Bis zur Wende hatte die Bäuerliche Handelsgesellschaft eine Filiale am Bahnhof Meßdorf. Heute erinnert nur noch ein marodes und bereits halb abgerissenes Haus an die Verkaufstelle, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert reicht.

Meßdorf l Jeder Bahnreisende, der regelmäßig mit dem Zug von Salzwedel nach Stendal fährt, erblickt am Haltepunkt Meßdorf eine der größten Bruchbuden der Region. Wenn man es genau nimmt, ist die ehemalige Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG) nur noch eine halbe Bruchbude. Vor rund zehn Jahren sei ein Teil des Gebäudes eingestürzt und abgerissen worden, erklärt Meßdorfs Ortsbürgermeister Uwe Lenz dem dieser Schandfleck schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Aber da das Gebäude in Privatbesitz ist, hat die Kommune kaum eine Handhabe.

Die Geschichte des früher blühenden Unternehmens begann um das Jahr 1890. Damals gründete die Familie Beyer einen Landhandel. Unten war das Geschäft und im Obergeschoss wohnte die Familie. "Früher gehörte ein Obst- sowie Nutzgarten mit einer Laube zum Grundstück. Zur Blütezeit herrschten dort gutbürgerliche Verhältnisse", weiß Uwe Lenz.

Später wurde aus dem Landhandel eine Raiffeisen- und Warengenossenschaft, danach kam die Bäuerliche Handelsgenossenschaft. Eine Zeit lang war die Verkaufsstelle auch Kreisbaustoffhandel. Der Niedergang des Betriebes und damit des Gebäudes begann, wie so oft, mit der Wende.

Angehörige der ehemaligen Eigentümer erhielten das verstaatlichte Unternehmen samt Immobilien zurück und verkauften es an einen Investor aus Bayern. Der kümmert sich nicht um das Gebäude und lässt es immer weiter verfallen. Ortsbürgermeister Uwe Lenz rechnet auch nicht mehr damit, dass sich an dem Landhandel noch einmal etwas tut. Wahrscheinlich werde das Restgebäude irgendwann einfach einstürzen, mutmaßt der Ortschef. Und dann kann die Ruine als Baustofflager genutzet werden. Das wäre nicht das erste Mal, dass die begehrten Backsteine im Reichsformat dort verschwinden, weiß der Bürgermeister. Wahrscheinlich wird es nicht mehr viele Jahre dauern, bis der Backstein-Basar erneut öffnet.

Das Obergeschoss hat sich bereits teilweise aufgelöst. Da das Dach undicht ist, hat der Regen Balken und Dielen aufgeweicht. Vor allem in dem Bereich, der sich nahe an der Abrissgrenze befindet, ist die Decke herunter gerauscht. In dem Flur, wo sich die Treppe zum Obergeschoss befindet, sind die Deckenteile auf ein Regal gefallen, in dem noch immer Einweckgläser stehen.

In einem an den Flur angrenzenden Zimmer, bietet sich ein interessanter Einblick in die Bauweise des Hauses. Denn unter den abgetrennten Fußbodendielen, befindet sich kein massives Fundament, sondern Sand. Aber dieser wird wohl bald wieder unter Trümmern verschwinden, wenn auch an dieser Stelle die Decke ebenfalls einstürzt.

   

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