So ganz vom Arztberuf will sie sich dann aber doch noch nicht verabschieden. So wird sie noch für Urlaubs- und Krankheitsvertretungen zur Verfügung stehen und auch sonst "immer bereit sein, wenn ich gebraucht werde".

Gestern hatte sie langjährige Weggefährten, Freunde und Kollegen zu einer Abschiedsfeier ins Kulturhaus eingeladen. "Als Dank für die Unterstützung und die schöne Zeit, die ich sehr vermissen werde."